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Angebliche BVB-Plakate : „Lieber die Meisterschaft an Bayern verlieren als Dorstfeld an die Nazis“

Guerilla-Marketing gegen Rechts? Eine Plakataktion in Dortmund sorgt für Wirbel. Bild: Marc Quambusch

Mit markigen Sprüchen positionieren sich Mario Götze, Marco Reus & Co. auf Plakaten in der Dortmunder Innenstadt angeblich gegen Rechtsextreme. Die Sache hat jedoch einen Haken.

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          „Lieber die Meisterschaft an Bayern verlieren als Dorstfeld an die Nazis.“ Angeblich stammen diese Worte von Borussia Dortmunds Mario Götze. Zu lesen waren sie in leuchtend gelber Schrift auf Plakaten, die seit Samstag in der gesamten Dortmunder Innenstadt hängen. Neben Götze waren auch angebliche Statements von Kapitän Marco Reus („Lieber Schalkesieg als Nazikiez“), Rechtsverteidiger Lukasz Piszceck („Lieber Ersatzbank als Rechtsaußen“, Trainer Lucien Favre („Dauerkarten für Naziaussteiger“) sowie des früheren BVB-Profis Andreas Möller („Mailand oder Madrid – Hauptsache kein Dorstfeld“) zu sehen. Darunter die Hashtags #LieberechteLiebestattrechteTriebe und #Nazisraus.

          Simon Hüsgen
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.
          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eine deutliche Positionierung des Bundesliga-Zweiten gegen rechte Umtriebe in der Ruhrgebietsmetropole also? Schließlich entspricht das Design der Plakate auf den ersten Blick durchaus dem offiziellen Auftritt des Bundesligaklubs. Die Logos des Familienministeriums sowie von Exit Deutschland, einer Initiative für Aussteiger aus der rechten Szene, verleihen den Plakaten zusätzlich einen seriösen Anschein.

          Erst beim genauen Hinsehen fallen einige Unstimmigkeiten auf. So passen die Poster nicht genau in die Plakatkästen, einige sind geknickt und haben „Eselsohren“. Zudem weicht die Gestaltung in Details von dem Corporate Design des BVB ab. Bei echten BVB-Plakaten steigt der Schriftzug stets genau im Winkel von 09 Grad (Anspielung aufs Gründungsjahr 1909) von links unten nach rechts oben. Bei der Anti-Nazi-Plakataktion fällt der Schriftzug hingegen von links oben nach rechts unten ab. Zudem bewirbt keiner der angeblichen Initiatoren die Aktion auf seinen Kanälen in den sozialen Medien.

          Am Nachmittag erklärt der BVB ebenso wie „Exit“ auf Twitter, nicht Urheber der Aktion zu sein. „Borussia Dortmund steht für den Kampf gegen Rassismus und distanziert sich klar von jeglicher Form von Diskriminierung. Der BVB ist aber nicht Urheber der sich zurzeit im Umlauf befindlichen Plakate“, heißt es auf dem Twitterkanal der Dortmunder. „Ich habe gehört, dass es diese Fake-Plakate gibt. Wir haben nichts damit zu tun. Ob wir uns dagegen wehren können, weiß ich nicht“, sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Und Mediendirektor Sascha Fligge erklärte am Samstag nach dem 3:2-Sieg über Düsseldorf: „Wir werden es sicher aufklären. Aber das ist heute nicht der richtige Tag dafür.“ Dem Bundesfamilienministerium, dessen Logo ebenfalls auf den Plakaten auftauchte, war von der Kampagne nichts bekannt, wie der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag mitgeteilt wurde.

          Wer die Plakate tatsächlich aufgehängt hat, war zunächst nicht bekannt. Die Polizei nahm Ermittlungen zu den Urhebern auf. Der Betreiber für Stadtmöbel, Wall, hat die Poster inzwischen entfernen lassen und Anzeige erstattet, wie eine Sprecherin am Sonntag sagte. „Wir haben am Samstag den Hinweis auf die Plakate erhalten und sofort geprüft, ob sie von einem unserer Kunden stammen. Das war nicht der Fall“, erklärte Unternehmenssprecherin Frauke Bank. Die Werbevitrinen seien unrechtmäßig geöffnet und bestückt worden. Allerdings habe es keine erheblichen Beschädigungen gegeben. „Eine illegale Nutzung unserer Anlagen kommt öfter vor. Ungewöhnlich sind hier die vielen offenbar gefaketen Logos.“

          Neben zahlreichen positiven Reaktionen rief die Aktion auch Kritik hervor. So wurde unter anderem bemängelt, dass durch die Plakate alle Dorstfelder als Nazis abgestempelt würden. Der Dortmunder Stadtteil ist seit langem als Hochburg der rechtsextremen Szene bekannt.

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