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Verstöße im Fußball : Eine Frage der Erziehung

  • -Aktualisiert am

Drei Bundesligaspiele auf der Tribüne: Leverkusen-Trainer Roger Schmidt. Bild: dpa

Die Strafe für Leverkusen-Trainer Schmidt ist ein Wachrüttler. Der Fußball muss endlich einen anderen Umgang aller Beteiligten miteinander erreichen.

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          Fünf Spiele Sperre, davon zwei zur Bewährung, dazu noch eine Geldstrafe von 20.000 Euro – die Strafe für den Leverkusener Trainer Roger Schmidt nach dessen vorübergehender Weigerung, im Spiel gegen Borussia Dortmund seine Coachingzone zu verlassen und einen Platz auf der Tribüne aufzusuchen, ist angemessen und mit Bedacht gewählt. Sie ist spürbar und doch nicht gleich so exorbitant, dass Verein und Trainer sich dagegen wehren müssten. Beide haben das Urteil akzeptiert, das Verfahren ist damit abgeschlossen.

          Genau das aber sollte es nicht sein, denn wenn sich nichts ändert, wäre dieser Wachrüttler bald wieder vergessen. Der Fußball muss einen anderen Umgang aller Beteiligten miteinander erreichen. Dies wird nicht mit schönen Worten und Absichtserklärungen zu erreichen sein, dazu ist ein Strafenkatalog nötig, der Verstöße ohne Ansehen der Person und des Vereins ahndet.

          Im Vergleich zu anderen Sportarten dürfen sich Trainer und Fußballspieler nämlich viel mehr auf und neben dem Spielfeld heraus nehmen. Das mag unter anderem daran liegen, dass im Fußball (für die Spieler) die Zeitstrafe als Sanktionsmittel fehlt, genauso schwer wiegt aber der Umstand, dass zu oft großzügig über kleine Vergehen hinweg gesehen wurde und dies auch goutiert wurde.

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          In anderen Ballsportarten ist es beispielsweise nicht opportun, einen Freischlag oder -wurf des Gegners zu blockieren und nicht sofort den richtigen Abstand einzunehmen, im Fußball führt die gleiche Situation regelmäßig zu einer kleineren Pause bis hin zu einer ausgiebigen Diskussionsrunde.

          Doch all die anderen Sportler sind nicht etwa charakterlich so viel gefestigter und alle von tiefem Respekt vor dem Schiedsrichter durchdrungen – es sind die Regeln und ihre strikte Anwendung, die sie über die Jahre so viel einsichtiger gemacht haben.

          Ganz und gar nicht einer Meinung: Rudi Völler (rechts) mit dem Schiedsrichter-Gespann. Bilderstrecke
          Ganz und gar nicht einer Meinung: Rudi Völler (rechts) mit dem Schiedsrichter-Gespann. :

          Die kleinen Boshaftigkeiten auf dem Platz wie Spieler, die bei der kleinsten Berührung umfallen, sich das Gesicht halten, wenn sie einen Stoß vor die Brust bekommen haben, sie sind die sichtbarsten Zeichen einer generell abstoßenden Entwicklung – nämlich der, den eigenen Vorteil über alles zu stellen.

          Wer sich über Trainer aufregt, die jede Entscheidung des Schiedsrichters versuchen zu beeinflussen, sollte es auch anprangern, wenn die eigene Mannschaft nur wegen einer Schwalbe erfolgreich war, sollte provozierte Rote Karten als peinlich geißeln. Wie sich auf und neben dem Platz benommen wird, ist in erster Linie eine Erziehungssache. Und sie geht alle an.

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