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Eintracht-Torjäger Alex Meier : Ein Fußballgott wie im Märchen

Gerührt: Alex Meier nach dem Spiel Bild: dpa

So steht nur ein Fußballgott wieder auf: Im ersten Spiel nach seiner langen Verletzung gelingt Alex Meier ein Tor beim 3:0 gegen den HSV. Die Eintracht-Familie ist gerührt.

          Unglaublich. Unfassbar. Surreal? „Wahnsinn. Solche Sachen gibt es nur im Fußball. Der ganze Verein hat es im Gefühl gehabt. Dies ist ein Moment, den Alex nie vergessen wird.“ Marco Russ war schlichtweg aus dem Häuschen, als er zu erklären versuchte, wie das gewesen ist mit dem Mann des Tages. Mit Alexander Meier. Mit dem „Fußballgott“, wie der 35 Jahre alte Eintracht-Stürmer immer wieder frenetisch von den Rängen gerufen und gefeiert wurde. Schon in der 84. Minute, als Meier von der Eckfahne Richtung Bank lief, um sich auf seine Einwechslung vorzubereiten, erwiesen ihm die meisten der 51 500 Zuschauer in der ausverkauften Frankfurter Arena ihre Reverenz mit stehend dargebrachten Ovationen. Zwei Minuten später war es dann wirklich so weit.

          Mit „Alex Meier Fußballgott“-Sprechchören bekam der Kapitän der Eintracht nach einjähriger Leidenszeit endlich seinen erstklassigen Einsatz. Es passte zur Dramaturgie dieses hochemotionalen Fußball-Nachmittags, dass es gegen seinen alten Verein HSV passierte. Gegen jenen vom Abstieg bedrohten Klub, dem die Eintracht am 33. Spieltag letztlich überlegen war, verdient 3:0 gewann und sich kurz vor Ultimo beschenkte. „Wir haben jetzt zwei Endspiele“, sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann. „Das eine Endspiel um Europa in der Arena auf Schalke. Das andere im DFB-Pokal gegen die Bayern.“ Nicht auszuschließen, dass Meier abermals dabei sein wird. Denn wenn es noch eines Beweises bedurft hätte: Keiner bei der Eintracht ist seit Jahren so verlässlich vor dem gegnerischen Tor wie Meier.

          Ja, es stimmt, und es passte zu diesem „märchenhaften“ Nachmittag, der nicht nur Hellmann emotional zusetzte: Alexander Meier, wenige Minuten erst in der Partie, die zu diesem Zeitpunkt nach Toren von Marius Wolf (31.) und Omar Mascarell 2:0 stand, erzielte zu Beginn der vierminütigen Nachspielzeit tatsächlich ein Tor. Nach einer Maßflanke von David Abraham, der einen solchen Ball vielleicht nie wieder schlagen wird, schaute Meier kurz auf und zirkelte die Kugel mit der Innenseite des linken Fußes in die lange Ecke. „Es war eine super Flanke, und ich habe den Ball dann ganz gut getroffen“, sagte Meier mit der ihm bekannten Bescheidenheit. „Ich möchte allen Leuten danke sagen“, fügte der von Journalisten in der Mixed-Zone der Frankfurter Arena umlagerte Meier an: „Das war ein grandioser Empfang.“

          „Ganz groß“

          Wer immer auch sich aus dem Eintracht-Tross nach dem 3:0 gegen den HSV über Meier äußerte, zeigte sich emotional berührt. „Das war groß. Ganz groß“, sagte Peter Fischer. Der Präsident des weiterhin auf Tabellenplatz sieben stehenden Bundesligaklubs hatte sich wie an den zurückliegenden Donnerstagen eben auch am vergangenen Donnerstag, zwei Tage vor dem Hamburg-Spiel, abends mit Meier zum Essen getroffen. „Und schon da hatte ich ihm gesagt, dass er spielen und treffen wird. 40 000 Leute haben geweint, als Alex Meier eingewechselt wurde“, berichtete der ergriffene Fischer, dem sich rund um die phantastischen Meier-Minuten ein zuvor unvorstellbares Bild in der Vorstandsloge präsentierte. Gestandene Männer lagen sich in den Armen und schämten sich nicht ihrer Tränen.

          Schuss ins Glück: Alex Meier kam, sah und traf Bilderstrecke

          Große Emotionen, große Gefühle. Das Spiel als solches war nicht unbedingt dazu angetan, in Rührung zu verfallen. Aber das war an diesem wundersamen 5. Mai auch gar nicht wichtig. Wichtig war, dass der Eintracht nach zuletzt drei Niederlagen in Serie, darunter zuletzt das peinliche 1:4 gegen eine C-Elf der Bayern, die Kurskorrektur glückte und sie im letzten Saisonspiel vor heimischer Kulisse in vielerlei Hinsicht alles richtig machte. Trainer Niko Kovac gab Meier die Möglichkeit für diesen grandiosen Gala-Auftritt. Und der Coach selbst, der sich beim nächsten Bundesligaspiel in Frankfurt als verantwortlicher Fußballlehrer von Meister Bayern München vorstellen wird, konnte versöhnlich servus sagen. In seiner 42. Begegnung vor Frankfurter Publikum gab es mit dem 3:0 gegen den Rangvorletzten HSV Sieg Nummer 20 – bei 13 Unentschieden und neun Niederlagen. „Ich habe hier zwei tolle Jahre erleben dürfen“, sagte Kovac eine gute Stunde nach Spielschluss. „Wir alle hier haben den Verein sportlich auf ein neues Niveau gehoben.“

          Dass auch Kovac nach Spielschluss während seiner Ehrenrunde mit der Mannschaft und dem immer wieder gesuchten und gefeierten Meier ein paar Tränen verdrückte und sich seiner Emotionen nicht schämte, erklärte er so: „Ich bin Südländer, ich habe Temperament. Ich habe Feuer in den Adern, ich zeige Gefühle.“ Der 5. Mai war der passende Tag dafür. „Alex Meier ist Eintracht Frankfurt“, sagte Kovac. „Alex hat hier Kultstatus.“ Dank seines märchenhaften Comebacks mehr denn je.

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