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4:2 gegen die Bayern : Der erste Titel geht an Dortmund

  • -Aktualisiert am

Das erste Ausrufezeichen ist gesetzt: Marco Reus trifft doppelt für Dortmund Bild: dpa

Nach der Triple-Saison der Münchner gelingt Dortmund ein Prestigeerfolg, der Mut macht. Im ersten Pflichtspiel von Bayern-Trainer Guardiola gewinnt die Borussia den Supercup mit einem 4:2-Sieg.

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          Mit einem 2:1-Erfolg im nicht ganz so bedeutenden Supercup über Meister und Pokalsieger Borussia Dortmund fing vor einem Jahr die Traumreise des FC Bayern München durch eine fabelhafte Saison an, in der der deutsche Fußballrekordmeister noch Bundesligaprimus, DFB-Pokalgewinner und Champions-League-Sieger werden sollte - durch ein 2:1 über den BVB am 25. Mai in London.

          Am Samstag standen sich die beiden Mannschaften aufs Neue im Duell um den Supercup zwei Wochen vor dem Bundesligastart gegenüber. Diesmal in Dortmund beim Meisterschaftszweiten der vorigen Spielzeit, und diesmal gewann der BVB das erste Kräftemessen der beiden besten deutschen Mannschaften nach einem packenden Duell 4:2 durch die Treffer von Reus (6./86. Minute), van Buyten per Eigentor (55.) und Gündogan (56.) bei zwei Gegentoren von Arjen Robben (54./64.).

          Ein Prestigeerfolg, der der Borussia und anderen Bundesliga-Mannschaften Mut gemacht hat. Unschlagbar sind also auch die vom neuen Trainer Pep Guardiola früh auf Touren gebrachten Bayern nicht. Während die Borussia ihre kleine Revanche für Wembley genießerisch auskostete, mussten die Bayern die erste verdiente Niederlage in dieser Saison, die erst am 9. August in der Bundesliga beginnt, verarbeiten. „Wir hätten gerne den Cup mitgenommen, das ist ein Titel“, sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. „Die Chancen waren definitiv da.“

          Guardiola ist ein passionierter Jäger und Sammler: von Titeln und Pokalen. 14 Trophäen hat der katalanische Trainerstar in seiner goldumrandeten Zeit beim FC Barcelona zwischen 2008 und 2012 mit seiner zauberhaften Mannschaft erobert. Nun sollte das erste gute Stück aus Gold und Silber auch in Deutschland her. Daraus wurde nichts, weil Guardiola erkennen musste, dass der qualitative Unterschied zwischen diesen beiden Teams bei weitem nicht so groß ist, wie es der 25-Punkte-Vorsprung der Bayern in der vergangenen Bundesliga-Saison suggerierte.

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          Das Objekt der Begierde hat ein wenig was vom WM-Pokal :

          Guardiola, der bei seiner Vorstellung noch demütig davon geredet hatte, nur „kleine Dinge, ein paar Details“ ändern zu wollen, hat sich dabei auf Anhieb einen kleinen Scherz erlaubt. Tatsächlich krempelt er, seit er vor vier Wochen beim Allesgewinner der vergangenen Spielzeit zu arbeiten begann, fast alles um, was zuvor unter seinem Vorgänger Jupp Heynckes bestens eingeübt und zur Meisterreife im Triple-Format gediehen war.

          Was bei der allzeit ballorientierten Arbeit bisher herauskam, schaute je nach Sichtweise imponierend oder furchteinflößend aus: ein Ballbesitz-Fußball, der an Guardiolas Zeiten in Barcelona erinnerte, eine erdrückende Mittelfelddominanz auch gegen Bundesliga-Konkurrenten wie Borussia Mönchengladbach (4:0) und den Hamburger SV (5:1).

