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Kung-Fu-Tritt von Nübel : „Das hat fürchterlich ausgesehen“

  • -Aktualisiert am

Schalke-Torwart Alexander Nübel (rechts) trifft Frankfurts Mijat Gacinovic mit einem Tritt. Bild: Picture-Alliance

Schalke 04 ist in dieser Saison im Kampfmodus. Alexander Nübel schießt dabei nun mit dem heftigen Tritt gegen Mijat Gacinovic weit über das Ziel hinaus. Der Frankfurter nimmt den Torwart aber in Schutz.

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          Es ist ein altes Spiel in der Welt des Fußballs, große Torhüter miteinander zu vergleichen. Ihre Reflexe auf der Linie, ihre Strafraumbeherrschung, ihre Ausstrahlung und ihre fußballerische Qualität im Aufbauspiel. Jeder Weltklassekeeper hat seine besonderen Stärken und womöglich auch ein paar gut verborgene Schwächen. Alexander Nübel vom FC Schalke 04 wird längst auch nach solchen Mechanismen kategorisiert, er hat schließlich den Ruf, das aufregendste Talent in der Torhüternation Deutschland zu sein. Er gilt als wahrscheinlicher Nachfolger von Manuel Neuer beim FC Bayern sowie im Nationalteam. Seine offensive Spielweise und selbstbewusste Art erinnern tatsächlich an den Weltmeister von 2014. Als Vorbild nennt Nübel allerdings Jens Lehmann, und seit dem Sonntagabend werden nun auch die Namen Oliver Kahn und Toni Schumacher zitiert, wenn es um den jungen Torhüter geht.

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          Die Bilder von dem brutalen Tritt, mit dem der 23 Jahre alte Gelsenkirchener beim 1:0-Sieg über Eintracht Frankfurt Mijat Gacinovic ins Krankenhaus beförderte, ähnelten den immer wieder neu hervorgekramten Fotos von Kahns unvergessener Kung-Fu-Einlage gegen Borussia Dortmunds Stéphane Chapuisat von 1999. Nur dass der Münchner seinen Gegner nicht traf. Weil Nübel Gacinovic jedoch mit beinahe ungebremster Dynamik zu Boden streckte, tauchten am Sonntag auch die Bilder von Schumachers schlimmem Foul gegen den Franzosen Patrick Battiston aus dem WM-Halbfinale von 1982 in den Köpfen der älteren Beobachter auf. Nübel sah die Rote Karte. „Am Spielfeldrand hat das fürchterlich ausgesehen“, sagte Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter. Und im Fernsehen wirkte der Tritt auch nicht harmloser.

          Als „vollkommen berechtigt“ bezeichnete Schalkes Trainer David Wagner den Platzverweis, führte aber entschuldigend an, dass Nübel „in der Situation den Ball im Auge hat, im Bewegungsablauf ist und nicht mehr die Spur wechseln kann“. Das ändert aber nichts daran, dass in dieser Situation eine wirklich schwere Verletzung drohte. Gacinovic postete ein Bild, das breite dunkelrote Streifen auf seinem Oberkörper zeigt, wo Nübel ihn getroffen hat, und Eintracht Frankfurt veröffentlichte eine Diagnose: Der Offensivspieler habe sich „eine schwere Rippenprellung“ zugezogen, es gehe ihm „den Umständen entsprechend gut“.

          Die Sache ist glimpflich verlaufen, und dennoch ist in diesem Spiel gegen Eintracht ein Bild entstanden, das wohl immer wieder zitiert werden wird, wenn Nübel tatsächlich die Karriere macht, die ihm prophezeit wird. Ein Torwart in Orange, der seine Stollen mit großer Dynamik und durchgestrecktem Bein in den Brustkorb von Gacinovic rammt. Im Internet überschlugen sich die Kommentatoren mit Superlativen. Ein „Brutalo-Foul“ („n-tv“) sei das gewesen, ein „Berserker-Foul“ („11 Freunde“) oder schlicht „das brutalste Foul des Jahres“ („Bild“).

          Erfreulich war, wie fair das Spiel trotzdem blieb. Die Frankfurter mögen ja selbst eher einen robusten Stil, und so nahmen sie Nübel sogar in Schutz. „Leider passieren solche Zusammenstöße manchmal im Kampf um den Ball“, schrieb Gacinovic auf Instagram und ergänzte „@alexandernuebel: Danke, dass du dich sofort entschuldigt hast. Das kann im Fußball vorkommen.“ Nübel wird wohl mehrere Wochen gesperrt werden, aber wirklich in Sorge sind die Schalker deshalb nicht.

          Mit Markus Schubert konnten sie einen Mann einwechseln, der ebenfalls zu den interessantesten Talenten der Szene gehört und nun sein erstes Bundesligaspiel absolvieren durfte. Schubert hütet das Tor der deutschen U-21-Nationalmannschaft. Die Schalker haben den 21 Jahre alten Profi im Sommer von Dynamo Dresden verpflichtet, um einen Nachfolger zu haben, wenn Nübel – wie erwartet – seinen im kommenden Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängert und Gelsenkirchen verlässt. Im Moment funktioniert auf Schalke ohnehin fast jede Improvisation ganz hervorragend.

          In der Innenverteidigung ist Trainer Wagner aufgrund von Verletzungen seit Wochen zu immer neuen Notlösungen gezwungen, Ähnliches galt lange für den Sturm. Schalke ist in dieser Hinrunde getragen von einem Geist des maximalen Widerstands gegen jede Form von Widrigkeit. Wagner lobte „die Energie und die Fokussierung“ seiner Spieler, die ziemlich nah dran sind am königsblauen Ideal. Sie kämpfen mit Hingabe und dem festen Glauben, dass Außenseiter Großes erreichen können, bevor sie nach den Spielen völlig verausgabt und abgekämpft vor die Fans treten, um sich feiern zu lassen, genauso war es auch am Sonntag. Womöglich wollte Nübel einfach etwas zu diesem Kampf beitragen. Und ist dabei ein Stück zu weit gegangen.

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