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5:1 gegen Leverkusen : Bayern gelingt der Befreiungsschlag

Explosion oder Befreiung? Auf alle Fälle ein klarer Sieg Bild: dpa

Für den künftigen Bayern-Trainer Heynckes gibt in München eine deftige Pleite. Die Leverkusener Meisterschaftschancen lösen sich nach indiskutabler Leistung in Luft auf. Die Münchner stehen schon wieder auf Platz drei.

          3 Min.

          Uli Hoeneß hatte eine „Explosion“ angekündigt, als Folge der Befreiung von Trainer Louis van Gaal. Der Bayern-Präsident behielt recht - zumindest zur Hälfte. Denn mindestens ebenso, wie der 5:1-Sieg des Rekordmeisters aus München gegen den Möchtegern-Meister aus Leverkusen eine Explosion der Bayern war, so sehr war es eine Implosion von Bayer. Mit einer indiskutablen Leistung vor allem vor der Pause ergab sich das zuvor fünfmal nacheinander siegreiche, beste Rückrundenteam am Sonntag in das immergleiche Schicksal im Vergleich mit dem FC Bayern, den Leverkusen nun seit 13 Partien nicht mehr besiegen konnte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Nach acht Minuten eröffnete Simon Rolfes mit einem Eigentor das Debakel, ehe Mario Gomez mit einem Hattrick in der 29., 44. und 45. Minute schon zur Pause alle Zweifel am Ausgang der Partie beseitigte. In der zweiten Halbzeit strengte sich der Tabellenzweite, der sich vom Titeltraum wohl endgültig verabschieden durfte, etwas mehr an und wurde mit dem Tor von Eren Derdiyok (62.) belohnt, ehe Franck Ribéry den alten Abstand wiederherstellte (75.).

          Für van Gaals Ablösung, seinen früheren Assistenten Andries Jonker, war es ein famoser erster Tag als Bayern-Cheftrainer. Der 48-jährige Holländer lag mit allen Personalentscheidungen richtig, auch mit der, Thomas Kraft durch den erfahrenen Jörg Butt zu ersetzen und damit die Torwart-Rochade, die zum finalen Eigentor von van Gaals Bayern-Karriere geworden war, wieder rückgängig zu machen. Auch Jonkers Plan, die Sperre von Arjen Robben für eine Systemumstellung von van Gaals 4-2-3-1 auf ein 4-4-2 zu nutzen, mit Miroslav Klose als zweiter Spitze neben Gomez, erwies sich als Volltreffer.

          Einstieg nach Maß: Bayerns Übergangstrainer Andries Jonker
          Einstieg nach Maß: Bayerns Übergangstrainer Andries Jonker : Bild: dpa

          Da die plötzlich wieder lustvollen Bayern den dritten Platz von Hannover zurückeroberten, ist Jonker auf bestem Wege, seinem Nachfolger einen Champions-League-Platz zu hinterlassen - dem Nachfolger Jupp Heynckes, der die Demütigung seines Leverkusener Teams ohnmächtig verfolgte. Es bleibt dabei, dass er in München nur als Bayern-Trainer gewinnen kann - von seinen zwölf Gastspielen mit anderen Teams hat er keins gewonnen.

          Lethargische Offensivleistung der Leverkusener

          Nach fünf Minuten hatten die Leverkusener einen Hauch von Gefahr angedeutet, doch dann brauchte Michael Ballack in seinem ersten Münchner Gastspiel seit dem Bayern-Abschied 2006 in guter Schussposition zu lange für seine Entscheidungsfindung. Es blieb ein Spiegelbild für die lethargische Offensivleistung der Leverkusener. Das Spiegelbild ihrer Defensivdarbietung gab nur zwei Minuten später Rolfes ab. Nach einer Ecke wurde er von einem abgefälschten Ball aus kurzer Distanz so unglücklich im Gesicht getroffen, dass die Kugel zum 1:0 der Bayern ins Netz flog. Danach zeigten sich die Bayern immer bissiger und lauffreudiger, Leverkusen dagegen verlor Ballsicherheit und Dynamik. Nur ein einziges Mal in der ersten Halbzeit musste Butt eingreifen, als er nach einem Pass von Arturo Vidal einen Schritt vor Sam an den Ball kam.

          Heynckes musste sehen, dass seinem Team die Schläue und Schlitzohrigkeit abging, die er selbst als Stürmer einst hatte - und die er nun nur auf der anderen Seite wiederfand, bei dem Instinktfußballer Thomas Müller. Nach einem langen Pass von Philipp Lahm war ihm Verteidiger Stefan Reinartz einen Schritt voraus, doch Müller ahnte, dass der Leverkusener den Ball nur abschirmen und ins Aus laufen lassen wollte - und schnappte ihm den Ball weg. Dann kam Vidal und schien den Ball zurückgewonnen zu haben, doch um eine Ecke zu vermeiden, versuchte der Chilene ihn mit der Hacke im Spiel zu halten - was wieder Müller gerochen hatte. Schnell und schlau spielte er den Ball flach an den Fünfmeterraum, wo ihn Gomez auf dem Weg über den Innenpfosten ins Netz spitzelte.

          Bayerns 72. Sieg im 100. Arena-Spiel

          Bald brauchten die Leverkusener mitunter gar keinen Gegenspieler mehr, um den Ball zu verlieren - so nach 33 Minuten bei einem Zusammenprall zwischen Torwart René Adler und Verteidiger Gonzalo Castro, der beinahe schon zum 3:0 geführt hätte. Es fiel dann erst eine Minute vor der Pause nach einem Bayern-Konter über van Buyten, Müller und Gomez. Eine Minute später traf Gomez abermals, mit einem harten, aber haltbaren Flachschuss aus halbrechter Position.

          Nach der Pause beschränkten sich die Münchner weitgehend auf Spielkontrolle, während Leverkusen nun mehr Elan darin investierte, die Niederlage etwas hübscher zu verpacken. Das gelang durch das Tor von Derdiyok. Es blieb der einzige Schönheitsfehler an einem Jubiläumstag, in dem der FC Bayern im 100. Bundesligaspiel in der heimischen Arena seinen 72. Sieg erzielte - und an dem auch die Südkurven-Fans der „Schickeria“, deren Hoeneß-Beschimpfungen noch im letzten Heimspiel große Empörung ausgelöst hatten, brav blieben. Spätestens nach dem 5:1 durch Ribéry hatten sich alle Bayern, ob Fußballer oder Fans, Trainer oder Präsident, wieder lieb.

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