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Arbeitsprotokoll: Kevin de Bruyne : Bremer Ballbeschleuniger

  • -Aktualisiert am

De Bruynes Flachschuss rauscht um Zentimeter vorbei

Aber die Insel ist sein Ziel – nicht nur, weil London die Heimat seiner Mutter ist und Opa und Onkel noch dort leben. De Bruyne ist nur bis zum Saisonende Bremer, danach kehrt er wohl zu Chelsea zurück. Beim Champions-League-Sieger hat er einen Vertrag bis 2017. Da er aber bei den „Blues“ keine Aussicht auf regelmäßige Einsätze hatte, ließ sich der Belgier ausleihen, auch, um bei Nationaltrainer Marc Wilmots seine Chancen auf die WM 2014 nicht zu verlieren, die die „Roten Teufel“ mit einer vielversprechenden jungen Mannschaft erreichen wollen.

Um bei Chelsea zu bestehen, sollte de Bruyne noch an seiner Effizienz vor dem Tor arbeiten, selbst wenn er mit vier Toren und vier Torvorlagen eine gute Bilanz in dieser Saison aufweist. In der 39. Minute stürmt er bei einem Konter in ein direktes Duell mit Abwehrspieler Heiko Butscher. Den Frankfurter lässt er mit einer Körpertäuschung leicht aussteigen, doch der Flachschuss aus halbrechter Position rauscht um Zentimeter am langen Pfosten vorbei – das hätte die Führung sein müssen.

Beidfüßigkeit dank zerbrochener Blumenkübel

Die fällt kurz nach Wiederanpfiff, aber nicht für Bremen. Alexander Maier köpft das 1:0 für die Eintracht. Werder reagiert wie schon zuvor: Freistoß de Bruyne, Kopfball – vorbei. Erfolgreicher wird es nach 54 Minuten, als der Belgier mal wieder den Bremer Ballbeschleuniger spielt. Sein öffnender Pass bringt Marko Arnautovic etwas Raum, die Flanke des Österreichers von rechts vollendet Petersen per Kopfball zum Ausgleich – so schnell kann das gehen, wenn de Bruyne seine Füße im Spiel hat.

Was passiert, wenn das nicht der Fall ist, muss Werder in Minute 62 erkennen. De Bruyne verpasst es, Pirmin Schwegler zu stören; der Eintracht-Kapitän trifft aus der Distanz zur abermaligen Frankfurter Führung. Kurz zuvor hatte der Bremer noch auf der anderen Seite Trapp mit einem Fernschuss, den er mit rechts abfeuerte, geprüft. Auffällig ist de Bruynes Beidfüßigkeit – ein Erbe seiner Kindheit. Weil nach Schüssen mit dem rechten Fuß zu oft Blumenkübel zerbrachen, wiesen ihn die Eltern an, im eigenen Garten nur noch mit links zu schießen. Davon profitiert er noch heute sichtbar.

Im Sommer geht die Reise nach London

Auf Schweglers 2:1 folgt schnell das 3:1 durch Stefan Aigner. De Bruyne lässt sich nicht hängen, verteilt weiter eifrig Bälle und schießt gefährliche Freistöße – ohne zählbaren Erfolg. Es ist das große Problem der Bremer an diesem Abend, die auch noch in der letzten Minute das 4:1 durch Takashi Inui – aus knapper Abseitsposition – hinnehmen müssen. Nach der Partie haben es de Bruyne und Co. noch einmal eilig. Nur bei pünktlichem Abflug geht es direkt nach Bremen und nicht erst nach Hannover.

Wohin die Reise des belgischen Meisters und Pokalsiegers, der Ähnlichkeit zum britischen Prinzen Harry nicht leugnen kann, im Sommer geht, ist klar. Er kehrt zu Chelsea zurück und hofft auf eine große internationale Karriere. Das Potential dazu hat er, das zeigte nicht nur das Spiel in Frankfurt. Sollte er seinen Platz im Staraufgebot der „Blues“ allerdings nicht finden, wird sich Werder sicher wieder um de Bruyne bemühen. Denn so einen Ballbeschleuniger hatten sie seit den Star-Spielmachern wie Johan Micoud, Diego oder Mesut Özil lange nicht mehr an der Weser.

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