          Götze schaut in Dortmund zu - bei den Eltern

          In Dortmund stand nun die erste ernsthafte Bewährungsprobe für Peps Bayern auf dem Spielplan nach neun leichten Siegen über erst-, zweit- und drittklassige Gegner. In Bestbesetzung standen sich die beiden Spitzenteams allerdings noch nicht gegenüber. Beim BVB fehlte der verletzte Armenier Mchirtarjan, während die andere neue Offensivkraft, der Gabuner Aubameyang in der 72. Minute eingewechselt wurde.

          Bei den Bayern standen der später eingewechselte Schweinsteiger, Dante und Luiz Gustavo nicht in der Startelf; der Spanier Martínez war ga nicht im Kader. Die Münchner warten dazu weiter auf den von seinem Muskelbündelriss noch nicht genesenen Mario Götze, der zum Entsetzen der BVB-Gemeinde für 37 Millionen Euro zu den Bayern wechselte und sich das Spiel am Samstag bei seinen Eltern in Dortmund vor dem Bildschirm anschaute.

          Sein bester Dortmunder Freund setzte in diesem temperamentvollen Duell das erste Ausrufezeichen: Marco Reus. Der Sprinter auf dem linken Flügel erzielte nach sechs Minuten eines seiner seltenen Kopfballtore, als er von Torhüter Starkes Fehler profitierte, der Benders nicht besonders bedrohlich anmutenden Kopfball hatte abprallen lassen.

          Die frühe Führung des BVB wirkte auf beide Teams ausgesprochen belebend. Lewandowski war bei seinem Abseitstreffer (8.) nur hauchdünn im Abseits; Shaqiri und Müller forderten auf der anderen Seite Starkes Gegenüber Weidenfeller zu Klasseparaden heraus (14.); Starke verhinderte bei Lewandowskis Schuss ein 2:0 (19.).

          Robben trifft - doch Dortmund schlägt zurück

          Es ging hin und her in Halbzeit eins, in der die Bayern mit Robben, Müller, Shaqiri und Mandzukic dem gewohnten Dortmunder Umschaltspiel extrem offensiv und mit vielen Positionswechseln begegneten, und in dem die Borussen trotzdem dank Reus’ Geschwindigkeit, Lewandowskis Wucht und Gündogans Schnittstellenpässen einen Hauch entschlossener anmuteten.

          Daran änderte auch Robbens Ausgleich per Kopfball (54.) nichts. Der Ball war kaum wieder im Spiel, da führte die Borussia schon wieder, weil van Buyten Gündogans scharfe Flanke mit dem Kopf ins eigene Tor lenkte (55.). Wieder eine Minute später krönte Gündogan seinen exzellenten Auftritt, als den Ball vom linken Strafraumeck ins rechte Toreck zum 3:1 schlenzte.

          Aubameyang legt für Reus zum 4:2 auf

          Während Guardiola unruhig auf und ab tigerte, schlug Robben, der Siegtorschütze im Champions-League-Finale, noch einmal aus der Drehung mit einem Flachschuss zum 2:3 zu (64.). Der Holländer wirbelte am Samstag wie aufgedreht.

          Doch das reichte nicht, um den ersten Dortmunder Triumph über die Bayern in diesem neuen Spieljahr zu verhindern. Spätestens als Reus sein zweites Tor nach sehenswerter Vorarbeit von Aubameyang erzielte (86.), brauchte die Frage nach Sieger und Verlierer nicht mehr gestellt werden.

          Borussia Dortmund - Bayern München 4:2 (1:0)

          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender (46. Kehl), Sahin - Blaszczykowski (72. Aubameyang), Gündogan (88. Sokratis), Reus - Lewandowski
          Bayern München: Starke - Lahm, van Buyten, Boateng, Alaba - Thiago - Robben, Müller, Kroos (86. Dante), Shaqiri (67. Schweinsteiger) - Mandzukic (75. Pizarro)
          Schiedsrichter: Drees (Münster-Sarmsheim)
          Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Reus (6.), 1:1 Robben (54.), 2:1 van Buyten (56./Eigentor), 3:1 Gündogan (57.), 3:2 Robben (64.), 4:2 Reus (86.)
          Gelbe Karten: - / Boateng

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