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5:1 gegen Dortmund : Deutscher Meister wird nur der FC Bayern

  • -Aktualisiert am

Demonstranten Münchner Stärke: Thomas Müller (l-r), Javier Martínez, Philipp Lahm und Robert Lewandowski Bild: dpa

Erster gegen Zweiter – die Zutaten für ein Spitzenspiel sind gegeben, aber heraus kommt die Demonstration Münchner Stärke. Beim 5:1 können einem die Dortmunder am Ende schon leid tun.

          Eines muss man den Dortmunder Borussen zu Gute halten. Auch nach fünf Startsiegen hatten sie nie behauptet, die Bayern gefährden zu können. Was manche als Understatement abtaten, entpuppt sich als Realitätssinn. Nach acht Spieltagen liegen die Dortmunder schon wieder sieben Punkte hinter dem Rekordmeister, und der direkte Vergleich am Sonntagabend trug in einigen Phasen demütigende Züge.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Wie den VfL Wolfsburg besiegte der FC Bayern München auch den zweiten etwas ernsthafteren Konkurrenten 5:1. Es gibt in Deutschland keine Mannschaft, die sich auch nur in etwa mit den Bayern vergleichen könnte, wenn die Münchner ihr Potential abrufen. Die überragenden Stürmer Thomas Müller und Robert Lewandowski erzielten je zwei Tore, Mario Götze traf zum 5:1. Für Dortmund hatte Aubameyang zum 1:2-Zwischenstand getroffen. Dem Franzose gelang damit in jedem Bundesligaspiel mindestens ein Tor - er steht bei zehn Saisontreffern. Übertroffen von Lewandowski, der schon ein Dutzend Tore geschossen hat und den Rekord von Gerd Müller (40) jagt.

          Drin! Lewandowski hat Spaß am Tore schießen Bilderstrecke

          Die ersten zehn Minuten gehörten Dortmund. Trainer Tuchel nahm einige Umstellungen vor zur gewohnten Anfangsformation. Die Oberschenkelverletzung des linken Verteidigers Schmelzer und der freiwillige Verzicht auf Rechtsverteidiger Ginter führte zu einer Kettenreaktion. Innenverteidiger Sokratis ersetzte Ginter, Mittelfeldspieler Sven Bender gab für ihn den Manndecker und Ersatz-Rechtsverteidiger Piszczek wurde zum linken Verteidiger. Der ehemalige Leverkusener Castro durfte sich nach Wochen auf der Auswechselbank auf der Sechser-Position vor der Abwehr beweisen.

          Und die neue Ordnung funktionierte auf Anhieb - in der Anfangsphase kontrollierte der BVB das Zentrum im Mittelfeld und den Raum vor dem eigenen Strafraum. In der vierten Minute hätte Schiedsrichter Fritz der Partie einen richtigen Drall geben können. Aber der Referee aus Korb entschied sich, Bayern-Verteidiger Alaba nur die Gelbe und nicht die Rote Karte zu zeigen, als er den Dortmunder Stürmer am Trikot zog und zu Fall brachte. Die Situation war unübersichtlich, und Alaba zerrte nicht gerade wie wild. Aber Aubameyang fiel und konnte so seinen Sturmlauf zum Bayern-Tor nicht fortsetzen, dem sich außer Torwart Neuer kein Münchner mehr in den Weg hätte stellen können. Den Freistoß konnten die Bayern so leicht verschmerzen.

          Nach einer Viertelstunde verloren die Dortmunder langsam die Kontrolle über das Geschehen. Die Bayern spielten plötzlich nach der alten BVB-Methode ein aggressives Pressing tief in der gegnerischen Hälfte, was Wirkung zeigte. Schnell verloren die Dortmunder den Ball und die Bayern zogen ihr zermürbendes Kombinationsspiel auf, das den Gegner zum ständigen Nachlaufen und zum Raubbau der eigenen Kräfte zwingt.

          In der 24. Minute setzte Costa ein erstes Zeichen, nachdem er bis dahin von Sokratis gut abgeschirmt war. Der Brasilianer dribbelte den Griechen aus und schoss hart auf das kurte Eck. Torwart Bürki zeigte sich jedoch auf dem Posten. Zwei Minuten später kam der Schweizer zu spät. Einen Günter-Netzer-Gedächtnis-Steilpass des Innenverteidigers Boateng versuchte er außerhalb seines Strafraumes zu klären, doch Thomas Müller war mit der Fußspitze einen Moment eher am Ball. Bürki sprang ins Leere, Müller musste sich nur noch um die eigene Achse drehen und den Ball ins Tor schießen.

          Dortmund wirkte angeschlagen und lag acht Minuten später 0:2 zurück. Ein Ballverlust am gegnerischen Strafraum wurde dem BVB zum Verhängnis, weil die Bayern den perfekten Konter spielten. Über Müller und Lahm kam der Ball zu Thiago, den der zurückgeeilte Mchitarjan unnötig von den Beinen holte. Thomas Müller nutzte den Foulelfmeter zum 2:0.

          Die Verhältnisse schienen früh geklärt, doch der BVB ließ seine Klasse noch einmal kurz aufblitzen. Aubameyang musste in der 36. Minute nur noch den Fuß hinhalten, um aus kurzer Distanz auf 1:2 zu verkürzen, nachdem Mchitarjan und Castro ein sehenswerter Spielzug gelungen war.

          Aus dem Spitzenspiel wurde eine Machtdemonstration

          Die Dortmunder hatten sich wieder gefangen, hielten die Begegnung bis zur Pause offen. Sie dokumentierten ihren Willen, es in der zweiten Halbzeit noch einmal wissen zu wollen, indem sie schon zwei Minuten vor dem Anpfiff und lange vor den Bayern Aufstellung zum Anstoß nahmen. Eine Minute später standen die Dortmunder schon wieder am Anstoßkreis, diesmal nicht elanvoll, sondern ziemlich bedröppelt. Lewandowski hatte für die Bayern das 3:1 erzielt. Eine Szene wie beim 1:0. Wieder erreichte ein weiter Pass von Boateng den Mitspieler, wieder sprang Bürki am Ball vorbei. Diesmal aber nicht an der Strafraumgrenze, sondern am Elfmeterpunkt. Sein Zögern war diesmal unentschuldbar.

          Mit dieser Szene änderte die Partie ihren Charakter. Aus dem Spitzenspiel wurde eine Machtdemonstration. Götze hätte schon in der 55. Minute das 4:1 schießen können, nachdem Bürki wieder im eigenen Strafraum herumirrte, aber der ehemalige Dortmunder brachte aus fünf Metern den Ball nicht im leeren Tor unter. Das war aber gar nicht schlimm, weil die Dortmunder sich entschieden, weiter offensiv eine Wende des Spiels zu versuchen und dadurch die Abwehr völlig entblößten. Reus und Januzaj brachten tatsächlich neuen Angriffsschwung.

          Aber während der BVB seine Chancen verschluderte; Mchitarjan fiel besonders auf; schlugen die Bayern unbarmherzig zu. Nun kam auch der bis dahin unscheinbare Götze ins Spiel. Lewandowskis 4:1 in der 58. Minute bereitete der Nationalspieler mit einer wunderbaren Hereingabe vor, das 5:1 in der 66. Minute schoss der ehemalige Dortmunder selbst. Danach ließen es die Bayern gut sein. Ein 5:1 gegen den schärfsten Verfolger reicht ja auch.

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