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Alexander Manninger : Der Nomade des Fußballs

  • -Aktualisiert am

Kurz geblieben, lange gehalten: Alexander Manningers Europa-Reise ist noch nicht zu Ende Bild: Bongarts/Getty Images

Mit 20 englischer Meister bei Arsenal: Alexander Manninger schien vor einer großen Fußballkarriere zu stehen, doch es wurde nur eine skurrile. Der österreichische Torwart stand in 18 Profijahren bei 14 Vereinen unter Vertrag.

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          Die Wohnung damals in Florenz, nahe der Piazzale Michelangelo, Blick auf die Stadt, das war’s. Alexander Manninger sieht zufrieden aus, als er sich erinnert. Es war ein Ort, an dem andere so lange wie möglich bleiben, wenn es Beruf und Geldbeutel erlauben. Das mit dem Geld wäre kein Hindernis gewesen, Manninger ist Fußballprofi, Torwart, er hat gut verdient. Was seine Zeitrechnung betrifft, ist er sogar lange geblieben, ein knappes Jahr immerhin. Dann aber zog er wieder fort, so wie er es immer getan hat in den vergangenen achtzehn Jahren.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er ist ein Nomade, wie es ihn im europäischen Profifußball kaum einen zweiten gibt. Manninger, Österreicher aus Salzburg, war aus London nach Florenz gekommen, davor war er in Graz und Steyr, so ging es los. Nach Florenz kamen neue Vereine, neue Verträge, neue Mitspieler und der immerwährende Kampf um einen Platz als Stammtorwart. Mal hat er ihn gewonnen, mal verloren. Aber weitergezogen ist er am Ende immer, früher oder später. Barcelona, Turin, Bologna, Siena, zurück nach Salzburg, Udine, noch mal Turin, inzwischen Augsburg in der Bundesliga, wo er nach dem 0:2 am Samstag gegen Hannover tief im Abstiegskampf steckt.

          Der blonde, breitschultrige Mann mit dem freundlichen Gesicht und den wachen Augen war so ausdauernd unterwegs, dass sein Karriere-Steckbrief vierzehn Vereine umfasst. Bei wenigen war er länger als ein Jahr, bei vielen bloß Monate - und bei einem gar nicht. Aber das ist eine andere Geschichte. Eine von vielen auf dieser langen Reise mit ihren vielen Richtungswechseln, einer ungewollten Tour d’Europe. Ungewollt, weil Manninger sagt: „Es ist nicht immer nach meinem Wunsch gelaufen. Es wäre meine Idee gewesen, öfter länger an einem Ort zu bleiben.“

          Das Gesellenstück von damals, „ein Wandkastl“

          Es hätte anfangs auch etwas anderes als Fußballprofi aus Manninger werden können, nämlich Tischler. Er hat den Beruf drei Jahre gelernt. Morgens um sieben in die Werkstatt, danach zum Training ins Nachwuchszentrum bei Austria Salzburg.

          Erst danach haben sie ihn zum Profi gemacht. Jemand vom Verein fragte ihn, was er als Tischler verdienen könne, und als Manninger die Summe nannte, legte der Verein ein paar Schillinge obendrauf. Der Jungprofi arbeitete jetzt, mit 18 Jahren, jeden Tag im Kreis der ersten Mannschaft bei der Austria. Fortan war er also Berufsfußballspieler, Spuren seiner ersten Profession gibt es noch heute. Bei seiner Mutter in Salzburg hängt in der Küche noch das Gesellenstück von damals, „ein Wandkastl“, wie er sagt.

          14 Stationen in 18 Jahren: Der Weg des Alexander Manninger

          Den Auftakt seiner langen Reise bildeten drei Monate bei Vorwärts Steyr, wo er Spielpraxis sammeln sollte, weil er in Salzburg nur dritter Torwart war. Der Austria fiel allerdings bald ein, dass er das auch bei ihnen im Stammverein tun könne, und zwar in einer unterklassigen Mannschaft. Seine Premiere in der ersten österreichischen Liga gab er aber in Steyr, Gegner war der Grazer AK.

          Der muss angetan gewesen sein, denn er verpflichtete Manninger 1996, für vier oder fünf Jahre, das weiß er gar nicht mehr so genau. Es kamen ja noch so viele Verträge. Eigentlich lief alles wunderbar, er spielte in der ersten Liga und sogar im Uefa-Pokal, einmal war Inter Mailand der Gegner. Die Karriere kam in Fahrt, und angelegt war sie auf Beständigkeit. 1997 erreichte ihn dann der Anruf aus London.

          „Damit schreibst du Geschichte, das bleibt einem“

          Arsène Wenger, der Trainer des FC Arsenal, suchte eine Nummer zwei hinter dem englischen Nationaltorhüter David Seaman und entschied sich für Manninger. Wenger ist ein Spezialist darin, junge Spieler weiterzuentwickeln, es hätte also nichts Besseres passieren können. Nie zuvor war ein Österreicher in die Premier League gewechselt.

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