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5:1 gegen Wolfsburg : Mehr Freude über Borussia als Ärger über Hummels

  • -Aktualisiert am

Noch darf er mitfeiern: Kapitän Hummels (rechts) und seine Dortmunder. Bild: dpa

Beim mitreißenden 5:1 gegen den VfL Wolfsburg kommt schlechte Stimmung wegen der Wechselabsicht des Dortmunder Kapitäns gar nicht erst auf.

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          Alle gegen einen? Wer eine ohrenbetäubende Demonstration des Missfallens gegen Mats Hummels erwartet hatte, irrte. Die Stimmung gegen den Kapitän von Borussia Dortmund, der die Geschäftsführung des Klubs gebeten hat, zur neuen Saison zu seinem Heimatverein Bayern München wechseln zu dürfen, hielt sich am Samstag in akustisch erträglichen Grenzen. Das Gros der 81.359 Zuschauer im ausverkauften Dortmunder Stadion bejubelte lieber die frühe 2:0-Führung des BVB gegen den auf Rang zehn der Tabelle zurückgefallenen vorjährigen Tabellenzweiten VfL Wolfsburg.

          Die Treffer von Kagawa (7. Minute) und Ramos (9.) krönten einen furiosen Beginn des besten Ligazweiten der Bundesliga-Geschichte in seinem vorletzten Heimspiel der Saison. Als Reus dann noch auf 3:0 (59.) und Aubameyang auf 4:0 und 5:0 (77./78.) erhöhten, war aus dem vermeintlichen Tag der Abrechnung mit einem verdienten BVB-Profi endgültig ein weiterer Dortmunder Fußballfeiertag für alle geworden. Schürrles Tor zum 1:5 (86.) war nicht einmal ein Trostpflaster für die Wolfsburger, die auch ihre letzte theoretische Chance auf einen Platz im nächsten Euro-League-Wettbewerb verspielten. Beim BVB dagegen freuten sie sich diebisch, dass die Bayern am Samstag noch nicht Meister wurden und durch das 1:1 gegen Mönchengladbach zwei Spieltage vor Ultimo „nur“ noch fünf Punkte Vorsprung vor der Borussia haben.

          Warum? Nicht alle Dortmunder können ihren Kapitän verstehen. Bilderstrecke

          Dezent wie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Trainer Thomas Tuchel nahm auch der Großteil des Stammpublikums der Schwarz-Gelben Hummels’ Rückkehrabsichten zu jenem Klub zur Kenntnis, in dem der 27 Jahre alte Innenverteidiger aufgewachsen ist. Gegen Hummels mobil machte nur ein Teil der Dortmunder Hardcore-Anhänger auf der Südtribüne, die kurz nach dem Anpfiff ein Transparent mit der Aufschrift „Der Kapitän geht als Erster von Bord – am besten sofort“ entrollten und danach jede Ballberührung des Nationalspielers und Weltmeisters mit Pfiffen bedachten. Ginge er zu den Bayern, wäre er nach Mario Götze 2013 und Robert Lewandowski 2014 der dritte BVB-Star, der in München sein Glück versuchen würde.

          Hummels wirkte unbeeindruckt

          Alle anderen Zuschauer in der größten deutschen Fußballarena hatten an diesem Tag Besseres zu tun. Hier und da gab es sogar Applaus für den Profi mit der Rückennummer 15 – etwa, als er seinem Nationalmannschaftskollegen André Schürrle mit kämpferischem Elan den Ball abjagte (28.). Hummels, seit dem Januar 2008 eine feste Größe beim BVB, wirkte unbeeindruckt von dem Ballyhoo um seine Person und bot eine gute Leistung an diesem Nachmittag, der für ihn zum Stimmungstest für die verbleibenden drei Saisonspiele inklusive des Berliner Pokalfinales gegen die Bayern am 21. Mai werden sollte.

          Und wer weiß? Vielleicht muss der Münchner in Dortmund noch eine Saison bei der Borussia dranhängen, da sein Vertrag ohne Ausstiegsklausel bis zum 30. Juni 2017 datiert ist. In der Ad-hoc-Mitteilung der Borussia Dortmund Kommanditgesellschaft auf Aktien vom Donnerstag hatte es ja eindeutig geheißen, dass Hummels nur gehen dürfe, wenn die erwartete Transfersumme dem „außerordentlichen Wert“ des Spielers entspreche und damit „äußerst werthaltig“ sei. Im Gespräch sind Beträge, die sich bis zu 40 Millionen Euro summiert haben – ein nahezu sensationeller Betrag für einen Innenverteidiger mit nur noch einjähriger Bindung an den BVB.

          Watzke wies am Samstag noch einmal auf die hohen Erwartungen im Lager der Borussen hin, die in dem bevorstehenden Poker mit den Bayern alle Trümpfe in der Hand halten. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten: die Vorstellungen realisieren sich zu hundert Prozent, oder es gibt keinen Transfer. Ich gehe davon aus, dass es relativ schnell eine Klärung gibt.“

          Hoeneß findet die falschen Worte

          Die Intervention des nach Verbüßung seiner Haftstrafe in die Bayern-Familie zurückgekehrten früheren Klubpatrons Uli Hoeneß in Sachen Hummels fand Watzke „nicht gut“. Hoeneß hatte am Freitag zu verstehen gegeben, dass es „Hummels‘ Wunsch“ sei, „nach München zu kommen. Ich meine, wenn einer an die Tür klopft, dann wird der FC Bayern schlecht beraten sein, die Tür nicht auf zu machen,“ Wie großzügig!

          Hummels Trainer Thomas Tuchel gab bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Wolfsburg zwar zu Protokoll, dass mit der Entscheidung seines Abwehrchefs „eine Enttäuschung für uns verbunden“ sei. Er sagte aber auch, „dass wir akzeptieren müssen, dass es eine Kategorie von Klubs gibt, die über uns steht. Wir müssen akzeptieren, dass der FC Bayern im Moment zu diesen Klubs gehört. Aber wir werden nicht aufhören, diese Klubs und auch den FC Bayern herauszufordern.“ Zum Beispiel demnächst im Berliner Olympiastadion, wo Hummels im Pokalendspiel seinen Ausstand für den BVB mit einer herausragenden Leistung geben könnte.

          Die Dortmunder Fans, die nach dem Anpfiff voller Inbrunst das im Revier tief verankerte Steiger-Lied, umgemünzt auf die echte Liebe zu Dortmund, schmetterten, können laut Watzke sicher sein, dass die Borussia auch ohne Hummels im nächsten Jahr ein Team auf die Beine stellen wird, „das mindestens so gut“ wie die in der Rückrunde nur in Liverpool unglücklich gestrauchelte Mannschaft dieses Jahrgangs sein werde.

          Die Borussen von heute sind schon so vielversprechend, dass es niemanden überraschen würde, wenn sie in der kommenden Saison auch ohne Hummels mit besten Aussichten um die Meisterschaft mitspielen könnten – trotz der Münchner Vorliebe für Dortmunder Spieler.

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