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5:3 in Bremen : Wolfsburger Wahnsinn

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Volle Pulle: Der VfL Wolfsburg mit Bas Dost ist dabei am Ende erfolgreicher als Bremen Bild: AFP

Drei Gegentore? Kein Problem, wenn man wie der VfL Wolfsburg derzeit fast nach Belieben Tore schießt. In den ersten acht Minuten nach Wiederanpfiff dreht der Volkswagen-Klub das Spiel. So schnell war noch kein Bundesligaklub zuvor.

          3 Min.

          Das Spektakel ist zurück im Weserstadion. Eine Halbzeit heißer Bremer Offensiv-Taumel, dann kühler Wolfsburger Kopf-Fußball - diese Partie des Nordens hatte alles im Angebot, was Fußball faszinierend macht. Mit dem besseren Ende für Wolfsburg: 5:3 gewann der VfL am Sonntagabend bei Werder. Dabei war es nach der Bremer 3:2-Halbzeitführung wieder einmal der erstaunliche Torjäger Bas Dost (jetzt 13 Tore), der die sündhaft teure Wolfsburger Mannschaft siegen ließ – zweimal traf der instinktiv richtig stehende Niederländer kurz nach der Pause. Werder fing sich drei Gegentore in fünf Minuten und verlor die erste Partie der Rückrunde. Wolfsburg hat die Champions League 2015/2016 so gut wie sicher.

          Die ersten 20 Minuten gehörten zum Spektakulärsten, was diese Saison zu bieten hatte. 2:2 stand es nach 18 Minuten, weil beide Teams weitgehend ohne Abwehr spielten – sich aber auch Kombinationen in Hochgeschwindigkeit zutrauten. Eine solche beendete Zlatko Junuzovic in der 9. Minute nach Pass vom seit Wochen starken Gebre Selassie auf Öztunali zum 1:0 für Werder. Junuzovic kann es also auch aus dem Spiel heraus. Es war sein fünfter Saisontreffer. Im Gegenzug nutzte Daniel Caligiuri einen Torwartfehler Raphael Wolfs zum Ausgleich. Das war in der 10. Minute. Nur sechs Minuten später gingen die Bremer wieder in Führung; Öztunalis Hereingabe schickte Franco Di Santo ins Wolfsburger Tor – es war sein elfter Saisontreffer.

          Nur kurze Freude

          Die Freude der Bremer Fans hielt nur zwei Minuten. Auf der rechten Seite setzte sich der ehemalige Bremer Kevin De Bruyne durch und passte scharf nach innen, dort war Maximilian Arnold vor Clemens Fritz am Ball und beförderte das Spielgerät per Kopf zum Ausgleich ins Tor. Eine Partie in höchstem Tempo mit Bremer Vorteilen, das war beste Unterhaltung am Sonntagabend. Komische Elemente hatte dabei das 3:2 für Werder in der 28. Minute. Nach einem Eckball und einer Faustabwehr Diego Benaglios landete der Ball bei Felix Kroos. Seinen Schuss, der wohl einen knappen Meter daneben gegangen wäre, lenkte Vieirinha ins eigene Tor. Ein Missgeschick des Wolfsburger Verteidigers, der diese Fußballparty aus Bremer Sicht erst richtig würzte. Doch das Tor muss man wohl Kroos zuschreiben. Nach der Pause drehten Dost und Caligiuri das Spiel nach erschreckenden Bremer Abwehrschnitzern.

          Es könne jeden treffen, hatte Dieter Hecking gedroht, und nach dem glücklichen 0:0 in Lissabon bei Sporting setzte der Wolfsburger Trainer tatsächlich auf vier Positionen frische Spieler ein. Für Träsch, Knoche, Rodriguez und Schürrle kamen Caligiuri, Klose, Schäfer und Arnold. Werder musste auf den gesperrten Fin Bartels verzichten. Es entwickelte sich aber sehr schnell ein Spiel, bei dem niemand von den Abwesenden sprach – sondern von denjenigen, die dabei waren. Im Spiel der beiden besten Rückrundenmannschaften zeigten beide ihre gute Form. Wolfsburg ist nun seit 14 Spielen ungeschlagen, Werder hatte sechs Mal nicht verloren, und beide Teams holten 13 Punkte aus den ersten fünf Rückrundenspielen.

          Volle Pulle

          Drei Tage vor den jeweiligen Aufgaben im Achtelfinale des DFB-Pokals (Werder am Mittwoch in Bielefeld, Wolfsburg bei RB Leipzig), spielten die Nordteams frei von Hemmnissen und gemäß ihres derzeitigen Trends. Volle Pulle nach vorn. Das galt noch mehr für die Bremer, bei denen man zur Pause nur Fragen musste: Würde die Mannschaft das durchhalten gegen den Champions-League-Anwärter? Den heimischen Fans war es für den Moment gleichgültig. Sie sangen vom Europapokal. Wirkte Wolfsburg hinten auch anfällig, so hielten die Werder-Sympathisanten praktisch bei jedem Wolfsburger Angriff die Luft an. Die Bremer wackelten gewaltig, gerade wenn ihr ehemaliger Kollege de Bruyne über rechts kam.

          Die größte Chance nach dem 3:2 hatte allerdings Davie Selke, der aber nach einem Konter knapp links am Wolfsburger Tor vorbeischoss (43. Minute). Zur Pause war Werder ganze zwei Punkte von einem Europa-League-Platz entfernt. „Fußball-Deutschland schaut wieder ins Weserstadion“, hatte Stadionsprecher Christian Stoll vor der Partie getönt. Zum Anpfiff der zweiten Halbzeit sagte er: „Es ist wie früher!“ Stimmt, aber auch ehedem war die Bremer Abwehr löchrig.

          Der durch viele Millionen Euro aufgehübschte VfL ist natürlich ein ganz starkes Team. Den Fehler Vestergaards auf der linken Abwehrseite nutzte de Bruyne zur Hereingabe. Dost schob zum 3:3 ein; sein zwölfter Treffer (48. Minute). Drei Minuten später folgte Nummer 13 - das Wolfsburger 4:3. Beeindruckend, wie Heckings Elf nun aufdrehte und das Spiel durch Caligiuris 5:3 in der 53. Minute praktisch entschied. Die Bremer sammelten sich und hatten noch ein paar gute Aktionen. Aber der VfL, nun mit Weltmeister Schürrle, ließ nur wenig zu.

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