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Gladbach-Neuzugang Plea : Dieser Stürmer soll den Fohlen-Code entstauben

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Herzlich willkommen: Thorgan Hazard beglückwünscht Allassane Plea (links). Bild: dpa

Allasane Plea soll Mönchengladbach neuen Schwung in der Offensive geben – im ersten Pflichtspiel erzielte er gleich drei Treffer. Trotzdem gestaltete sich der Start des teuersten Spielers der Klubhistorie bei der Borussia eher schwierig.

          Wenn ein Spieler 23 Millionen Euro kostet und damit zum teuersten Profi der Vereinshistorie wird, schauen alle etwas genauer hin als bei einem Verteidiger für zwei Millionen. Gar nichts zu sehen gab es am vorvergangenen Samstag, als Borussia Mönchengladbach den letzten großen Test vor Saisonbeginn absolvierte, Trainer Dieter Hecking aber Alassane Plea gegen Espanyol Barcelona lieber draußen ließ: Trainingsrückstand, Adduktorenprobleme. Gladbach verlor 1:3 und bekam die erste Diskussion um Plea: Wird er fit zum Start gegen Bayer Leverkusen am Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und Sky) Und wenn er austrainiert ist, kann er überhaupt Tore schießen?

          Die Gladbacher wollen weg vom tradierten 4-4-2 und hin zu einem 4-3-3 – der von Lucien Favre 2011 erdachte Fohlen-Code hatte über die Jahre Staub angesetzt und war leicht zu durchschauen. Lars Stindl, Thorgan Hazard und Raffael wirbelten in guten Momenten zwar wunderbar, aber zuletzt hatte das Gekreisel der Zauberfüße weitgehend sinnfrei gewirkt. Auch, weil Raffael und Stindl eher Mittelfeldspieler als Stürmer sind und die Schnelligkeit der Außenangreifer Traoré und Herrmann wegen deren Ausfallfrequenz kaum genutzt werden konnte. In Tateinheit mit Verletzungspech spielte die Borussia eine derart schwache Rückrunde, dass Hecking ernsthaft in die Kritik geriet. „Wir sind ausrechenbar geworden“, kritisierte selbst der Trainer.

          Klare Nummer neun

          Neue Spielzeit, neues Glück. 23 Millionen Euro überwies Sportvorstand Max Eberl an OGC Nizza. Ziemlich genau das, was er vom FC Southampton für Jannik Vestergaard bekam. Dafür erhielt Eberl mit Plea einen französischen Stürmer, der dort verlässlich getroffen hat. Plea trägt zwar die Nummer 14 auf dem Trikot (diejenige seines Lieblingsspielers Thierry Henry), ist aber eine klare Nummer neun – so klar, wie es auch Luuk de Jong 2012 war oder 2015 Josip Drmic.

          Durchsetzungsstark: Plea beim Treffer zum 7:0

          Es war aus Gladbacher Sicht ein schöner Sonntagabend im kleinen Bremer Stadion auf Platz elf, nahe des Weserstadions, denn Heckings Mannschaft verzauberte beim 11:1 gegen den Fünftligavertreter BSC Hastedt nicht nur die vielen Fans und erreichte spielend die zweite Runde des DFB-Pokals, sondern hatte neben Hazard und Raffael einen dritten Spieler, der drei Tore erzielte: ja, richtig, Alassane Plea. „Es ist für einen Torjäger immer gut, Tore zu schießen“, sagte später Eberl mit Mut zur Plattitüde, „er ist eine neue Facette in unserem Spiel, die wir so bisher nicht hatten.“

          Der 25 Jahre alte Profi wurde 93 Minuten lang von seinen Mitspielern gesucht und gefunden, und zu seinen drei Toren gesellten sich noch zwei Pfostentreffer und ein Abseitstor. Hazard von links und Raffael von rechts übersahen den neuen Zielspieler nur selten, und weil Plea den Ball gut verarbeitet, wurde aus fast jedem Zuspiel eine Chance. „Wenn er den Ball im Strafraum liegen hat, ist er brandgefährlich“, sagte Hecking, der sichtlich froh war, dass die ersten Fragezeichen hinter Plea ausradiert sind: „Der Junge kommt immer besser in Schwung. Es wurde ja schon geschrieben, dass er noch kein Tor erzielt hat.“

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          Als ihn das Spiel gegen die schwachen Bremer Amateure zu langweilen schien, lief Plea weit mit nach hinten und holte sich die Bälle. Das lobte Eberl und hob die verschiedenen Möglichkeiten hervor, die Gladbach jetzt taktisch habe. Plea selbst wollte in Bremen noch nichts sagen.

          Gladbach jedenfalls geht gut gelaunt in die Saison. Es soll wieder Richtung europäischer Wettbewerb gehen, und schaut man sich den Kader an, müsste das allemal möglich sein. Die medizinische Abteilung wurde neu sortiert und vergrößert, um eine Verletzungsflut wie zuletzt zu verhindern. Dazu gibt es gerade im Mittelfeld eine Auswahl, die staunen lässt – am Sonntag saßen Christoph Kramer, Denis Zakaria und Michael Cuisance auf der Bank. Lars Stindl ist noch verletzt. In Bremen begannen Jonas Hofmann und Florian Neuhaus als eine Art Doppel-Acht; hinter ihnen hätte Tobias Strobl aufräumen können – musste er nicht.

          Eberl sagte: „Wir haben gerade im Mittelfeld sehr viele Möglichkeiten. Aber auch im Angriff heißt die Verpflichtung Pleas nicht, dass wir nur ihn suchen. Es bleiben mit Stindl, Hazard und Raffael Spieler, die anders spielen als er.“ Das tradierte 4-4-2 wird also in Ergänzung zum Stoßstürmer-Fußball im Angebot bleiben, die Borussia könnte die Liga wieder bereichern, und nicht zuletzt Dieter Hecking käme das entgegen – sein Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Ende der Hinrunde wollen er und Eberl prüfen, ob eine weitere Zusammenarbeit sinnvoll erscheint.

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