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5:1 in Hoffenheim : Beierlorzer-Effekt hilft Mainz selbst in Unterzahl

Mainz wie es singt und lacht: Torschütze Levin Öztunali (vorne) feiert mit Jean-Paul Boetius und Karim Onisiwo. Bild: AFP

Mainz 05 gewinnt in Hoffenheim trotz einer Roten Karte. Das Team wirkt nach der Trennung von Trainer Schwarz befreit und beendet die Siegesserie der TSG mit einem Bundesligarekord. Nachfolger Beierlorzer wird für seinen Mut belohnt.

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          Sind es diese kleinen Gesten, die im Fußball kleine Wunder bewirken können? Beim Aufwärmen widmete sich Achim Beierlorzer eine gute Minute lang seinem Außenbahnspieler Levin Öztunali. Der neue Trainer von Mainz 05 nahm seinen Offensivspieler in den Arm, redete auf ihn ein, zwickte ihn in die rechte Rippenpartie und zeigte auf seinen rechten Fuß. Er muss ihn wohl zum Torabschluss mit seinem starken Schussbein ermutigt haben. Es wirkte: In der 33. Minute brachte der Enkel von Uwe Seeler sein Team in Führung – natürlich mit einem Rechtsschuss nach einem entschlossen geführten Zweikampf mit dem Hoffenheimer Abwehrspieler Benjamin Hübner. Der Führungstreffer ebnete den Weg zu einem 5:1 (1:0)-Auswärtserfolg bei der TSG Hoffenheim im ersten Spiel des neuen Trainers, zu dem der Hoffenheimer Pavel Kaderabek (52. Minute) ein Eigentor und zweimal Pierre Kunde (63./90+3.) sowie Jean-Paul Boetius (90.) für Mainz 05 die weiteren Treffer beisteuerten.

          Beierlorzer gelang damit das Kunststück, zwei Wochen nach einer 1:2 (1:0)-Niederlage mit seinem vorherigen Klub 1. FC Köln gegen Hoffenheim, mit seinem neuen Klub gegen den selben Gegner zu gewinnen und dessen Serie von inklusive DFB-Pokal zuletzt sechs Pflichtspielsiegen zu beenden. Der 52 Jahre alte Trainer war bei den Rheinländern entlassen und direkt in Mainz angestellt worden.

          Öztunalis Treffer war symptomatisch für den Auftritt der Mainzer im ersten Spiel nach der so schwierigen Trennung vom im Klub so beliebten Trainer Sandro Schwarz – einem Sohn der Stadt und des Vereins. Mainz 05 sah sich gezwungen, den Reflexen der Branche zu folgen und mit einem Trainerwechsel ein klassisches Zeichen an die Spieler zu senden. Es schien von allen Spielern eine Last von den Schultern zu nehmen. „Das 1:0 hat viel ausgemacht. Das ist für den Kopf was ganz anderes als Rückstände wie in den vergangenen Wochen“, sagte Jean-Paul Boetius, der Beste in einem leidenschaftlichen Mainzer Team, der freilich auch betonte, dass unter dem neuen Coach im Training eigentlich „nichts anderes gemacht“ worden sei. Rouven Schröder versuchte sich derweil am Erklären des Unerklärbaren. „Fußball ist nicht zu beschreiben. Heute liefen fast alle 50:50-Situationen für uns“, sagte der 44 Jahre alte Mainzer Sportvorstand. „Wir waren vielleicht einfach mal an der Reihe.“

          Bundesliga

          Beierlorzer war zudem so mutig, sein Team weniger vom Personal her, als vom System durcheinanderzuwirbeln: Er begann nach nur vier gemeinsamen Trainingstagen, von denen Nationalspieler wie Edimilson Fernandes, Pierre Kunde, Robin Quaison oder Karim Onisiwo gar noch zwei bis drei Trainingseinheiten verpassten, in einer Grundformation mit einer Dreierabwehrkette, um der Hoffenheimer Offensive mit drei Angreifern spiegelverkehrt Widerstand zu leisten. Und diese neu formierte Abwehrreihe dirigierte der vermeintliche Schweizer „Königstransfer“ Fernandes, der zuvor stets im zentralen Mittelfeld gespielt und meist enttäuscht hatte.

          Zu Beginn hatten die Rheinhessen merklich einige Orientierungsschwierigkeiten, die vor allem bei Jeremiah St. Juste zu zwei beinahe folgenschweren Aussetzern führten. Einmal scheiterte jedoch Locadilla am Mainzer Schlussmann Robin Zentner (3.), bei einem Rudy-Schuss aus 16 Metern rettete dann Kunde für den geschlagenen Torwart auf der Linie (15.).

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