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Ringer Andrij Shyyka : Alter schützt vor Finale nicht

  • -Aktualisiert am

Ringerheld des Saarlands: Andrij Shyyka trotzt dem Alter. Bild: Picture-Alliance

Andrij Shyyka ist ein Mann für besondere Momente. Zum wiederholten Mal beschert der „alte Mann des deutschen Freistilringens“ seinem KSV Köllerbach einen entscheidenden Sieg. Die Saarländer erreichen das Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft.

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          Für diese Momente lebt Andrij Shyyka. Ein denkbar spannender Kampfabend im Halbfinale um die deutsche Mannschafts-Meisterschaft im Ringen zwischen Alemannia Nackenheim und seinem KSV Köllerbach ist beim zehnten und letzten Kampf angelangt. Nach der Addition aus den neun Kämpfen des Abends und den zehn Duellen des Hinkampfs in der Vorwoche steht es 27:26 für Köllerbach. Selbst bei einer knappen 0:1-Niederlage Shyykas wären die Saarländer wegen einer Unterwertung ausgeschieden, nur mit einem Sieg kann der Freistilringer sein Team ins Finale bringen.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Shyyka geht auf die Matte, liefert sich in der Klasse bis 75 Kilogramm einen beherzten Kampf mit Kubilay Cakici, dem ein Jahrzehnt jüngeren deutschen Top-Mann der Gewichtsklasse, und gewinnt nach mehrfach wechselnder Führung letztlich deutlich mit 12:5. Zweieinhalb Minuten vor dem Ende hatte er noch knapp zurückgelegen. Aber dank seiner Routine rang er seinen Gegner doch noch nieder. Eine Beinschraube, bei der Shyyka seinen Gegenr bei beiden Beiden in den schmerzenden Griff bekam und mehrfach durchdrehte., entschied das Duell schließlich.

          „Das ist einfach unfassbar, was Andrij da immer wieder ableistet“, sagt sein Mannschaftskamerad Etienne Kinsinger, der im letzten Kampf vor der Pause beim Stand von 3:8 aus Sicht der Köllerbacher ebenfalls in einer enormen Drucksituation einen Schlüsselkampf gegen Ruslan Kudrynets gewonnen hatte. „Er hat solche Situationen, in denen es im letzten Kampf um Sieg oder Niederlage fürs Team geht ja schon so oft gewonnen.“

          Spezialist für finale Kämpfe

          Tatsächlich ist der einst aus der Ukraine nach Deutschland übergesiedelte siebenfache deutsche Meister ein Spezialist für den Showdown im Ringen, der seit jeher den Freistilringern in der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm vorbehalten ist. Sie müssen stets im letzten Duell der Rückkämpfe auf die Matte und sollen besonders nervenstark sein. Shyyka hat die Probe schon vor zwölf Jahren in seiner Anfangszeit beim KSV Köllerbach bestanden, als er seiner Mannschaft einmal den deutschen Meistertitel in einem Abschlusskampf gesichert hatte. Und er wiederholte das Kunststück immer wieder, vor zwei Jahren hielt er beispielsweise wie am Samstag im Halbfinalrückkampf gegen den Adelhausener Stephan Brunner dem Druck stand und holte den nötigen Sieg mit technischer Überlegenheit, der vier Mannschaftspunkte eingebracht hat. Nur selten einmal wie im Finale der deutschen Meisterschaft 2013 gegen den ASV Mainz 88 fand er im Bulgaren Kiril Terziev seinen Meister. Der Mainzer jagte Shyyka und dem KSV damals in den Schlusssekunden den Titel ab.

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          „Abkochen“ mit Ringer Stäbler : Der Kampf vor dem Kampf Bild: Privat

          „Es ist das größte Gefühl überhaupt, wenn Du solche Kämpfe gewinnst, es tut aber auch besonders weh, wenn Du sie verlierst“, sagt Shyyka, als er am Samstagabend in Nackenheim von den gut 100 mitgereisten Köllerbacher Fans gefeiert wird. Sein Erfolgsgeheimnis sei dabei recht simpel. „Diese Kämpfe in 75 Freistil sind eben etwas ganz besonderes. Sie sind das, was Mannschaftsringen ausmachen. Es geht dann mehr um Charakter und Wille statt um die beste Technik“, sagte er. „Beides habe ich.“

          Und dazu hat Shyyka auch noch eine gerade gegen den nach einer langen Verletzungspause noch immer nicht hundertprozentig wieder hergestellten Kubilay Cakici wichtige Qualität, die man vom bald 40 Jahre „alten Mann des deutschen Freistilringens“ nicht erwartet. „Man darf es gar nicht so laut sagen, weil es für uns anderen und gerade die jungen richtig peinlich ist: Er ist der Konditionsstärkste in unserem Team“, sagt Teamkollege Kinsinger. „Er ist einfach in jeder Hinsicht ein Vorbild.“ Deshalb hat er auch im vergangenen Jahr abermals dem hohen Alter getrotzt und einen weiteren deutschen Meistertitel im Einzel erkämpft.

          Shyykas Einstellung wird nun freilich auch vonnöten sein, wenn die Saarländer in den beiden Finalkämpfen am kommenden Samstag daheim in Völklingen und am 1. Februar bei Wacker Burghausen bestehen wollen. Der Titelverteidiger ringt aus finanziellen Gründen derzeit in einer eigenen Liga. „Wir müssen raushauen, was wir haben und dann schauen“, sagt Shyyka. Er würde dann allzu gerne in zwei Wochen abermals einen finalen Kampf bestreiten, in dem es noch um alles geht.

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