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5:1 gegen Berlin : Werder schießt sich Frust von der Seele - Frings muss zu Löw

Comeback der kriselnden Bremer: Diego bejubelt seinen wudnerschönen Treffer zum 2:0 gegen Hertha Bild: ddp

Diegos Kunstschuss war das Signal: Werder Bremen hat sich mit einem überzeugenden Heimauftritt zurückgemeldet. Torsten Frings hat unterdessen ebenfalls eine Einladung zum Vier-Augen-Gespräch bei Joachim Löw berhalten.

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          Ein solches Kunststück hatte man im Weserstadion lange nicht gesehen: Mit einem Tor der Extraklasse leistete Diego beim 5:1 (3:0)-Sieg seiner Mannschaft am Samstag gegen Hertha BSC einen ebenso wertvollen wie spektakulären Beitrag zur Bewältigung der Bremer Krise.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Ein Eigentor von Kacar (14. Minute) sowie Treffer von Markus Rosenberg (42.) und Claudio Pizarro (60./85.) waren weiterer Lohn für die konzentrierten und spielfreudigen Bremer, die nach sechs Pflichtspielen ohne Sieg und dem Sturz auf Rang zehn in der Fußball-Bundesliga endlich wieder ein Erfolgserlebnis feiern konnten.

          Ein Tor für die Saisonrückblicke

          Der Gegentreffer durch Cicero (68.) konnte das neue Hochgefühl an der Weser nicht mehr dämpfen. Die Szene, die sämtliche 40.200 Zuschauer von diesem verregneten Nachmittag in Erinnerung behalten werden, war ohnehin Diegos Galaauftritt in der 20. Minute. Es war schwer anzunehmen, das Zuspiel von Özil aus kurzer Distanz, zu hoch und in Brusthöhe, kaum unter Kontrolle zu bekommen - eigentlich.

          Diego umkurvt Simunic, Bremen macht Berlin nass
          Diego umkurvt Simunic, Bremen macht Berlin nass : Bild: ddp

          Was Diego dann machte, wird noch in manchem Saisonrückblick in Superzeitlupe zu bestaunen sein. Bedrängt von zwei Berliner Verteidigern nahm er den Ball kurz mit dem Oberkörper an, legte sich leicht quer und zirkelte den Ball mit dem linken Fuß über den Berliner Torhüter Gäng hinweg ins Netz.

          Erlösung nach heftiger Kritik an Diego

          Es gab keinen, den es nicht von den Sitzen gerissen hätte, und Diego selbst schien die größte Last von den Schultern gefallen. Er tanzte die Seitenauslinie entlang und zeigte immer wieder auf den Namen auf seinem Trikot. Der Brasilianer war ja heftig kritisiert worden in den vergangenen Wochen.

          Nicht nur wegen seiner schwachen Leistungen auf dem Platz - auch jedes Zuspätkommen beim Training wurde auf dem Boulevard eifrig notiert und als Zeichen von Disziplinlosigkeit des Stars und der Mannschaft insgesamt gedeutet. Nach einem Diego in Topform aber sehnte man sich natürlich in Bremen - insbesondere nach den beiden uninspirierten Auftritten in Hannover (1:1) und gegen Leverkusen (0:2), bei denen der Regisseur wegen Muskelproblemen hatte pausieren müssen. Und so war es mehr als nur ein Hoffnungsschimmer, dass neben Torhüter Tim Wiese und Pizarro auch Diego gegen Berlin wieder ins Team zurückkehrte.

          Diego lenkte wie in besten Tagen

          Die Frage, ob südamerikanischer Esprit überhaupt gefragt sein würde in der misslichen Situation der Bremer, war schnell beantwortet. Diego übernahm sofort die Verantwortung und lenkte das Spiel wie in besten Tagen. Natürlich hatten die Bremer auch Glück: Bei dem von Diego getretenen Eckball, der zum 1:0 führte, sprang der 18 Jahre alte Christopher Gäng bei seinem Bundesliga-Debüt (Drobny musste wegen einer Wadenverletzung passen) am Ball vorbei.

          Überhaupt waren die Berliner, mit der Empfehlung eines 3:0 gegen Hannover und vier Spielen ohne Niederlage angereist, ein dankbarer Aufbaugegner. In der ganzen ersten Hälfte brachten sie nicht einmal im Ansatz einen brauchbaren Angriff zu Stande.

          Frings muss bei Löw zum Rapport

          Wie weit die Bremer Krise plötzlich weg war nach den ersten 45 Minuten! Die Fans erhoben sich von ihren Plätzen, begleiteten ihre Mannschaft mit donnerndem Applaus in die Kabine. Und obwohl die Berliner sich dort offenbar einiges anhören mussten (zumindest wirkten sie wacher als zuvor), ging es ganz nach dem Geschmack der Werder-Fans weiter.

          Diegos Querpass konnte Pizarro mühelos zu seinem sechsten Saisontor nutzen. Und mit ein bisschen mehr Konzentration wären noch mehr Treffer als das 5:1 durch den Peruaner möglich gewesen. Doch auch so haben die Bremer allen Grund, zuversichtlich in das wichtige Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Panathinaikos Athen zu gehen.

          Am Rande des Spiels wurde bekannt, dass nun auch Torsten Frings einen Gang nach Canossa antreten muss. In einem Vier-Augen-Gespräch muss er sich bei Joachim Löw für seine Kritik am Bundestrainer rechtfertigen.

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