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Alexander Manninger : Der Nomade des Fußballs

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„Damit schreibst du Geschichte“, sagt der heute 35-Jährige, „das bleibt einem.“ Auch er blieb, beinahe vier Jahre. Hier hat er sich sogar eine Wohnung gekauft, als Zeichen der beabsichtigten Sesshaftigkeit. Es war eine Zeit des Erfolgs. Einige Dutzend Spiele absolvierte er in der Premier League, er wurde Meister und Pokalsieger. Aber irgendwann reichte es ihm nicht mehr, die Nummer zwei zu sein, er wollte mehr. Er war doch erst 24.

Für Österreich machte er mehr als 30 Länderspiele, trat aber schon vor einiger Zeit zurück
Für Österreich machte er mehr als 30 Länderspiele, trat aber schon vor einiger Zeit zurück : Bild: picture-alliance / Pressefoto UL

Erst seit jener Zeit bei Arsenal hat Manninger einen Spielerberater, bis heute kommt er auf drei. Als seine italienische Phase begann, wurde es ein Italiener, war ja naheliegend. Er verließ also London und wechselte als Leihspieler zum AC Florenz. Von dort aus war der langjährige Stammtorwart Francesco Toldo zu Inter Mailand gegangen, es wurde also ein Platz frei.

Florenz hatte gerade den italienischen Pokal gewonnen, erschien als gute Adresse. Was knapp ein Jahr später passierte, hatte er nicht ahnen können, und er fasst es heute so knapp, so hart zusammen, dass der Schock von damals herauszuhören ist: „Bankrott, Konkurs, Zwangsabstieg.“ Der AC hatte sich finanziell übernommen. Der ganze Schlamassel nahm seinen Anfang. Manninger wollte schleunigst weg.

„Auf einmal stehst du sechs Monate nur rum“

Sein Berater kam in der Not auf eine neue Idee, Spanien, Espanyol Barcelona, da solle er unterschreiben. Schlimmer konnte es ja nicht mehr kommen. So jedenfalls die Theorie. Er gehörte aber noch dem FC Arsenal, also hätten die Katalanen eine Ablöse zahlen müssen. Dass sie das wegen hoher Schulden gar nicht mehr durften, wusste er nicht.

Als er davon ausging, längst zu seinem neuen Verein transferiert worden zu sein, warnte ihn ein spanischer Journalist. Er sei gar nicht beim spanischen Verband als neuer Spieler von Espanyol gemeldet. Was denn da los sei? Manninger steckte in der Klemme. Bei Arsenal hatte er gekündigt, aber zu Espanyol durfte er nicht. Das Ganze geschah ein paar Tage vor dem Ende der Transferzeit. Er war mit den Spaniern noch im Trainingslager auf Kreta, aber gespielt hat er nie für sie. Stattdessen war er plötzlich ohne Verein, trotz einer Klage. „Auf einmal stehst du sechs Monate nur rum“, sagt Manninger. Zum Glück sollte es bald besser werden. Wenn auch nicht richtig gut.

Immer wieder packen, immer wieder neu anfangen: Manninger ist nie lange bei einem Klub
Immer wieder packen, immer wieder neu anfangen: Manninger ist nie lange bei einem Klub : Bild: picture-alliance/ dpa

Er ging zurück nach Italien, diesmal zum FC Turin. Er war gerade mal einen Monat dort, da mussten der Trainer und der Sportdirektor den Klub verlassen. Manninger hatte einen Vertrag bis Saisonende mit einer Option für drei weitere Jahre, aber nach dem Abschied derjenigen, die ihn geholt hatten, sagte er ganz offen, dass er die Option nicht ziehen werde. Danach habe er nicht mehr spielen dürfen. „Ich habe mich selbst eliminiert“, sagt er.

Also zog er weiter, suchte mehr Ruhe und Berechenbarkeit. Seine Wahl fiel auf den FC Bologna. Dort habe er keine besonders schöne, aber immerhin eine normale Saison verbracht. Das kann eine Menge sein, je nachdem, was man hinter sich hat. Er war wieder zweiter Mann, er durfte eine paar Pokalspiele bestreiten, mehr ließ die interne Hierarchie nicht zu.

„Deshalb bin ich noch mal ins Ausland gegangen“

Dennoch wurde der AC Siena auf ihn aufmerksam und holte ihn zur nächsten Saison. Dort erlebte Manninger seine „Wiederauferstehung“. Er war zwar wieder nur Leihspieler, kam jedoch oft zum Einsatz, machte seine Sache gut. Zeit, wieder sesshaft zu werden, dachte er sich - und kehrte zurück in die Heimat. Dort hatte sich Red Bull Salzburg als ein Verein positioniert, der neue Standards, einen neuen Anspruch definieren wollte. Jedenfalls für Österreich. Es gab große Ziele.

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