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Anatolij Timoschtschuk : Mit der Binde von Matthäus

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Zeichensetzer: Anatolij Timoschtschuk Bild: dpa

Anatolij Timoschtschuk wechselt zur kommenden Saison zu den Bayern. Der Mittelfeldmann von Zenit St. Petersburg kann sich an diesem Mittwoch im Uefa-Cup-Hinspiel schon einmal einen künftigen Gegner aus der Bundesliga anschauen.

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          Seine Auftritte im kleinen Petrowski-Stadion sind gezählt, die Zeit von Anatolij Timoschtschuk in der alten Petersburger Arena mitten im Fluss Newa nähert sich dem Ende. Mit der Partie gegen den VfB Stuttgart im Uefa-Pokal-Hinspiel der Runde der letzten 32 startet Zenit St. Petersburg ins neue Fußballjahr (18.15 Uhr im ZDF sowie im FAZ.NET-Europa-League-Liveticker). Timoschtschuk, der Defensivstratege aus der Ukraine, ist noch einmal dabei - aber nicht mehr lange, da der 29 Jahre alte Kapitän mitten in der russischen Saison im Sommer den Verein verlassen und zum FC Bayern München wechseln wird. Das bestätigte Zenit-Trainer Dick Advocaat gegenüber dem ZDF, auch aus München waren am Mittwoch entsprechende Meldungen zu hören.

          Das wäre dann binnen kurzem der zweite prominente Verlust des Uefa-Cup-Titelverteidigers, nachdem Angreifer Andrej Arschawin in der Winterpause zum FC Arsenal wechselte. Seit dem vorigen Sommer führen die Bayern mit Timoschtschuk Gespräche wegen eines Transfers. „Es ist zu früh, über einen Wechsel zu sprechen, bevor sich die Vereine nicht geeinigt haben“, hatte Timoschtschuk, der seine Frau Nadiya die Ablöse- und Vertragsverhandlungen führen lässt, stets betont.

          Der FC Bayern und die Bundesliga reizen ihn, in Zeiten der Finanzkrise werden die pünktlichen Gehaltszahlungen der vergleichsweise solide wirtschaftenden deutschen Vereine auch bei Fußball-Millionären sehr geschätzt. In der Schule hat Timoschtschuk Deutsch gelernt, seine Kenntnisse, sagen Freunde, frische er schon zielstrebig auf. Mit dem defensiven Mittelfeldspieler bekämen die Bayern eine Führungspersönlichkeit.

          2008 wurde Timoschtschuk mit St. Petersburg Uefa-Pokalsieger

          Intelligenter Spielgestalter vor der Verteidigerkette

          Vor einem Jahr, nach dem 4:1 der Petersburger im Viertelfinale des Uefa-Pokal-Spiels in Leverkusen und dem 4:0 im Heimspiel des Halbfinales gegen den FC Bayern, wurden die Offensivqualitäten des Teams von Trainer Advocaat bewundert. Der strategische Kopf des russischen Meisters von 2007, der sich im vergangenen Finale des Uefa-Pokals gegen Celtic Glasgow durchsetzte, befindet sich aber mit Timoschtschuk in den hinteren Reihen.

          Er ist auf der Position der „Sechs“ aber kein Zerstörer wie Mark van Bommel bei den Münchnern, sondern ein intelligenter Spielgestalter vor der Verteidigerkette. Ein perfektes Stellungsspiel und seine Zweikampfstärke mit vielen Balleroberungen zeichnen ihn in der Defensive aus. Nach vorn agiert Timoschtschuk wie ein Quarterback mit kurzen oder weiten, sehr präzisen Vertikalpässen sowie mit eigenen Vorstößen. Könnte van Bommel, den deutsche und niederländische Vereine gerne verpflichten würden, durch Timoschtschuk ersetzt werden, würden die Münchner mit einem Qualitätsgewinn in der Zentrale des defensiven Mittelfelds rechnen.

          „Ich bin von Natur aus ein Maximalist“

          Lothar Matthäus bezeichnet der mehrfach zum besten Fußballer der Ukraine gewählte Mittelfeldmann als sein Vorbild. Jahrelang, als er noch mit Schachtjor Donezk in der Champions League antrat und dazu drei Landesmeisterschaften gewann, trug Timoschtschuk eine schwarzrotgoldene Kapitänsbinde. Sie stammte von Matthäus, wie Karl-Heinz Heimann, Herausgeber der Fachzeitung „Kicker“ und Intimkenner des russischen und des ukrainischen Fußballs, herausfand. 83 Länderspiele hat Timoschtschuk bestritten, und auch in der Nationalmannschaft, die bei der Weltmeisterschaft 2006 im Achtelfinale an Italien scheiterte, ist er Kapitän.

          „Ich bin von Natur aus ein Maximalist. Ich will jede Partie gewinnen, die ich spiele. Ich bin ein Kämpfer und gebe das Beste für mein Team“, erklärte er in einem Interview, das der Internationale Fußball-Verband veröffentlichte. „Von meiner Kindheit an wollte ich Nationalspieler werden, Titel gewinnen, an einer WM teilnehmen und in einer europäischen Topliga spielen. Schritt für Schritt versuche ich, mir diese Träume zu verwirklichen“, sagte Timoschtschuk.

          Letzte Details müssen geklärt werden

          Einige Extravaganzen soll der Mann mit der Rückennummer 44 sich leisten. Luxus-Zweitwohnung in Dubai, Tauchurlaub auf den Malediven, mehrere teure Automobile deutschen Fabrikats in der Garage und eine Ehefrau, die gerne shoppen geht - all das ließ den „Kicker“ den Schluss ziehen, Timoschtschuk sei eine Mischung aus Matthäus und Beckham. Mit 18 Millionen Euro wird sein Transferwert angegeben. Umgerechnet 15,1 Millionen Euro gab Zenit St. Petersburg vor zwei Jahren für ihn aus, die höchste Ablöse, die bisher in der „Premjer Liga“ gezahlt wurde.

          Da Timoschtschuk noch einen laufenden Vertrag besitzt, wird er nicht preiswert zu haben sein. Der Klub mit dem Erdgaskonzern Gasprom im Rücken ist zudem nicht dringend auf Geld angewiesen. Auf jeden Fall hat Frau Nadiya dafür gesorgt, dass ihr Tosha, wie sie ihn nennt, den Klub verlassen kann. Uli Hoeneß wird mit der Dame noch ein paar Details aushandeln müssen.

          Der Uefa-Cup-Abend mit insgesamt vier deutschen Spielen im Überblick: Deutsche Teams im Uefa-Pokal: Das Pflaster heißt Mailand.

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