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Arbeitsprotokoll Ruud van Nistelrooy : Im richtigen Moment am richtigen Platz

  • -Aktualisiert am

Ruud van Nistelrooy: „Ob das mein neunter oder zwölfter Frühling ist, ist mir dabei egal” Bild: dpa

Makellose weiße Schuhe, kaum Ballkontakte in der ersten Halbzeit, und dennoch der Mann des Spiels: „Irgendwie komisch mit dem Kopf“ macht der „ältere Mann“ in seinem „neunten Frühling“ das entscheidende Tor: Ruud van Nistelrooys Spielbilanz.

          Eigentlich sind es nur noch knapp 30 Meter bis zur Kabine. Und dennoch braucht Ruud van Nistelrooy eine kleine Ewigkeit, bis er sich erstmals in Ruhe über den 3:1-Auswärtssieg des Hamburger SV bei Eintracht Frankfurt freuen kann. Der Angreifer ist ein gefragter Mann. Vier Zwischenstopps bei vier Fernsehsendern und ein kurzer Halt bei der versammelten schreibenden Zunft. Immer wieder die gleiche Frage: Wie haben sie denn den Ball reingemacht? Er antwortet geduldig: „Ich weiß es gar nicht genau, irgendwie komisch mit dem Kopf, obwohl der Ball auf Kniehöhe angeflogen kam.“

          Der Hamburger Zé Roberto bringt in der 81. Minute einen Eckstoß nach innen, Paulo Guerrero verlängert den Ball und van Nistelrooy köpft das Spielgerät aus kurzer Distanz über die Linie. Es ist der 2:1-Führungstreffer für den Hamburger SV - die Vorentscheidung. Die Tormaschine Ruud van Nistelrooy hat wieder einmal zugeschlagen. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison.

          Van Nistelrooy hat großen Anteil am verdienten Erfolg

          Nach 90 Minuten steht es sogar 3:1 für die Norddeutschen. Und der niederländische Angreifer hat großen Anteil am verdienten Erfolg. Er war der beste Spieler auf dem Rasen der Frankfurter Arena. Nicht weil er durch atemberaubende Dribblings oder technisch feine Kabinettstückchen auf sich aufmerksam machte, sondern weil er einfach im richtigen Moment da war.

          Auf Knien den „Ruuud, Ruud”-Rufen entgegen

          Schon vor dem Anpfiff zeigt der 34 Jahre alte Stürmer seine ganze Klasse. Während seine Mannschaftskollegen beim Warmmachen eifrig üben und das Tor von Hamburgs Ersatztorhüter Jaroslaw Drobny unter Dauerbeschuss nehmen, probiert es der Niederländer nur zwei Mal. Ein Versuch mit dem rechten Fuß ins rechte Eck, ein Versuch mit links ins linke Eck - beide drin.

          „Ruud ist zwar älter, aber immer noch ehrgeizig“

          Mehr Übung braucht er nicht. Immerhin hat er seine außerordentliche Torgefahr schon bei Real Madrid oder Manchester United bewiesen. Schon sieben Mal wurde der 1,88 Meter große Angreifer Torschützenkönig in der spanischen, englischen oder holländischen Liga.

          Und auch in der Bundesliga ist dem „Altstar“ dieser Titel zuzutrauen. „Ruud ist zwar älter, aber immer noch ehrgeizig“, sagt Trainer Armin Veh, während der Stürmer selbst erklärt: „Ich versuche, Leistungen sprechen zu lassen. Ob das mein neunter oder zwölfter Frühling ist, ist mir dabei egal.“

          Van Nistelrooy will mit Leistung überzeugen. Die glänzend weißen Schuhe des Hamburgers treten nach 23 Minuten das erste Mal in Erscheinung. Jonathan Pitroipa passt den Ball nach innen, van Nistelrooy lenkt ihn direkt weiter in den Lauf des Hamburger Außenstürmers, dessen Versuch jedoch scheitert. Viel mehr ist von van Nistelrooy im ersten Abschnitt aber nicht zu sehen. So kommt es sogar, dass der HSV zur Pause mit 0:1 hinten liegt. Frankfurts Halil Altintop fälscht einen Schuss von Patrick Ochs unhaltbar zur Führung ab (38.).

          Erst nach dem Seitenwechsel taut der Angreifer auf

          Van Nistelrooy nimmt den Rückstand gelassen hin. Es ist nicht der erste in seiner langen Karriere. Weit entfernt steht er in der gegnerischen Hälfe, schüttelt kurz den Kopf und bewegt sich zum Anstoß an den Mittelkreis. Erst kurz vor dem Pausenpfiff nimmt er wieder auffällig am Spiel teil. Auf eine Brustannahme an der Strafraumgrenze folgte ein Volleyschuss, der aber einige Meter über das Tor fliegt. Es war noch nicht sein Spiel.

          Erst nach dem Seitenwechsel taut der Angreifer auf. Plötzlich ist er da - fußballerisch und verbal. Immer wieder feuert er seine Mitspieler an, liefert sich ein Wortgefecht mit Frankfurts Patrick Ochs und fordert den Schiedsrichter lautstark auf, das Zeitspiel der Hessen zu unterbinden. Ruud van Nistelrooy reißt seine Mannschaft mit und hat damit Erfolg.

          „Ruud Ruud“-Rufe hallen durch das Stadion

          Joris Mathijsen köpft einen Eckball von Zé Roberto zum 1:1 ins Netz (61.). Der HSV ist nun im Aufwind und auch van Nistelrooy deutet seine Qualität an. Einen exzellenten Drehschuss kann Frankfurts Torhüter Ralf Fährmann gerade noch um den Pfosten lenken. Wenig später ist der Schlussmann machtlos. Kein Hesse fühlt sich im Fünfmeterraum für van Nistelrooy verantwortlich, der den Ball über die Linie köpft.

          Auf den Knien rutscht er in die Fankurve, es hallen laute „Ruud Ruud“-Rufe durch das Stadion. Der Widerstand der Eintracht ist gebrochen, Guerrero erhöht in der 89. Minute noch auf 3:1 und Ruud van Nistelrooy bereitet sich auf die härtesten 30 Meter dieses Tages vor.

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