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80 Millionen für Hernández : Der Aufbruch in eine neue Transfer-Ära?

  • Aktualisiert am

Geld für Titel? Lucas Hernández kostete die Bayern 80 Millionen Euro. Bild: dpa

Lucas Hernández pulverisiert den bisherigen Transferrekord der Bundesliga. Die Münchner Personalpolitik hat sich grundlegend geändert, Titel sollen her. Wer also kommt noch – und für welche Summe?

          Niko Kovac wiegte den Kopf hin und her. Bei aller Vorfreude auf den 80 Millionen Euro teuren Rekordeinkauf Lucas Hernández wollte der Trainer des FC Bayern lieber nicht zu viel in die Zukunft blicken. Die kostspieligen Transferaktivitäten für die neue Saison oder mögliche Verkäufe sollen den deutschen Fußball-Rekordmeister beim Kampf um das Double nicht ablenken. „Wir haben jetzt noch einige Zeit in dieser Saison und haben zwei Ziele. Wir wollen deutscher Meister und Pokalsieger werden“, sagte Kovac. Das „Wer, Wie, Wo, Was und Warum“ für die neue Saison sei erst ab dem 1. Juli relevant.

          115 Millionen Euro hat der deutsche Fußball-Rekordmeister bislang für den Verteidiger von Atlético Madrid und dessen französischen Nationalmannschaftskollegen Benjamin Pavard für die neue Saison bezahlt – und die Ausgaben werden weiter steigen. Für den teuersten Umbruch der Klub-Historie nimmt der FC Bayern wie nie zuvor Geld in die Hand. Gut denkbar, dass die Hernández-Bestmarke nicht allzu lange Bestand hat. „Er wird uns auf jeden Fall verstärken“, sagte Kovac.

          Wer kommt bis dahin noch? Wer geht? All diese Fragen werden die Münchner in den letzten Wochen der Saison und darüber hinaus weiter beschäftigen. „Die extrem solide und kerngesunde finanzielle Lage des FC Bayern lässt ausreichend Spielraum für Veränderungen am Kader“, hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schon vor dem Start der kostspieligen Shoppingtour verkündet. Der Fünfjahresvertrag für Hernández bis einschließlich 30. Juni 2024 und ein geschätztes Jahressalär im zweistelligen Millionenbereich dürften das Gesamtvolumen des Transfers auf deutlich über 150 Millionen steigen lassen.

          Schmerzgrenzen, das ließ Uli Hoeneß bei seinem Auftritt vor wenigen Wochen bei Sport1 vor dem Achtelfinal-Aus in der Champions League gegen den FC Liverpool durchblicken, gibt es keine nominellen für den Bundesliga-Krösus. Wirtschaftlich unvernünftige Dinge werden die Münchner im Wettrüsten von Europas Elite nicht machen. Aber eine neue Bayern-Ära auf dem Transfermarkt ist längst eingeleitet. „Jeder Klub hat seine eigene Transferpolitik“, sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc zurückhaltend über die Transferaktivitäten des punktgleichen Bundesliga-Tabellenführers.

          Beim von Hoeneß angekündigtem „größten Investitionsprogramm“ war öffentlich über 200 Millionen Euro Gesamtablöse spekuliert worden. Oder wird es noch mehr? In der Bundesliga, in der die Münchner nach sechs Meistertiteln am Stück in dieser Saison wieder ernsthaft Konkurrenz durch Borussia Dortmund haben, ist das eine eigene Klasse. „Das sind Zahlen, die für uns utopisch sind. Davon können wir in Mönchengladbach nur träumen“, sagte Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl. Im internationalen Vergleich ist die irre Summe angesichts eines angeblichen Wunschzettels von Manchester United von 445 Millionen Euro bei weitem nicht die größte Nummer. „Das ist eine gewaltige Summe, pfui Teufel. Was ein Fußballspieler wert ist, hat wenig mit der Realität des Lebens zu tun“, sagte Hannovers Manager Horst Heldt.

          Havertz, Werner, Hudson-Odoi

          Talent Kai Havertz, für den Leverkusen angeblich erst ab 100 Millionen Euro verhandlungsbereit wäre, steht im Fokus der Topklubs in Europa. Der 19-Jährige, dessen Vertrag bei Bayer bis Sommer 2022 läuft, könnte auch eine Zukunftslösung für die Münchner sein. Dasselbe gilt für den Leipziger Timo Werner (23), der sich selbst ins Schaufenster stellte. Nur in diesem Sommer würden die Sachsen für den Nationalstürmer noch eine Ablöse kassieren.

          Das intensive Werben um Chelsea-Teenie Callum Hudson-Odoi (18) ist noch nicht vom Erfolg gekrönt; Geduld und viele Millionen sind gefragt. Mindestens 30 Millionen Euro haben die Münchner geboten. Chelsea will den Nationalspieler mit einem Vertrag bis Sommer 2020 nicht vorzeitig ziehen lassen.

          Der Name von Nicolas Pépé (23) vom OSC Lille fiel auch schon, doch ob der Ivorer die Münchner international auf dem Flügel weiter bringt, ist fraglich. Durch Kingsley Coman (22) und Serge Gnabry (23) hat der Kader schon viel Qualität, Alphonso Davies (18) muss noch reifen. Weitere Verstärkungen für die Offensive sind für die Zeit nach Arjen Robben und Franck Ribéry aber vonnöten. Sturmjuwel Jann-Fiete Arp, der spätestens zum 1. Juli 2020 vom Hamburger SV kommt, kostet als 19-Jähriger drei Millionen Euro.

          Hernández kann wie Pavard außen und innen in der Abwehr spielen. Niklas Süle (23) ist als Bayern-Innenverteidiger der Mann für die Zukunft, die neuen Verteidiger könnten das Kalkül von Jérôme Boateng (30) und Mats Hummels (30) beeinflussen. Boateng wäre fast schon vor dieser Saison zu Paris Saint Germain gewechselt. Neben ihren Qualitäten bringen die beiden Neuzugänge eine Nationalität mit, mit der der Verein gute Erfahrungen machte. „Lucas wird unsere Tradition herausragender französischer Spieler fortschreiben und unsere Mannschaft verstärken“, erinnerte Sportdirektor Hasan Salihamidzic an die großen Zeiten von Bixente Lizarazu und Willy Sagnol.

          Kovac wollte seine Gedankenspiele zu diesem Thema am Donnerstag nicht verraten. Für ihn zählt ein Sieg am Samstag in Freiburg – auch als Vorbereitung für den BVB: „Wir wollen als Tabellenführer in das Spiel gegen Dortmund gehen und dann hat Deutschland das, was man sich immer erhofft: einen Clásico auf Augenhöhe.“

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