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4:0 gegen Hoffenheim : Bayern ausnahmsweise mal wie Bayern

Bayern gewinnt gegen Hoffenheim: Thomas Müller jubelt, der ehemalige Münchner Alaba (l.) scheint sich mitzufreuen Bild: dpa

Bayern München führt schnell 2:0 gegen Hoffenheim und gewinnt dennoch. Und das sogar mit 4:0. Auch dank Arjen Robben erweist sich der FCB endlich mal wieder seines Namens würdig.

          Es ist das alte Lied des FC Bayern - erst mit Ribéry und Robben wird er unberechenbar für seine Gegner und nicht nur für den eigenen Trainer. Im ersten Saisonspiel, in dem die beiden Flügelstars gemeinsam in der Startelf standen, hat der Meister am Samstag die spielerisch bisher überzeugendste Leistung der Spielzeit geboten. Die TSG 1899 Hoffenheim durfte am Ende froh sein, dass es die Bayern beim 4:0-Sieg bei den Toren durch Mario Gomez (2. Minute), Thomas Müller (15.) und zweimal Arjen Robben (63. und 81.) beließen. „Wir haben dieses Spiel 90 Minuten sehr gut gespielt. Da kann man sehen, wie wir spielen können“, sagte Trainer Louis van Gaal.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Nach der Blamage von Köln, wo man eine Woche zuvor nach 2:0-Pausenführung noch verloren hatte, zeigte der personell runderneuerte Meister rechtzeitig vor den entscheidenden Wochen mit Spielen gegen Inter Mailand und Borussia Dortmund sein anderes Gesicht. Besonders die Heimstärke bleibt beeindruckend: Die Bayern haben ihre letzten sieben Heimspiele gewonnen und in jedem mindestens drei Tore geschossen.

          Es dauerte keine neunzig Sekunden, und aus dem Bummelzug, den der FC Bayern ohne die beiden Flügelrenner oft auf die Strecke geschickt hatte, dazu mit unerwarteten Betriebsausfällen vor allem im zweiten Teil der Tagesreise wie zuletzt in Köln, ein Express geworden. Ribéry kurvte von links in die Mitte, fand an der Strafraumgrenze Thomas Müller. Der verzögerte seinen Querpass auf den rechts lauernden Robben, bis sich die Gelegenheit zu etwas Besserem ergeben hatte: zu einem präzisen Durchspiel, das Robben im Rücken der Abwehr frei auftauchen ließ. Robbens Hereingabe verwertete Gomez zum blitzartigen 1:0.

          Sei gegrüßt, Wirbelwind: Ribery und Müller gratulieren Robben (Mitte) zum Treffer zum 3:0

          Mit Robben und Ribéry für Ottl und Altintop kam ein sichtbarer Qualitätssprung gegenüber den letzten Auftritten, auch weil Bastian Schweinsteiger nun von der offensiven Mittelfeldposition wieder in seine Lieblingsrolle vor der Abwehr zurückweichen konnte. Hoffenheim schien davon völlig überfordert. Vor allem war das Abwehrchef Vorsah nach fünfzehn Minuten, als er als letzter Mann beim Spielaufbau Müller anschoss, worauf Ribéry zunächst allein vor Torwart Starke scheiterte. Als die größte Gefahr bereinigt schien, schlug der schlaue Müller im Nachsetzen mit einem überraschenden Schuss ins kurze Eck zum 2:0 zu.

          Hoffenheimer Reisestress

          Die Hoffenheimer waren nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen mit guten Vorsätzen nach München gekommen. „Die Bayern werden nach der Niederlage in Köln mit viel Wut gegen uns auflaufen“, hatte Trainer Pezzaiuoli vermutet. „Da müssen wir dagegen halten.“ Davon war aber nicht viel zu sehen. Erst nach 25 Minuten erzeugten sie etwas Gefahr vor dem gegnerischen Tor: Einen Freistoß von Salihovic erreichte Ibisevic mit dem Hinterkopf, doch sein Kopfball ging um einen Meter neben das Tor.

          Pezzaiuoli hatte zunächst erwogen, seine beiden bosnischen Stammspieler draußen zu lassen, er war sauer über deren Länderspielstrapazen. Ibisevic und Salihovic waren von ihrem Heimatverband auf die Reise nach Atlanta in den Vereinigten Staaten zugemutet hatte, wo sie mit Bosnien-Hercegowina 0:2 gegen Mexiko verloren. Sie trafen erst am Freitag früh wieder in Deutschland ein. „Das ist Wahnsinn“, sagte Pezzaiuoli. „Es ist schlecht für den Verein und die Spieler“.

          Sieg trotz 2:0-Führung

          Daran allein lag es aber nicht, dass allein die Bayern gefährlich blieben, vor allem, wenn Robben oder Müller am Angriff beteiligt waren, am besten beide - wie in der 33. Minute, als der Holländer den Deutschen mit schönem Steilpass bediente, am Ende verschoss Gomez. Oder in der 39., als Robben mit einer überraschenden Freistoßvariante die Hoffenheimer Abwehr narrte. So tauchte Schweinsteiger völlig frei vor Starke auf, der dessen Direktschuss aber mit einer Blitzreaktion des linken Armes über die Latte lenkte. Schweinsteiger sprach ungläubig mit dem Torwart, als wolle er sagen: Wie hast du den gehalten?

          Anders als nach manch anderer überlegen geführter erster Halbzeit kamen die Bayern hellwach und bissig aus der Kabine - nur nicht noch einmal eine 2:0-Führung herschenken, dieser Vorsatz war von Haar- bis Zehenspitzen jedes Spielers spürbar. So kam Hoffenheim nicht aus dem Klammergriff des Meisters. Nach 56 Minuten scheiterte Müller nach einem Konter noch an Starke, doch dann waren alle Zweifel beseitigt: Robben schlängelte sich an zwei Verteidigern vorbei, schickte die anderen beiden in die falsche Richtung - und traf flach ins kurze Eck. Es kam aber noch spektakulärer: Zehn Minuten vor Ende drehte der Niederländer einen Kunstschuss in den Winkel, und das Publikum verabschiedete den Künstler mit einem Beifallssturm in den verdienten Feierabend.

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