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Ante Rebic und die Eintracht : Noch immer ein Frankfurter – Stand jetzt

Eintracht Frankfurts Ante Rebic bejubelt seinen Treffer zum 5:3 im DFB-Pokal-Spiel gegen Waldhof Mannheim. Bild: EPA

Bleibt Ante Rebic der Eintracht aus Frankfurt erhalten? Ein Statement von Trainer Adi Hütter weckt bei Anhängern böse Erinnerungen. Und Rebic? Der trifft, küsst – und schweigt.

          Es war eine Formulierung, die gewisse Erinnerungen weckte und nicht dazu angetan war, die Mutmaßungen zu beenden. „Stand jetzt“, sagte Adi Hütter nach dem 5:3-Sieg seiner Mannschaft in der ersten Pokalrunde beim SV Waldhof Mannheim, sei Ante Rebic ein Spieler der Eintracht: „Mehr muss man dazu gar nicht sagen.“ Damit sprach der österreichische Fußballlehrer wahre Worte aus, doch bei all jenen, die auf einen langfristigen Verbleib des kroatischen Offensivspielers in Frankfurt hoffen, lösten sie eher die Befürchtung aus, dass der Abschied Rebics in dieser Transferperiode jetzt erst recht folgen könnte. Bei der Redewendung „Stand jetzt“ werden Anhänger des hessischen Bundesligaklubs hellhörig, seitdem sie im Frühjahr 2018 von Niko Kovac gewählt wurde, der damit am 5. April zunächst ein spitzfindiges Bekenntnis zur Eintracht abgab – und acht Tage später beim FC Bayern einen Vertrag als Nachfolger von Jupp Heynckes unterschrieb.

          So weit, dass die Deutungen zu Rebics weiterem Karriereweg alsbald den Status der Spekulationen hinter sich lassen werden, ist es noch nicht. Am Montag kam – nach Atlético Madrid und Inter Mailand – mit dem AC Mailand vielmehr ein weiterer vermeintlicher Klub hinzu, der laut italienischen Medienberichten Interesse an den Diensten des 26-Jährigen angemeldet haben soll. Rebic selbst verliert in der Öffentlichkeit keinen Ton darüber, ob er seine Zukunft bei der Eintracht oder fern von Frankfurt sieht. Seit seinem Wechsel vom AC Florenz im Spätsommer 2017 gab er so gut wie keine Interviews. Auch in Mannheim zog er stillschweigend von dannen. Als Andenken an einen außergewöhnlichen Auftritt hatte er sich den Spielball gesichert, den er unter sein Trikot steckte und so alle Kameras und Mikrofone nach Schlusspfiff links liegenließ. Mit seinem Hattrick in der Schlussphase (76., 82., 88.) sicherte er dem Team, das gerade in der ersten Halbzeit vom drittklassigen Gegner vor arge Probleme in der Defensive gestellt wurde, noch das Weiterkommen. „Dass Ante der Matchwinner ist, muss wohl nicht erwähnt werden“, kommentierte Hütter.

          Bobic: Noch kein schriftliches Angebot für Rebic

          Rebic gelang anfangs ebenfalls wenig Produktives, er gewann lediglich 17 Prozent der Zweikämpfe. Er konnte von Glück sagen, dass er für seinen Frust-Schuss auf die Tribüne in einer Spielunterbrechung keine Verwarnung erhielt. Erst in der Schlussphase beflügelte er als Linksaußen die zuvor flatterhaft auftretende Eintracht – und dadurch hinterher aufs Neue die Phantasie. „Wir sind nach wie vor optimistisch“, antwortete Sportdirektor Bruno Hübner auf die Frage, ob der bullige Angreifer seinen Vertrag beim Tabellensiebten der vorigen Saison tatsächlich erfüllen wird. Vor zwölf Monaten, als Rebic seinem glanzvollen Auftritt im Pokalfinale in Berlin mehrere nicht weniger furiose Darbietungen im Nationaltrikot bei der WM in Russland folgen ließ, standen die Zeichen schon einmal auf Trennung, ehe es den Frankfurtern gelang, den Stürmerstar zu einer vorzeitigen Verlängerung der Zusammenarbeit bis Mitte 2022 zu bewegen. Sie griffen dafür tief in die Tasche und hoben sein Salär kräftig an; neben dem vergangene Woche von Paris Saint-Germain abgeworbenen Torwart Kevin Trapp zählt Rebic dem Vernehmen nach mit rund vier Millionen Euro Jahresgehalt zu den Topverdienern. Andernorts, so legten es Äußerungen seines Beraters dar, würde er noch mehr verdienen können. „Das ist auch immer wieder die individuelle Situation eines Spielers. Wenn der vielleicht die Möglichkeit hat, zu einem Topverein zu gehen, dann wird es halt so sein, dass man ihn schwer halten kann“, sagte Hütter am Wochenende.

          Sportvorstand Fredi Bobic hatte bereits angekündigt, dass die Eintracht unabhängig vom Fortgang der Causa Rebic noch auf der Suche nach einem Angreifer sei. In Luka Jovic (Real Madrid) und Sébastien Haller (West Ham United) verlor der Klub zuletzt zwei seiner Topleute. „Ich finde, wichtig ist, dass wir gewappnet sind, dass, wenn einer geht, wir wissen, was wir zu tun haben. Da sind wir dran. Daher bin ich da relativ relaxed“, sagte Hütter. „Wir hoffen und wünschen es uns, dass Ante bleibt. Bislang ist kein einziger Klub auf uns zugekommen und hat ein schriftliches Angebot hinterlegt“, sagt Bobic seit Wochen, machte dabei aber immer deutlich: „Es ist noch Bewegung auf dem Markt und nicht abzusehen, was noch passiert.“

          Hoffen dürfen die Frankfurter Fans also noch. „Ante weiß, was er an der Eintracht hat. Er weiß den Klub und die Fans sehr zu schätzen. Wie sehr ihn die Fans mögen, hat man in Mannheim auch wieder gespürt“, sagte Bobic. Nachdem er der Partie die entscheidende Wendung gegeben hatte, küsste Rebic am Sonntag demonstrativ das Adler-Wappen auf seinem Trikot. Durch eine ähnliche Aktion fiel auch Jovic am 1. Mai auf. Am 4. Juni wurde sein Wechsel zu Real Madrid verkündet.

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