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Grenzüberschreitung im Stadion : Zeit für Rote Karten

  • -Aktualisiert am

Kein Spiel ist mehr wert als die Würde eines Menschen: Es wird Zeit für einen Kulturwandel im Stadion. Bild: dpa

Die Debatte um den Verfall der Sitten im Fußball läuft: Im Stadion zeigt sich der Spaltungsprozess der Gesellschaft auf rohe Art. Was ist zu tun?

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          Beim Fußball jauchzt die Seele. Es wird geschrien und gejubelt, gehofft und geträumt, applaudiert und gepfiffen. Auf dem Rasen gibt es was auf die Knochen, leichtfüßige Künstler verblüffen, Abräumer klären, Stürmer schlenzen, Verteidiger grätschen. Sie kommunizieren miteinander, die Mannschaften und ihr Publikum im Tollhaus Stadion. Der Ton ist rauh, die Worte deftig, die Gesänge martialisch. Fußball, hieß es einmal, sei ein Proletensport. Alle gehen hin, als wollten sie samstags Prolet sein dürfen, Stress abbauen, einmal die Sau rauslassen, direkt, unkonventionell, geradeaus in einer immer komplizierter gewordenen Welt. Es ist ein Spiel mit dem Spiel. Aber die Grenzen sind überschritten.

          Das haben Spieler gesagt in den vergangenen Wochen. Dass sie den Platz verlassen wollen, falls so etwas noch einmal passiert: Rassismus, übelste Beleidigungen, schreckliche Symbolik im Kontext einer frischen Gewalttat. Wie können Menschen dem Konterfei eines ehrenwerten Mannes ein Fadenkreuz auf die Stirn malen und ihn als Jagdziel großflächig in der Stadionkurve präsentieren – zwei Tage nach dem Massenmord in Hanau? Es spielt keine Rolle, wo Grenzen übertreten werden, ob in der Kurve der Ultras, im Mittelblock der Gutbürgerlichen oder bei einer Rede des Aufsichtsrats von Schalke 04. Es ist unerheblich, ob Entgleisungen als Mittel zum Zweck verbrämt werden, angeblich einem höheren Ziel mit ehrbarer Grundlage dienen, wie es Ultras bei ihrer Hetze gegen den Sponsor und Mäzen Hopp für sich reklamieren.

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