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4:1 gegen Hamburg : Huntelaars große Schalke-Show

  • -Aktualisiert am

Das Knie hält: Huntelaar jubelt nach einem seiner drei Treffer. Bild: Huebner/Vogler

Schalkes Torjäger ist wieder da: In seinem ersten Spiel nach sechswöchiger Verletzungspause erzielt Klaas-Jan Huntelaar beim 4:1 über den HSV gleich drei Tore. Die Hamburger stagnieren weiter.

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          Die Fußballprofis des Hamburger Sportvereins haben in dieser Bundesliga-Saison schon einigen (anderen) Mannschaften Freude bereitet. Am viertletzten Spieltag war der FC Schalke 04 an der Reihe. Beim 4:1 hatten die Gelsenkirchener leichtes Spiel mit den Hanseaten. Das Hamburger Abwehrverhalten half vor allem einem auf die Sprünge, der viele Wochen wegen einer Verletzung gefehlt hatte. Klaas-Jan Huntelaar, der niederländische Stürmerstar aus Gelsenkirchen, konnte sich bei seinem Comeback die Freiheit nehmen, drei Tore zu erzielen (21./58./66. Minute) und zudem den Treffer seines Mitstreiters Michel Bastos (21.) vorzubereiten, nachdem Marcell Jansen den HSV in Führung geschossen hatte (5.). Bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss erhielt Huntelaar von Fans frenetischen Beifall. „Das war mein bestes Spiel in diesem Jahr und für uns ein wichtiger Schritt“, sagte er.

          Im Kampf um den vierten Platz, also um die Aussicht, in der Champions League zu spielen, nutzte Schalke die „Vorlage“ der Frankfurter Eintracht, während der HSV, vor dem Spiel auch noch ein Kandidat für die europäische Königsklasse, auf ganzer Linie enttäuschte. Die Westfalen bauten den Vorsprung vor ihrem ärgsten Verfolger in der Tabelle auf drei Punkte aus. „Wenn man alle Chancen zusammennimmt, ist der Sieg auch in dieser Höhe verdient“, sagte Schalkes Cheftrainer Jens Keller. Huntelaar sei zwar noch nicht wieder in Bestform, habe aber schon im Training gezeigt, wie gut seine Fitness sich entwickelt habe. „Er war topfit und konnte viel laufen. Wir sind froh, dass er wieder dabei ist.“ Dennoch äußerte Keller sich mit Blick auf das Saisonende vorsichtig. „Wir haben einen kleinen Schritt gemacht und uns ein bisschen absetzen können. Aber wir haben noch drei hammerschwere Spiele vor uns.“ Der nächste Gegner Borussia Mönchengladbach gehört, wie Schalke, zu den Mannschaften, die im Kampf um die Teilnahme an den internationalen Wettbewerben, wenn überhaupt, mühsam vorankommen.

          So zurückhaltend Keller sich auch geäußert haben mag - der HSV durfte mit dem Ergebnis sogar zufrieden sein. „Am Ende konnten wir froh sein, dass es beim 4:1 geblieben ist“, sagte der Hamburger Kapitän Raffael van der Vaart, den Trainer Fink nach knapp siebzig Minuten gegen Thomas Rincon austauschte - ein deutliches Signal dafür, dass die Hamburger resigniert hatten. In Gelsenkirchen waren Spekulationen darüber aufgekommen, ob van der Vaart möglicherweise nicht fit genug gewesen sei, um eine Bundesligapartie dieser Kategorie zu bestreiten. „Ich war fit“, behauptete der Mittelfeldstratege nach einer Mannschaftsleistung, die zeitweise befremdlich anmutete. „Man kann gut oder schlecht spielen, aber das hat in diesem Fall nichts damit zu tun, dass wir nicht wollten.“

          HSV-Trainer Fink hat mit seiner Mannschaft mehr Tore kassiert als Düsseldorf oder Augsburg.
          HSV-Trainer Fink hat mit seiner Mannschaft mehr Tore kassiert als Düsseldorf oder Augsburg. : Bild: dpa

          Während der Hamburger SV im Rennen um einen Europapokalplatz zurückfällt, ist Schalke 04 mit Torjäger Huntelaar ein großes Stück vorangekommen. „Diesmal haben wir unsere Chancen genutzt, vielleicht auch, weil Klaas-Jan dabei war“, sagte Keller. „Er hat uns wochenlang gefehlt.“ Schalke ließ sich durch das frühe Gegentor nicht verunsichern, sondern drehte die Partie noch in der ersten Halbzeit und hätte den Vorsprung schon vor der Pause ausbauen können - nicht nur weil die „Königsblauen“ selbst eine gute Leistung zeigten, sondern auch, weil das Hamburger Verteidigungsbündnis auf dem Rasen zuweilen desaströse Schwächen offenbarte, besonders wenn Julian Draxler, der jungendliche Protagonist im Mittelfeld des FC Schalke 04, sein Können ausspielte. Dieses Mal wurde er unterstützt von Raffael und Bastos, zwei Brasilianern, die „auf“ Schalke schon gute Ansätze gezeigt haben, aber dort noch nicht vollständig angekommen scheinen. Wie den beiden Südamerikanern fehlte es zuletzt auch Schalke als Mannschaft an Konstanz, um sich Kampf um die Teilnahme an der Champions League einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. „Konstant ist in dieser Saison nur Bayern München“, sagte Keller.

          Ob der klare Sieg auch die Lage des Schalker Trainers verbessert hat, blieb am Sonntagabend unklar. Es gab Gerüchte, der frühere Weltklassespieler Stefan Effenberg, derzeit bezahlter „Experte“ bei Deutschlands führendem Fußball-Bezahlsender, könnte zur neuen Saison Trainer auf Schalke werden. Schalkes Manager Horst Heldt indes bestätigte die Spekulationen nicht, sondern sprach von einer „offenen Frage“ und betonte, es sei „noch nichts entschieden“. Keller wiederum sah Anzeichen dafür, dass sich die in seinen Augen oft unfair geführte Debatte ums seine Person und Position eher „ins Positive gedreht hat“.

          FC Schalke 04 - Hamburger SV 4:1 (2:1)

          FC Schalke 04: Hildebrand - Uchida, Höwedes, Matip, Kolasinac - Neustädter, Jones (81. Moritz) - Bastos (78. Fuchs), Raffael, Draxler - Huntelaar (87. Pukki)
          Hamburger SV: Adler - Sala, Westermann, Mancienne, Jansen - Arslan, Aogo - Skjelbred (63. Rudnevs), van der Vaart (69. Rincón), Jiracek - Son
          Schiedsrichter: Sippel (München)
          Zuschauer: 61 673 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Jansen (5.), 1:1 Bastos (9.), 2:1 Huntelaar (21.), 3:1 Huntelaar (58.), 4:1 Huntelaar (66.)
          Gelbe Karten: Bastos (1) / Adler (5), Arslan (8), Mancienne (2)

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