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Alexander Manninger : Der Nomade des Fußballs

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Manninger kam 2005 zurück in seine Geburtsstadt, unterschrieb für vier Jahre, spielte viel, war die Nummer eins im Tor, wurde in seiner ersten Saison Zweiter in der Liga. Trotzdem hat er sich nicht wohl gefühlt. Es war wohl ein beiderseitiges Gefühl, nicht so richtig zusammenzupassen. Er habe sich von einigen Leuten erklären lassen müssen, wie Fußball funktioniert, und er muss nicht hinzufügen, dass er sich das von diesen Leuten nicht unbedingt anhören wollte. „Die große Erfüllung war’s nicht“, sagt er, „deshalb bin ich noch mal ins Ausland gegangen.“

Bei Juventus Turin hielt er es vier Jahre aus - und durfte sogar spielen
Bei Juventus Turin hielt er es vier Jahre aus - und durfte sogar spielen : Bild: picture alliance / dpa

Es wurde nach etwa zwei Jahren in Salzburg wieder eine Rückkehr, diesmal auf Leihbasis zum AC Siena. Er hatte schließlich gute Erfahrungen dort gemacht. Es entwickelten sich zwei Jahre „guter Fußball“, so gut, dass auch ein größerer Verein auf ihn aufmerksam wurde. Nicht, dass man bei Juventus Turin Alexander Manninger nicht kannte, aber erst jetzt hielt man die Zeit für reif, ihn zu verpflichten.

Und die Sache mit Udinese Calcio hatte sich ja sowieso erledigt. Auch dieser Verein steht überall in Manningers Vita, aber er versichert: „Ich war nie in Udine!“ Es ging darum, die Ablösesumme zu drücken, die noch an Salzburg zu zahlen war, und die hätte, so der Plan, über den Umweg Udine niedriger ausfallen können. Deshalb der Phantomtransfer. Im Gestrüpp der Transfermodalitäten, Wechselfristen und Verhandlungsdetails hat auch Manninger mitunter den Überblick verloren.

Weil Buffon verletzt war, durfte Manninger spielen

In Turin jedenfalls passte er perfekt ins Anforderungsprofil: Gesucht wurde ein starker, erfahrener Torhüter, der bereit sein musste, sich in die zweite Reihe zu stellen, weil es eine unumstrittene Nummer eins gab - Gianluigi Buffon, der Torwart, mit dem Italien 2006 Weltmeister geworden war. Nach einem Korruptionsskandal und dem Zwangsabstieg zuvor spielte er mit Juve in der ersten Liga und in der Champions League. Es waren Verhältnisse wie beim FC Arsenal. Mit dem Unterschied, dass er elf Jahre älter war und um einige verzichtbare Erfahrungen reicher.

Buffon, auch nicht mehr der Jüngste, war oft verletzt, deshalb kam Manninger regelmäßig zum Einsatz. Er blieb vier Jahre, in seiner Odyssee eine Ewigkeit. Er ging sogar so weit, bald nach der Europameisterschaft 2008, bei der er noch im Kader seines Verbandes gestanden hatte, aus der österreichischen Nationalmannschaft zurückzutreten. Er wolle sich auf die Arbeit im Verein konzentrieren, sagte er damals. Mehr als dreißig Länderspiele hatte er bis dahin bestritten, die unumstrittene Nummer eins für längere Zeit wurde er nie. Das machte die Entscheidung leichter.

In Augsburg streitet sich Manninger mit Mohamed Amsif (links) um den Posten zwischen den Pfosten
In Augsburg streitet sich Manninger mit Mohamed Amsif (links) um den Posten zwischen den Pfosten : Bild: picture alliance / dpa

Bei Juventus fühlte er sich wohl: „Da gehöre ich hin.“ Allerdings war Buffon irgendwann wieder verletzungsfrei und so stabil, dass an weitere regelmäßige Einsätze nicht zu denken war. Außerdem lief der Vertrag 2012 aus. Manninger war jetzt arbeitslos, aber dann kam der FC Augsburg auf ihn zu. Noch eine große Liga, noch ein Verein mit verletzter Nummer eins, diesmal Simon Jentzsch. Manninger reihte sich ein, spielte ein paarmal überzeugend. Das war der Beweis: Torhüter verlernen ihr Handwerk nicht so schnell und können länger auf hohem Niveau spielen als Feldspieler. In den vergangenen Wochen war er verletzt.

Ob er länger in Augsburg bleibt, ist noch offen. Seine Karriere ist so oder so facettenreich genug. Seine Freundin kann er von hier aus leichter treffen, das ist schon mal angenehm. Als er in Turin war, hat sie zwei Jahre bei ihm gelebt, davor war es eine Fernbeziehung. Sie hat in Wien studiert, Film, Theaterwissenschaft, Publizistik, sie sucht einen Job. Sich am Partner zu orientieren, kann eine Entscheidungshilfe sein. Oder ein Risiko. Manninger sagt, im Fußball sei man als Österreicher „nicht bei den besten Fußballnationen“, sein Pass sei bisweilen eine Karrierebremse gewesen. Ob das stimmt oder nicht? Sicher ist nur, dass er die längste Zeit seiner Tingelei hinter sich hat. Zeit, sich auf zu Hause vorzubereiten.

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