https://www.faz.net/-gtm-9mu6i

Angebliche BVB-Plakate : „Lieber die Meisterschaft an Bayern verlieren als Dorstfeld an die Nazis“

  • -Aktualisiert am

Guerilla-Marketing gegen Rechts? Eine Plakataktion in Dortmund sorgt für Wirbel. Bild: Marc Quambusch

Mit markigen Sprüchen positionieren sich Mario Götze, Marco Reus & Co. auf Plakaten in der Dortmunder Innenstadt angeblich gegen Rechtsextreme. Die Sache hat jedoch einen Haken.

          2 Min.

          „Lieber die Meisterschaft an Bayern verlieren als Dorstfeld an die Nazis.“ Angeblich stammen diese Worte von Borussia Dortmunds Mario Götze. Zu lesen waren sie in leuchtend gelber Schrift auf Plakaten, die seit Samstag in der gesamten Dortmunder Innenstadt hängen. Neben Götze waren auch angebliche Statements von Kapitän Marco Reus („Lieber Schalkesieg als Nazikiez“), Rechtsverteidiger Lukasz Piszceck („Lieber Ersatzbank als Rechtsaußen“, Trainer Lucien Favre („Dauerkarten für Naziaussteiger“) sowie des früheren BVB-Profis Andreas Möller („Mailand oder Madrid – Hauptsache kein Dorstfeld“) zu sehen. Darunter die Hashtags #LieberechteLiebestattrechteTriebe und #Nazisraus.

          Eine deutliche Positionierung des Bundesliga-Zweiten gegen rechte Umtriebe in der Ruhrgebietsmetropole also? Schließlich entspricht das Design der Plakate auf den ersten Blick durchaus dem offiziellen Auftritt des Bundesligaklubs. Die Logos des Familienministeriums sowie von Exit Deutschland, einer Initiative für Aussteiger aus der rechten Szene, verleihen den Plakaten zusätzlich einen seriösen Anschein.

          Erst beim genauen Hinsehen fallen einige Unstimmigkeiten auf. So passen die Poster nicht genau in die Plakatkästen, einige sind geknickt und haben „Eselsohren“. Zudem weicht die Gestaltung in Details von dem Corporate Design des BVB ab. Bei echten BVB-Plakaten steigt der Schriftzug stets genau im Winkel von 09 Grad (Anspielung aufs Gründungsjahr 1909) von links unten nach rechts oben. Bei der Anti-Nazi-Plakataktion fällt der Schriftzug hingegen von links oben nach rechts unten ab. Zudem bewirbt keiner der angeblichen Initiatoren die Aktion auf seinen Kanälen in den sozialen Medien.

          Am Nachmittag erklärt der BVB ebenso wie „Exit“ auf Twitter, nicht Urheber der Aktion zu sein. „Borussia Dortmund steht für den Kampf gegen Rassismus und distanziert sich klar von jeglicher Form von Diskriminierung. Der BVB ist aber nicht Urheber der sich zurzeit im Umlauf befindlichen Plakate“, heißt es auf dem Twitterkanal der Dortmunder. „Ich habe gehört, dass es diese Fake-Plakate gibt. Wir haben nichts damit zu tun. Ob wir uns dagegen wehren können, weiß ich nicht“, sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Und Mediendirektor Sascha Fligge erklärte am Samstag nach dem 3:2-Sieg über Düsseldorf: „Wir werden es sicher aufklären. Aber das ist heute nicht der richtige Tag dafür.“ Dem Bundesfamilienministerium, dessen Logo ebenfalls auf den Plakaten auftauchte, war von der Kampagne nichts bekannt, wie der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag mitgeteilt wurde.

          Wer die Plakate tatsächlich aufgehängt hat, war zunächst nicht bekannt. Die Polizei nahm Ermittlungen zu den Urhebern auf. Der Betreiber für Stadtmöbel, Wall, hat die Poster inzwischen entfernen lassen und Anzeige erstattet, wie eine Sprecherin am Sonntag sagte. „Wir haben am Samstag den Hinweis auf die Plakate erhalten und sofort geprüft, ob sie von einem unserer Kunden stammen. Das war nicht der Fall“, erklärte Unternehmenssprecherin Frauke Bank. Die Werbevitrinen seien unrechtmäßig geöffnet und bestückt worden. Allerdings habe es keine erheblichen Beschädigungen gegeben. „Eine illegale Nutzung unserer Anlagen kommt öfter vor. Ungewöhnlich sind hier die vielen offenbar gefaketen Logos.“

          Neben zahlreichen positiven Reaktionen rief die Aktion auch Kritik hervor. So wurde unter anderem bemängelt, dass durch die Plakate alle Dorstfelder als Nazis abgestempelt würden. Der Dortmunder Stadtteil ist seit langem als Hochburg der rechtsextremen Szene bekannt.

          Weitere Themen

          Bayerns Basketballer zaubern wieder

          Euroleague : Bayerns Basketballer zaubern wieder

          Die Basketballer des FC Bayern haben sich für die Pokalniederlage gegen Bonn rehabilitiert und in der Euroleague ihre bislang beste Saisonleistung gezeigt. Ein deutscher Nationalspieler war mal wieder in Topform.

          Topmeldungen

          Die Demokratin Nancy Pelosi gerät im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump aneinander.

          Trump gegen Pelosi : Da oben ist was nicht in Ordnung

          Syrien, Ukraine – und die eigene Partei: Donald Trump kämpft an mehreren Fronten. Das geht an die Substanz des amerikanischen Präsidenten. Das zeigt auch der heftige Streit mit Nancy Pelosi. Unterdessen verschärft sich die Konfrontation mit dem Kongress.

          Katanlonien : Barcelona erlebt vierte Krawallnacht

          Die Proteste gegen die Verurteilung von Separatistenführern zu langjährigen Haftstrafen reißen nicht ab. Nicht alle sind gewalttätig: Diesen Freitag soll ein Generalstreik Katalonien lahmlegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.