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3:4 in Mönchengladbach : Bremer Defensiv-Dilettanten

  • -Aktualisiert am

Nicht sein Tag: Tim Wiese kassierte in der ersten Halbzeit schon vier Gegentore Bild: ddp

Eine Halbzeit Fußball-Anarchie, eine Halbzeit halbwegs geordnete Verhältnisse und ein großer Verlierer. Bremen unterlag in einem turbulenten Spiel in Mönchengladbach mit 4:3. So wird es für Werder schwer mit dem Einzug in den Europapokal.

          Eine Halbzeit Fußball-Anarchie, eine Halbzeit halbwegs geordnete Verhältnisse und ein großer Verlierer: Werder Bremen hat am Samstagnachmittag sein fünftes Bundesligaspiel nacheinander verloren. Bei Borussia Mönchengladbach setzte es eine 3:4-Niederlage. Wer sich defensiv derzeit so schwach wie Werder präsentiert, kann auch keine gehobenen und schon gar keine internationalen Ansprüche stellen.

          Der Tabellenelfte siegte verdientermaßen durch die Treffer von Reus (5. Minute), Colautti (13.) sowie des überragenden Bobadilla (18. und 35.) bei Gegentoren durch Özil (26.), Pizarro (40.) und Frings per Foulelfmeter (85.). „Wir haben derzeit ein katastrophales Abwehrverhalten“, sagte der Bremer Geschäftsführer Klaus Allofs. „Die Spieler sind verunsichert.“ Dabei war Werder von vornherein unter Zugzwang, wollte man nicht den Anschluss an die Europapokal-Plätze verlieren. Und nun? „Wir sind weit von unseren Zielen entfernt“, sagte Allofs.

          „Ich habe alles richtig gemacht und bereue nichts“

          Für einen Werder-Profi war dies natürlich „kein normales Spiel“. Marko Marin, der wuselige Nationalspieler, war vor Saisonbeginn für eine Ablösesumme von acht Millionen Euro vom Niederrhein an die Weser gewechselt. „Ich habe alles richtig gemacht und bereue nichts“, hatte der Sohn serbischer Eltern vor dem auch von Pfiffen begleiteten Wiedersehen mit seiner alten sportlichen Heimat gesagt.

          Was nun, Werder-Führung? Nach 18 Minuten 0:3 im Rückstand

          Als die Partie dann blitzartig Fahrt aufnahm, machten viele Bremer gar nichts mehr richtig in einer Auseinandersetzung, die zu keiner Minute ein „normales Spiel“ war. An der eigenen Defensive war Werder 45 Minuten lang nicht die Bohne interessiert. Vor allem die linke Bremer Seite, auf der die tunesische Neuerwerbung Abdennour dilettierte, bot den Gladbachern immer wieder einladende Freiräume. Und die nutzten die von Kopf bis Fuß auf Konter eingestellten Rheinländer.

          Eine im Vorwärtsgang geführte turbulente Begegnung

          Marco Reus, der „neue Marin“ im Borussia-Park, wirbelte die Werder-Deckung nach Belieben durcheinander, erzielte das 1:0 selbst (5.) und bereitete das 2:0 durch Colautti (13.) sowie das 3:0 durch den ebenso umtriebigen Bobadilla (18.) mit vor. „Wenn man gegen Bremen nach zwanzig Minuten 3:0 führt, dann kann man schon denken, dass das nicht real ist“, sagte der Mönchengladbacher Verteidiger Tobias Levels. Bobadilla, für die Gladbacher Rekordsumme von 4,5 Millionen Euro von Grasshopper Zürich erworben, war zuvor 935 Minuten torlos geblieben.

          Beim 4:1 durch den argentinischen Stürmer (35.) hatten sich Torhüter Wiese und Nationalverteidiger Mertesacker ein Winterpäuschen gegönnt. Zum Glück für Bremen hielten auch die Gladbacher nicht viel von erstklassiger Abwehrarbeit, so dass Özil (26.) auf 1:3 und der von einer Grippe genesene Pizarro (42.) auf 2:4 verkürzen konnten. Den 48.000 Zuschauern wurde 45 Minuten lang allerhand geboten in dieser bis dahin ausschließlich im Vorwärtsgang geführten turbulenten Begegnung.

          „Manchmal ist es zu viel, was wir aufholen müssen“

          Erst nach der Pause sah das bunte Treiben wie ein halbwegs gewöhnliches Ligaduell aus. Vor allem, weil die Borussen nun ihre Defensive besser geordnet hatten und die Bremer in ihrem steten Offensivdrang kaum noch Lücken fanden. Bei ihren nach wie vor überfallartigen Kontern wirkte die Mannschaft des Gladbacher Trainers Frontzeck sogar torgefährlicher.

          Bobadillas Heber (74.) hätte die Entscheidung herbeiführen können. Doch Wiese parierte artistisch. Letzte Hoffnungen für Werder nährte Frings' Elfmetertor (85.), nachdem Torhüter Bailly den Bremer Marin im Fünfmeterraum unfair zu Fall gebracht hatte. „Wir schaffen es zwar, immer wieder ran zukommen, aber manchmal ist es zu viel, was wir aufholen müssen“, sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf.

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