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„Der HSV ist mitmarschiert“: AfD-Politiker Kay Gottschalk attackiert den HSV Bild: EPA

Antrag gegen AfD-Mitglieder : „HSV ist bei Machtergreifung der Nazis mitmarschiert“

Ein Mitglied des Hamburger SV stellt den Antrag, dass alle AfD-Mitglieder aus dem Verein geworfen werden. Nun empört sich der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk über die Forderung mit scharfen Worten.

          „Einige Mitglieder des HSV scheinen aus der Geschichte von 1933–45 nichts gelernt zu haben!“ hieß es am Dienstag in einem Twitter-Beitrag des Bundestagsabgeordneten Kay Gottschalk. Am Freitag stellte der AfD-Politiker in Berlin die Forderung eines Mitglieds des Hamburger SV nach dem Rauswurf von AfD-Mitgliedern aus dem Fußballklub in die Tradition der Judenverfolgung im Nationalsozialismus. Mehrmals verwies er während einer Pressekonferenz, zu der er eingeladen hatte, auf die Geschichte des HSV in jener Zeit, auch, indem er die Kopie eines Zeitungsartikels über das Thema hob.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der HSV schloss seinerzeit Juden aus; der einstige Mittelstürmer Tull Harder wurde trotz seiner Karriere als SS-Offizier und KZ-Kommandant auch noch im Nachkriegs-Hamburg bejubelt. „Der HSV ist bei der Machtergreifung der Nazis mitmarschiert. Da möchte ich nicht wissen, wie viel Druck auf Einzelnen lastete“, sagte Gottschalk. „Ich wäre wahrscheinlich sehr früh im KZ“, spekulierte er, und es wurde nicht deutlich, ob er in der Vergangenheit sprach oder in der Gegenwart, „weil ich mich gegen Strömungen stelle und keine Angst habe.“

          Gottschalk, 1965 in Hamburg geboren, dort aufgewachsen und über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Bundestag gewählt, empört sich über die Ankündigung des Vorsitzenden des Seniorenrates des HSV, bei der Mitgliederversammlung in drei Wochen zu beantragen, dass Mitglieder der AfD „oder gleichgesinnte Personen“ nicht Mitglieder des HSV sein können. Ein Klub, der einen solchen Antrag annehme, verwirke das Recht, als gemeinnütziger Verein anerkannt zu werden, behauptete der Politiker. Kay Gottschalk ist Mitglied des HSV sowie Gründungsmitglied und stellvertretender Bundesvorsitzender der AfD. Den Antrag will Peter Gottschalk stellen, bis 2009 Vorsitzender des HSV-Seniorenrats und nicht mit Kay Gottschalk verwandt.

          Der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, hatte im Dezember in der Frankfurt Allgemeinen Zeitung gesagt, dass es sich nicht mit der Satzung seines Vereins vertrage, AfD zu wählen, da es in der Partei rassistische und menschenverachtende Tendenzen gebe. Als er in diesem Zusammenhang gegenüber dem Hessischen Rundfunk von „Nazis“ und „brauner Brut“ sprach, erstattete die AfD Hessen Strafanzeige wegen übler Nachrede.

          Erst am Mittwoch hatte Kay Gottschalk dazu aufgerufen, türkische Geschäfte in Deutschland zu boykottieren. Dies nannte er am Freitag unsensibel und falsch. Wer dies allerdings mit der Nazi-Kampagne „Kauft nicht bei Juden“ in Verbindung bringe, handele böswillig. Gottschalk hatte beim Neujahrsempfang der AfD in seinem Wahlkreis in Viersen laut Presseberichten gesagt: „Ich rufe alle Bürger guten Willens auf: Boykottiert die Läden der Türken in Deutschland, denn die fahren zu 70 Prozent auf Erdogan ab.“ Ihm sei es darum gegangen, etwas gegen den völkerrechtswidrigen Angriff der Türkei auf Kurden in Syrien zu unternehmen, sagte er nun in Berlin. So, wie man die Deutschen für die Wahl der Nationalsozialisten verantwortlich mache, müsse man auch die Türken in Deutschland, die beim Referendum zu mehr als siebzig Prozent für die Verfassung Erdogans gestimmt haben, für dessen Politik verantwortlich machen.

          Dem Wort seines Parteivorsitzenden Alexander Gauland aus dem Sommer 2016, die Leute fänden Nationalspieler Jerome Boateng als Fußballspieler gut, wollten einen wie ihn aber nicht als Nachbarn haben, wollte Gottschalk nicht widersprechen. „Gesagtes soll man in Ruhe lassen“, sagte er.

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