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Arbeitsprotokoll Asamoah : Gerald, der Unermüdliche

  • -Aktualisiert am

Die Brust am Ball, der Rücken zum Gegner: Asamoah im Zweikampf Bild: REUTERS

Vor der Saison fragte sich mancher, ob Asamoah noch mit dem Tempo in der Bundesliga mithalten könne. Für den Trainer ist er unersetzlich: Er hält Bälle, holt Freistöße raus und ackert wie kaum ein Zweiter. Doch ein „Knipser“ wird er keiner mehr.

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          36 Sekunden waren gespielt in der Frankfurter Commerzbank Arena. Auf der Anzeigetafel blinkte eine 1:0-Führung – für die Eintracht. Und während die Frankfurter Spieler eine Jubeltraube um ihren Torschützen Alexander Meier bildeten, hatte Gerald Asamoah seine erste starke Szene des Spiels. Während fast alle Fürther Spieler angesichts des frühen Rückschlags die Köpfe hängen ließen, spurtete der Stürmer Richtung eigenem Sechzehner und nahm den Ball auf, um diesen an den Anstoßpunkt zu tragen – als sei nichts passiert.

          Er, mittlerweile 34 Jahre alt, sei dazu da, um die jungen Spieler zu motivieren, erzählte er nach dem Spiel. Die Szene war symptomatisch für seine Rolle beim Aufsteiger. Und so war das Spiel in Frankfurt symptomatisch für seine Aufgabe im Fürther Mannschaftsgefüge. Asamoah ist im mittlerweile fortgeschrittenen Fußballer-Alter nicht der Stürmer, der durch spektakuläre Einzelaktionen auffällt, der sich aus zwanzig Metern den Ball nimmt, und diesen im Winkel versenkt. Er ist, was ihn immer schon auszeichnete: der Unermüdliche.

          Während sich der fünf Jahre jüngere Torschütze Meier nach kräftezehrenden „englischen Wochen“ auf der Gegenseite immer wieder konditionelle Pausen gönnte, rannte Asamoah über 90 Minuten, suchte die Zweikämpfe, rackerte, beruhigte das Spiel seiner anfangs hektisch wirkenden und meist wesentlich jüngeren Mannschaftskollegen durch geschickt herausgeholte Freistöße sowie Einwürfe. In der ersten Halbzeit war er als einzige etatmäßige Spitze noch oft auf sich allein gestellt. Fürth spielte, wie vom Trainer verordnet, vorsichtig.

          Und so wirkte Asamoah, als der Aufsteiger sein überfallartiges Konterspiel über die schnellen Halb- und Außenpositionen noch nicht vortrug, phasenweise wie ein Fremdkörper im Fürther Spiel. Als die langen Bälle ihn erreichten, ging er aus den zahlreichen Zweikämpfen, die er mit dem Rücken zum Gegner und geschmeidiger Brustannahme führte, meist als Verlierer hervor. Gefahr strahlte er so zunächst keine aus.

          Noch immer blitzschnell im Antritt

          Doch nach 23 Minuten deutete sich erstmals an, worin seine Stärke im Angriffsspiel nach wie vor besteht. Es sind die Sekundenbruchteile der Unaufmerksamkeit im gegnerischen Spielaufbau, die er zu blitzschnellen Antritten nutzt. Die Konterchance, die sich im eröffnete, vereitelte in dieser Szene der ebenso gedankenschnelle Frankfurter Torhüter Kevin Trapp.

          Ist sein unermüdlicher Antrieb bis heute das Markenzeichen Asamoahs, bestätigte sich in Frankfurt eine weitere Konstante, die sich mit Ausnahme seiner Anfangszeiten in Hannover (1996 bis 1999) durch seine Karriere zieht. Er war nie der große Torjäger, zwar schnell am Ball, aber teils fahrlässig im Abschluss. Das beste Beispiel bot die 27. Spielminute: Nach einem Fehlpass in der Eintracht-Deckung hatte er den Ball aufgenommen und schlug alleine vor Trapp einen Hacken zu viel. Der Torhüter stellte die kurze Ecke geschickt zu und Asamoah scheiterte mit einem letztlich harmlosen Linksschuss.

          Das Spiel beruhigen: Asamoah suchte die Duelle mit der Eintracht-Defensive - und stieß auf Gegenwehr Bilderstrecke
          Das Spiel beruhigen: Asamoah suchte die Duelle mit der Eintracht-Defensive - und stieß auf Gegenwehr :

          Bedarf einer These eines zweiten Beweises, lieferte diesen Beleg die 58. Minute: Nach einem Stellungsfehler Bamba Andersons stand der Fürther Stürmer plötzlich wieder alleine vor Trapp – und wählte diesmal den schnörkellosen Abschluss. Trapp parierte den Lupfer-Ansatz, Asamoah war wieder gescheitert. Er habe heute einem starken Torhüter gegenüber gestanden, erzählte er nach dem Spiel.

          Zurecht wehrte er sich nach einer soliden Leistung gegen Kritik: In der zweiten Hälfte behauptete er zunehmend Bälle und legte diese in Bedrängnis clever auf seine Mitspieler. So in der 75. Minute, als Stephan Fürstner, von ihm per Hackentrick in Szene gesetzt, aus dem Rückraum an Trapp scheiterte. Und auch wenn er in der 79. Minute nach einem unnötigen Foul und anschließendem Lamentierens die Gelbe Karte kassierte, zeigte er bis zum Schlusspfiff eines – unermüdlichen Einsatz.

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