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Fußball-Bundesliga : Das Ringen um 50+1 geht weiter

Die Debatte geht weiter um 50+1 und die Zukunft des deutschen Fußballs. In deren Zentrum: Martin Kind. Bild: dpa

In der Debatte um die 50+1-Regel gibt es keine Entscheidung über den Antrag von Hannovers Präsident Martin Kind. Die Diskussionen werden dennoch weitergehen, weil die DFL einen bestimmten Plan verfolgt.

          Um die für den deutschen Klubfußball wegweisende Frage, ob Investoren hiesige Vereine in Zukunft ganz erwerben können oder nicht, wird weiter gerungen. Nachdem der Präsident des Bundesligavertreters Hannover 96, Martin Kind, am Montag einen Rückzieher gemacht hat und seinen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zur mehrheitlichen Übernahme seines Vereins vorerst ruhen lässt, soll nun innerhalb der Liga eine „intensive Grundsatzdebatte“ zur 50+1-Regel stattfinden. So verbreitete es die Deutsche Fußball Liga (DFL).

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dahinter steht offenbar der Versuch, eine Klärung vor Gerichten oder dem Bundeskartellamt zu umgehen. Eigentlich wollte das Präsidium der DFL am Montag über Kind und Hannover 96 endgültig entscheiden. Wie aus Kreisen des Gremiums schon länger zu erfahren war, hätte der Hörgeräte-Unternehmer die Ausnahme zur Klubübernahme in Hannover aber nicht erhalten. Damit konfrontiert, kündigte Kind stets die rechtliche Überprüfung einer Absage an.

          Hannover 96 nannte die Wendung „einen großen Schritt in die richtige Richtung“. Dem Verein sei es immer auf eine zeitgemäße Entwicklung angekommen. Die DFL sprach von der Zweckmäßigkeit, in den kommenden Monaten die Formulierung und Umsetzung der 50+1-Regel zu überprüfen. Dabei sei zu erörtern, „wie wichtige Prinzipien der gelebten Fußballkultur in Deutschland zukunftssicher verankert werden können und ob gleichzeitig neue Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen sind“. Das kann nur bedeuten, dass noch in diesem Jahr die Vereine über eine Aufhebung oder konkrete Veränderungen der 50+1-Regel abstimmen sollen.

          Die fragwürdige Festlegung gibt es so nur im deutschen Profifußball. Sie begrenzt den Einfluss von Investoren in Klubs, weil Stammvereine nach einer Ausgliederung der Profiabteilungen weiter die Mehrheit der Stimmanteile in einer Kapitalgesellschaft besitzen müssen. Viele Kartellrechtsexperten sehen hierin einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung. Zudem existieren schon Ausnahmeregelungen – für den VfL Wolfsburg (Volkswagen), Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim (Milliardär Hopp).

          So sollte Kind der Liga beweisen, dass er Hannover 96 über 20 Jahre ununterbrochen und erheblich gefördert habe. Als „erheblich“ sieht das Ligapräsidium eine vergleichbare Summe, welche der jeweilige Hauptsponsor eines Vereins jährlich investiert. Warum genau diese Kriterien gelten sollen, ist kaum begründbar und zweifelhaft.

          Die Bundesliga muss zusehen, dass sie in den nächsten Monaten eine rechtlich saubere Lösung präsentiert, die auch am Ende vor einem Europäischen Gerichtshof Bestand haben würde. Die neuen Vorschläge von Eintracht Frankfurt sind da wohl kaum zielführend, weil kartellrechtlich schwer zu halten. Es sind eher weitere fragwürdige Beschränkungen, die mehr zur Fußballfolklore gehören. Danach soll sich ein neuer Mehrheitsbesitzer auf Wappen, Farbe und Logo des Vereins verpflichten, der Fußballkultur mit festgelegten Stehplätzen im Stadion verschreiben und eine Mindesthaltepflicht seiner Anteile einhalten.

          Anders als Kind hat im vergangenen Sommer der Investors vom TSV München 1860, Hasan Ismaik, eine Beschwerde beim Bundeskartellamt gegen die 50+1-Regel eingereicht. Über ein Verfahren der Behörde will der Jordanier die Stimmenmehrheit an der KGaA des Münchner Klubs bekommen und die Kontrolle über sein Investment sichern. Die Bundesligaklubs stehen in dieser Frage nicht nur deshalb unter Druck, weil die 50+1-Regel wohl nicht den Vorgaben des europäischen Kartellrechts entspricht und einen Missbrauch darstellt. Wenn sie sich weiterhin gegen Investorenübernahmen sperren sollten, würden sich die Vereine vom Finanzstrom im internationalen Fußball abnabeln und sportlich immer mehr das Nachsehen haben. Andere Ligen in Europa wie in England zeigen, dass ein für Investoren offener Markt zu handhaben ist.

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