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3D-Übertragungen : Eintauchen in den Fußball

Das Entwicklungstempo hat Fahrt aufgenommen: Mesut Özil als Computer-Spieler Bild:

Die Bundesliga ist die einzige Fußball-Liga, die jede Woche 3D-Übertragungen anbietet. Die Entwicklung wird weiter vorangetrieben: In absehbarer Zukunft wird es Bildschirmtapeten und Spieler als Hologramme geben.

          Es klingt ein bisschen merkwürdig, aber wer an diesem Sonntag gerade in Berlin ist und ein bisschen in die Zukunft schauen möchte, der sollte den „Alt-Berliner Biersalon“ auf dem Kudamm besuchen. Zu Bulette, Sülze und Gulasch gibt es dort die Fußball-Bundesliga in 3D. Am 25. Spieltag wird das HSV-Heimspiel gegen Mainz mit entsprechender Brille dreidimensional.

          Dass die Zukunft im Moment hier und in 19 anderen deutschen „Sportsbars“ zu sehen ist und nicht in Tokio - daran ist der internationale Fußballverband (Fifa) schuld. Mag sein, dass es bei der Vergabe der WM 2022 wertvollere Argumente für Qatar und gegen Japan gab als das Konzept zur Übertragung der Veranstaltung in einer fernen Zukunft, die in zwölf Jahren schon Realität sein soll. Aber was Japan an neuer Technologie versprochen hatte, klingt auch 2011 noch phantastisch. Alle Spiele könnten als Holographie in Stadien rund um den Globus übertragen werden, versprach Bewerbungschef Takuto Marayama.

          Realer Austragungsort bald nebensächlich?

          Das heißt: Public Viewing sollte dann nicht mehr vor weit entfernten Leinwänden stattfinden. Stattdessen könnten die deutschen Fans in Stadien von Hamburg bis München sitzen, während sich auf dem Rasen vor ihnen Hologramme der Spieler bewegen, die gerade in Tokio auf dem Platz stehen. Dass die Japaner auch noch frei bewegliche Kameraeinstellungen versprachen, die es bislang nur auf Spielkonsolen gibt, geriet da fast zur Nebensache - weil es vergleichsweise banal klingt. Fußballspieler als Hologramme? Wirklich? Der reale Austragungsort wäre dann nebensächlich, die WM könnte theoretisch in jedem größeren Fußballstadion der Erde vermarktet werden. In zwölf Jahren schon?

          Nahe an der Realität: Wayne Rooney in Aktion - als Computer-Fußballspieler

          Wer mit deutschen Wissenschaftlern spricht, merkt schnell, dass sie den Japanern die Hologramme nicht abnehmen - bei allem Respekt vor dem fernöstlichen Fortschrittsglauben. „Total unrealistisch“ sei das für 2022, sagt Ralf Schäfer. Zu teuer, zu aufwändig, zu wenig Zeit. Das sei Zukunftsmusik nicht für 2022, sondern für einen Zeitpunkt weit nach 2030. Schäfer leitet die Abteilung Image Processing am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Berlin. Sein Institut bringt das bisschen Zukunft in die „Alt-Berliner Bierbörse“. In jeder 3D-Übertragung bei „Sky“ und dem Telekom-Angebot „Liga Total“ steckt Technik aus den Fraunhoferinstituten. Und deshalb kann Tom Bender, der zuständige Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), auch Sätze wie diesen sagen, ohne anzugeben: „Zurzeit sind wir die einzige Fußball-Liga, die jede Woche 3D-Übertragungen anbietet.“

          Das „Henne-Ei-Problem“

          Zwar ist das Spiel in der Hamurger Arena erst der siebte von der DFL-Tochter Sportcast live produzierte 3D-Kick, zwar weiß Bender genau wie die Wissenschaftler, dass manches noch nicht ausgereift ist, zwar ist es auch für die verantwortlichen Regisseure ein „training on the job“ - aber so weit ist keine andere Liga der Welt. Und so ist 3D schon nach wenigen Wochen ein Verkaufsargument für die DFL. Aus dem Mittleren Osten und dem ferneren Asien interessieren sich Fernsehanstalten für die dreidimensionalen Bundesligaspieler. 3D könnte schon in der kommenden Saison weitere Einnahmen in die Frankfurter Ligazentrale bringen. Und das, obwohl die Spiele derzeit noch parallel zur herkömmlichen Übertragung produziert werden müssen.

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