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Eintracht Frankfurt : Rebic ist wieder ganz der Alte

  • -Aktualisiert am

Das waren Zeiten: Ante Rebic (links) und Mijat Gacinovic feiern den DFB-Pokalsieg in Berlin im Mai 2018. Bild: Picture-Alliance

Ante Rebic lässt während des Trainingscamps in Florida Taten statt Worte sprechen. Der Eintracht-Stürmer trifft gegen São Paulo und erhält viel Lob.

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          Ganz zum Schluss stellte sich der Gegner doch noch als unüberwindbares Hindernis da. Oder besser: seine Fans. Die Anhänger des FC São Paulo blockierten die Straße, in der Hoffnung, einen letzten Blick auf ihre Fußball-Lieblinge erhaschen oder gar ein Selfie mit ihnen machen zu können. Für die Delegation der Eintracht gab es da kein Durchkommen. Eskortiert von der amerikanischen Polizei, musste der Bus, der Spieler und Trainer zurück in ihr Quartier brachte, den Rückwärtsgang einlegen. Auf dem Platz im AL Lang Stadium hatte es zuvor ein wenig anders ausgesehen. Es waren die Frankfurter, die gerade in der ersten Halbzeit durch schnelles Vorstoßen dem sechsmaligen brasilianischen Meister eine Kostprobe ihres Könnens boten, das zielstrebig und attraktiv aussah.

          Auch Adi Hütter, dem Coach der Hessen, gefiel es, wie druckvoll seine Leute immer wieder Pressing-Situationen schufen, so das Geschehen weit vom eigenen Strafraum weg verlagern konnten und damit die Grundlage für den 2:1-Sieg schufen. Ante Rebic, der mit einem wuchtig geschossenen Strafstoß unter die Latte die Führung erzielte (10. Minute), tat sich dabei vor der Pause als zentraler Angreifer hervor. Der Kroate rannte und rackerte, als ob es beim „Florida Cup“ um mehr als ein bisschen Prestige gehen würde, trieb seine Nebenleute immer wieder zur Attacke an, spurtete aber auch zurück, um in der Abwehr Lücken zu schließen, und ging überhaupt wie in seinen besten WM-Momenten oder dem vergangenen Pokalfinale nicht einem Zweikampf aus dem Weg. Nach dem Ausgleich durch Nenê (55.) sorgte eine Hereingabe von Luka Jovic, die von Vinícius unhaltbar für den eigenen Keeper zu einem Eigentor abgefälscht wurde (64.), für die Entscheidung.

          Bis zum Seitenwechsel, als Hütter zehn Mann auswechselte (nur Branimir Hrgota stand beide Halbzeiten auf dem Feld), bildete Rebic den Dreh- und Angelpunkt in der Frankfurter Offensive, auf der demnächst in der Bundesliga-Rückrunde sowie der Europa League wiederum große Hoffnungen lasten. Hütter, der es eigentlich nicht sonderlich mag, einzelne Akteure aus seinem Kollektiv zu benennen, um sie zu lobend hervorzuheben, sprach später von einem „sehr guten Test“. Zu dessen Gelingen Rebic einen erheblichen Beitrag geleistet habe: „Ante hat sehr viel gearbeitet“, stellte der Österreicher fest, „das war ein sehr gutes Spiel von ihm“. Mit seiner Einsatzbereitschaft habe der 25-Jährige die Eindrücke bestätigt, durch die er in den vorigen Tagen während des Aufenthalts in der IMG Academy in Bradenton das Bild vermittelte, dass das neue Jahr für ihn besser beginnen könnte, als das alte endete, das ansonsten reich an sportlichen Höhepunkten war.

          Rebic hatte wegen einer Fußverletzung vor Weihnachten sein Mitwirken am Duell mit dem FC Bayern absagen müssen und damit die Gelegenheit versäumt, mit der Münchner Verteidigung, die er im Mai beim Triumph im Berliner Olympiastadion nach Strich und Faden vernascht hatte, wiederum die Kräfte zu messen. Von den bislang 25 Pflichtspielen, die von den Frankfurtern seit der Sommerpause bestritten wurden, absolvierte er 16 und schoss dabei fünf Tore. In Hoffenheim flog er Anfang Oktober mit der Gelb-Roten Karte vom Platz, ansonsten wurde er von Hütter regelmäßig eingetauscht oder ausgewechselt, in drei Begegnungen war er über die volle Dauer dabei. Die kurze Erholungsphase nach dem WM-Abenteuer, bei dem er bis zum Endspiel gegen Frankreich nur dabei sein konnte, weil er sich nach einem Schlag auf den Spann mit Schmerzmitteln behandeln ließ, sein verspäteter Einstieg in die Vorbereitung und immer wiederkehrende muskuläre Beschwerden, die von den Medizinern auch als Stressreaktion des Körpers gewertet wurden, waren Gründe, die ihn dazu zwangen, öfter die Füße still zu halten, als es ihm eigentlich lieb ist.

          Er sei, kündigte Rebic unlängst in Frankfurt an, wohl erst von Januar an „wieder ganz der Alte“. Die Kollegen, die in Florida über ihn sprechen, taten es am Donnerstag durchweg wohlwollend. So wie Marc Stendera, der meinte, dass es zu spüren sei, wie groß der Ehrgeiz ist, mit dem Rebic zu Werke gehe: „Man hat gemerkt, dass er immer spielen will.“ Im internen Goalgetter-Ranking liegt Rebic hinter Jovic, der in der Bundesliga und im internationalen Geschäft zusammengenommen bislang 17 Mal traf, und Sebastién Haller, der auf zwölf Treffer kommt. Doch das Kraftpaket deutete am Donnerstag an, dass er seine Rolle womöglich ein wenig anders als zuletzt interpretieren und nicht nur den Abschluss suchen will, sondern sich stattdessen auch mit dem Blick für den günstiger postierten Nebenmann als Wegbereiter verdient machen möchte. „Wir haben alle gesehen, dass Ante wieder frisch und vital ist“, konstatierte Gelson Fernandes. „Das freut mich: Denn es ist gut für ihn und gut für uns.“

          In Florida, wo an diesem Samstag noch ein Match gegen Flamengo Rio de Janeiro (22 Uhr, MEZ) ansteht, ehe es wieder heimgeht, ließ Rebic Taten statt Worte sprechen. Er wurde ansonsten von der Medienabteilung der Eintracht abgeschirmt und trat nur für Aufnahmen des klubeigenen TV-Programms vor Kameras und Mikrofone. Am Donnerstagabend verschwand er als einer der Ersten im Bus. Und die Wartezeit überbrückte er sich mit Essen, das von Teammanager Christoph Preuß zu später Stunde kurzerhand organisiert wurde: Truthahnfleisch in Pappschachteln. Seinen Erfolgshunger kann Rebic dann nach der Abreise aus den Vereinigten Staaten richtig stillen.

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