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4:2 gegen Gladbach : Perfekter Start für Leverkusen

  • -Aktualisiert am

Anführer Kießling: Vielleicht kann er den Augenzeugen Löw doch noch überzeugen Bild: AP

Unter den Augen von Bundestrainer Löw führt Stefan Kießling Bayer Leverkusen zum 4:2-Sieg im turbulenten rheinischen Derby gegen Borussia Mönchengladbach.

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          Es dauerte eine Weile, bis die Profis in den Angriffsmodus wechselten. Aber dann lieferten Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach dem Publikum das Fußballfest, das viele erwartet hatten. Im letzten rheinischen Derby, das die Bundesliga noch zu bieten hat, setzte sich die „Werkself“ 4:2 durch. Stefan Kießling (23. Minute) Sidney Sam (28./61.) und Gonzalo Castro (72.) trafen für Bayer. Gladbach steigerte sich in der zweiten Halbzeit, kam dank der Tore von Martin Stranzl (54.) und Juan Arango (57.) zum zwischenzeitlichen Ausgleich, hatte der Leverkusener Dynamik aber nicht genug entgegenzusetzen, um einen Punkt zu ergattern.

          Als einer von 29.000 Zuschauern in der BayArena konnte sich Bundestrainer Joachim Löw diesmal mit eigenen Augen ein Bild davon machen, in welch guter Form sich Stefan Kießling in der Frühphase der Saison befindet. Der Schützenkönig der vergangenen Spielzeit war neben seinem kongenialen Partner Sam der beste Mann auf dem Platz. Mit Leistungen wie am Samstag kann Kießling den Bundestrainer vielleicht doch noch davon überzeugen, ihn als Kandidaten für das Nationalteam ins Auge zu fassen.

          Bayer und Borussia stehen in dem Ruf, das Spiel auch als Kunstform zu interpretieren, und haben diese Herangehensweise in dieser Saison auch schon bestätigt, besonders die Gladbacher bei ihrem furiosen Heimsieg eine Woche zuvor gegen Hannover 96. Es vergingen allerdings zwanzig Minuten, bis die Partie Fahrt aufnahm. Vor allem Kießling sprühte vor Tatendrang und riss die anderen Spieler in Rot mit. Seinen Volleyschuss vermochte Raffael noch vor der Linie abzuwehren. Doch Sekunden später nahm der Gladbacher Mittelfeldspieler Arango, als Aushilfe im eigenen Strafraum, die Hand zu Hilfe - Elfmeter. Kießling trat den Strafstoß so scharf und präzise, dass es Torhüter ter Stegen nichts nützte, sich in die richtige Ecke geworfen zu haben. Die Bayer-Fans waren auf diesen Jubiläumstreffer vorbereitet. Umgehend hatten sie ein Transparent zur Hand mit der Aufschrift „Danke für 100 Tore“. Es war Kießlings hundertster Bundesligatreffer für Leverkusen.

          Voller Tatendrang: Leverkusens Torjäger Stefan Kießling Bilderstrecke

          Der Tor verschaffte Bayer nicht nur einen Vorsprung, sondern auch einen strategischen Vorteil. Die Heimelf konnte nun kontern, also das Spiel so gestalten, wie es auch Gladbach gern gemacht hätte. Bei ihren Gegenstößen kamen die Leverkusener zu weiteren Chancen. Eine davon nutzten sie, um die Führung noch in der ersten Hälfte auszubauen. Kießling war allein auf den herauseilenden ter Stegen zugelaufen, doch statt selbst den Abschluss zu suchen, legte er die Kugel zurück in die Strafraummitte, wo Sam den Vollstreckungsauftrag mit Wucht ausführte. Dann war Kießling als ausführendes Organ wieder selbst zur Stelle, traf aber nach Lars Benders Flanke mit einem Kopfstoß nur den Pfosten.

          Während Leverkusen nach mäßigem Beginn auf Touren gekommen war, wirkten die Gladbacher nach dem ersten Rückschlag verzagt. Von der Leichtfüßigkeit, mit der sie gegen Hannover brilliert hatten, war im ersten Durchgang nichts zu sehen. Nach dem Seitenwechsel aber erwachten bei der Borussia die Lebensgeister. Als wäre nichts gewesen, machten die Gladbacher einen Neustart. Und prompt funktionierte ihr Fußballsystem wieder. Mit zwei Toren binnen drei Minuten schufen Stranzl und Arango ausgeglichene Verhältnisse. Aus einer Partie, die schleppend begonnen hatte, war doch noch das Spektakel geworden, das viele sich erhofft hatten. Auch die Leverkusener zeigten sich hart im Nehmen. Anders als zuvor die Gladbacher brauchten sie nicht lange, um sich zu erholen, sondern gingen abermals in Führung. Wieder im Verbund mit Kießling schoss Sam zunächst sein zweites Tor und traf wenig später den Pfosten. Bei dem offenen Schlagabtausch, der nun im Gange war, zeigte sich Bayer treffsicherer. Castro baute den Vorsprung nochmals aus.

          Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach 4:2 (2:0)

          Bayer Leverkusen: Leno - Hilbert (62. Donati), Toprak, Spahic, Boenisch - Bender, Reinartz, Castro - Sam, Kießling (83. Hegeler), Son (88. Kruse)
          Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Kramer, Xhaka (75. Hrgota) - Herrmann (87. de Jong), Arango (75. Younes) - Raffael, Kruse
          Schiedsrichter: Brych (München)
          Zuschauer: 29 243
          Tore: 1:0 Kießling (23./Handelfmeter), 2:0 Sam (28.), 2:1 Stranzl (54.), 2:2 Arango (57.), 3:2 Sam (60.), 4:2 Castro (72.)
          Gelbe Karten: - / Xhaka (2)

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