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4:1 gegen Augsburg : Schalke dreht spät auf

  • -Aktualisiert am

Doppeltorschütze: Adam Szalai Bild: dpa

Der FC Augsburg weckt den Favoriten mit Mölders früher Führung, schwächt sich durch Klavans Platzverweis aber selbst. Gegen zehn Gäste gewinnt Schalke 04 ungefährdet.

          2 Min.

          Das Ensemble des FC Schalke hat auf den Bühnen des Fußballs mehrere Gesichter im Repertoire. Ein strahlendes, das zuletzt wieder in der Champions League zu sehen war, ein neutrales, eher nichtssagendes und ein weiteres, das in der Bundesliga zuletzt fahl und faltig ausgesehen hatte. „Wir zeigen noch zu oft zwei Gesichter“, sagte Torhüter Timo Hildebrand nach dem Auswärtssieg gegen den FC Basel in der europäischen Königsklasse. „Wenn wir am Samstag verlieren, ist wieder alles schlecht.“

          Das hätte unter anderen Umständen durchaus passieren können, doch am Ende war aus Schalker Sicht wieder alles gut, zumindest dem Ergebnis nach. Beim 4:1 über den FC Augsburg gelang es den Gelsenkirchenern, das Spiel nach dem frühen Gegentor von Sascha Mölders (10. Minute) zu drehen. Den Wendepunkt bildete der Platzverweis gegen Ragnar Klavan, der wegen einer „Notbremse“ schon in der 16. Minute die Rote Karte sah. Trotz Überzahl tat Schalke sich lange schwer, kam aber dank der Tore von Kevin-Prince Boateng (16.), Adam Szalai (28./78.) und Max Meyer (86.) zu einem klaren Sieg.

          Zu Beginn erschien das Schalker Gesicht in einem eher unvorteilhaften Licht. Augsburg begann agiler, zielstrebiger und ging früh in Führung. Mölders setzte sich am Fünfmeterraum gegen Santana durch und spitzelte Ostrzoleks Flanke ins Tor. Wenig später hätte Andre Hahn den Vorsprung sogar ausbauen können; sein Distanzschuss verfehlte aber knapp das Ziel. Der Heimelf fiel es äußerst schwer, ins Spiel zu finden. Vor allem der Schwung, den Jefferson Farfan auf dem rechten Flügel zu erzeugen pflegt, fehlte den Schalkern; der Peruaner ist wegen eines Muskelfaserrisses für längere Zeit außer Gefecht gesetzt.

          Als das Grummeln auf den Rängen allmählich lauter wurde, ereignete sich die Szene, die Augsburg schwächte und bei Schalke neue Lebensgeister weckte. Szalai hatte zum ersten Mal im Strafraum freie Bahn, und Klavan wusste sich als „letzter Mann“ nicht anders zu helfen, als ihn am Arm zu ziehen. Ohne zu zögern, erkannte Schiedsrichter Marco Fritz auf Elfmeter und verwies den Täter mit der Roten Karte des Feldes. Boateng nutzte den Strafstoß zum Führungstor.

          Der Prinz als Anführer: Schalkes Kevin-Prince Boateng
          Der Prinz als Anführer: Schalkes Kevin-Prince Boateng : Bild: dpa

          Was für Augsburg so gut begonnen hatte, wurde nun zu einer Herkules-Aufgabe. Auswärts fünfundsiebzig Minuten in Unterzahl zu spielen, ist auch gegen eine nicht sonderlich starke Schalker Mannschaft eine Herausforderung, die kaum zu bewältigen ist. Die Königsblauen gaben nun die Richtung vor und hatten deutlich mehr Ballbesitz als der Gegner. Ihre Produktivität hielt sich aber in Grenzen. Immerhin reichte es vor der Pause zu einem zweiten Treffer. Als Neustädters Pass aus dem Mittelfeld im Augsburger Strafraum landete, leitete Uchida die Kugel zu Szalai weiter, der dieses Mal den Vollstreckungsauftrag sorgfältig ausführte. Sonst kam Schalke einem weiteren Treffer im ersten Durchgang nur noch einmal nahe: Verteidiger Santana, der wieder den Vorzug vor Matip erhalten hatte, traf mit einem Kopfball den Pfosten.

          Nach dem Seitenwechsel zeigten die Schalker sich zunächst weiter einfallslos. Ihre Angriffsversuche waren meist leicht zu durchschauen. Die nur scheinbar leichte Aufgabe, die Überzahl zu nutzen, wurde ihnen dadurch erschwert, dass ihr Anführer und Gestalter Boateng wegen einer Verletzung gegen das junge Regietalent Max Meyer ausgetauscht werden musste. So musste die große Mehrheit unter den knapp 61.000 Zuschauern bis in die Schlussphase hinein warten, bis die Partie entschieden war. Szalai nutzte Aogos Flanke zum dritten Tor für Schalke. Zuvor hatte Ostrzolek mit einem wuchtigen Distanzschuss Schalke-Torwart Hildebrand sogar gezwungen, zur Abwechslung auch einmal eine Arbeitsprobe abzugeben. Nachdem der Augsburger Widerstand gebrochen war, setzte Meyer den Schlusspunkt.

          FC Schalke 04 - FC Augsburg 4:1 (2:1)

          FC Schalke 04: Hildebrand - Uchida, Höwedes, Felipe Santana, Aogo - Höger, Neustädter - Clemens (84. Kolasinac), Boateng (68. Meyer), Draxler - Szalai (87. Ayhan)
          FC Augsburg: Manninger - Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Ostrzolek - Baier - Hahn, Vogt, Altintop (18. Hong), Werner (73. Holzhauser) - Mölders (83. Milik)
          Schiedsrichter: Fritz (Korb)
          Zuschauer: 60 731
          Tore: 0:1 Mölders (10.), 1:1 Boateng (16./Foulelfmeter), 2:1 Szalai (28.), 3:1 Szalai (78.), 4:1 Meyer (86.)
          Gelbe Karten: Uchida (2) / Ostrzolek (4), Vogt (1), Werner (1)
          Rote Karten: - / Klavan (16./Notbremse)

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