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Abstiegskampf in der Bundesliga : Das Problem mit den Problemen

  • -Aktualisiert am

Große Namen sind in Not. Nach Beginn der Rückrunde wird erkennbar, welche Bundesliga-Vereine in diesem Jahr um den Klassenerhalt kämpfen müssen - und warum.

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          Der deutsche Fußball-Norden verblüfft derzeit mit ungewöhnlicher Langmut. Eintracht Braunschweig, der Hamburger SV und Werder Bremen taumeln seit Wochen und Monaten dem Abstieg entgegen, nicht nur der Ergebnistrend, auch die aktuelle Form machen diese drei Klubs zu den ersten Abstiegskandidaten. Der marktübliche Reflex nach einem Trainerwechsel erfolgt aber nicht. In Braunschweig ist der Fall noch am verständlichsten.

          Denn die gesamte Branche ist sich einig, dass die Eintracht nicht nur den kostengünstigsten, sondern auch den schwächsten Kader der Liga zusammengestellt hat. Trainer Lieberknecht wurde zugesichert, in aller Ruhe mit der Mannschaft absteigen zu dürfen, falls das Wunder Klassenverbleib nicht geschieht. Da sich die Braunschweiger - bis auf wenige Ausnahmen - tapfer wehren, das Verhältnis des Trainers zu den Spielern immer noch intakt ist, gibt es keine Veranlassung, mit einem neuen Coach etwas verhindern zu wollen, was ohnehin kaum zu vermeiden ist.

          Auch in Bremen wird Robin Dutt versichert, sicher im Sattel zu sitzen. Doch an der Weser kann der Trainer nicht für sich reklamieren, vor einer unlösbaren Aufgabe zu stehen. Die seligen Europacup-Zeiten sind lange vorüber, der Etat musste der sportlichen Entwicklung ins Mittelmaß angepasst werden. Doch immer noch ist der finanzielle Spielraum bei Werder so groß, dass ein Aufenthalt im Tabellenkeller nicht als gottgegeben hingenommen werden muss. Zwei Siege, zwei Unentschieden und sechs Niederlagen lautet die Bilanz der Bremer aus den vergangenen zehn Bundesligaspielen, dabei haben sie 30 Gegentore hinnehmen müssen.

          „Wir haben ein Defensivproblem“

          Das gleiche Phänomen gibt es in Hamburg zu beobachten. Da ist die notorische Abwehrschwäche auf 47 Gegentore kumuliert. Sportchef Kreuzer sagte nach dem 0:3 gegen Hertha BSC Berlin am Samstag: „Wir haben kein Trainerproblem, wir haben ein Defensivproblem.“ Wie putzig. Ist doch jedes Defensivproblem, das sich über Monate hinzieht, auch ein Trainerproblem. Das gilt in Hamburg und in Bremen. Denn die Aufgabenstellung: „erst mal hinten dicht“, ist die Vorgabe, die im Fußball am leichtesten zu erfüllen ist.

          Dann müssen eben Sicherungen eingebaut werden, die vielleicht ein inspiriertes Offensivspiel fast unmöglich machen, aber helfen, völlig irritierten Profis ein Korsett zu bieten, das ihnen Halt gibt. Sechs, sieben Spieler, die verbissen jeden Zentimeter Raum verteidigen wollen und auch können, werden sich wohl in beiden Kadern finden. Wenn Sportchef Kreuzer sagt, dass kein Trainer seinen Spielern mehr mitgeben könne als van Marwijk, dann mag dies sogar seinem Eindruck entsprechen. Wenn aber nichts von dem, was der Trainer mitgibt, von den Spielern umgesetzt werden kann, und das über Wochen, dann ist dieser Eindruck nichts wert.

          Zu dieser Ansicht sind auch einige Mitglieder des Aufsichtsrats gelangt - sie üben Druck auf den Vorstand aus, der immer noch vom Niederländer überzeugt sein will. Ihr Favorit für dessen Nachfolge ist Felix Magath. Der frühere Meistertrainer ist zuletzt mit seiner Art, Fußball zu vermitteln, auf Schalke und in Wolfsburg gescheitert. Und die Frage ist erlaubt, ob seine auf Druck basierende Trainingsmethode auf Dauer noch zeitgemäß ist, da die Fußballprofis heutzutage schon eine hohe Eigenverantwortung mitbringen und in der Ausbildung in den Leistungszentren andere Philosophien der Menschenführung kennengelernt haben. Aber für eine Notmaßnahme, die klare Ansagen und ein Vorbild an Einsatz und Leidenschaft erfordern, könnte Felix Magath noch einmal genau der Richtige sein.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

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