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3:3 in Karlsruhe : Leverkusen verspielt die Tabellenführung

Arme rauf, Arme runter: Manuel Friedrichs (l.) und Antonio da Silvas (r.) Gesten sprechen Bände Bild: REUTERS

Bayer Leverkusen hat beim Karlsruher SC einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gegeben und die Rückkehr an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga verpasst. Die Werkself musste sich trotz einer 3:0-Führung im Wildparkstadion noch mit einem 3:3 zufrieden geben.

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          Bruno Labbadia hatte seine Spieler ausdrücklich gewarnt: Nicht zu unterschätzen sei dieser Karlsruher SC, und schon gar nicht sei dessen prekäre Tabellensituation zu verwechseln mit dem wahren Leistungsvermögen des Teams. Doch alle ernsten Worte halfen nichts: Bayer Leverkusen gab am Samstag nachmittag eine nach nur 24 Minuten herausgearbeitete 3:0-Führung noch aus der Hand, spielte am Ende im Wildparkstadion nur 3:3, und vergab so ausgesprochen leichtfertig die Gelegenheit, im Fernduell mit 1899 Hoffenheim, das an diesem Sonntag in Berlin antritt, ein weiteres Mal vorzulegen.

          Patrick Helmes (1. Minute), Stefan Kießling (16.) und Michal Kadlec (24.) erzielten die Tore für Bayer. Die Karlsruher Aufholjagd führten Antonio da Silva (37.), Tim Sebastian (60.), und Alexander Iaschwili (77.) zum verdienten Punktgewinn. Die Freude war am Ende ganz auf Seiten der kampfstarken Badener, die nach zuletzt fünf Niederlagen in Serie endlich wieder ein Erfolgserlebnis in der Fußball-Bundesliga feierten. „Für uns war das ein moralischer Sieg“, sagte KSC-Trainer Edmund Becker.

          Beim 1:0 war der Karlsruher Kapitän noch nicht auf dem Platz

          Dabei hatte es ganz anders begonnen. Der verletzte KSC-Kapitän Maik Franz und Manager Rolf Dohmen schauten sich verdutzt an, als sie nach knapp zwei Minuten die Tribüne des Wildparks betraten. Bayer führte da schon 1:0. Ein gescheiter Steilpass von Vidal, und schon lief Helmes alleine auf Torwart Miller zu; gerade einmal 31 Sekunden waren gespielt, als der Nationalstürmer sein neuntes Saisontor erzielte.

          Nach der Freude kam für Stefan Kießling der Frust
          Nach der Freude kam für Stefan Kießling der Frust : Bild: REUTERS

          Und die eingespielte, ballsichere Bayer-Elf machte in diesem Tempo weiter. Vor dem 2:0 ließ sich der Karlsruher Linksverteidiger Celozzi von Renato Augusto überlaufen. Dessen Flanke über Torwart Miller hinweg war das eigentliche Kunststück in dieser Szene, Kießlings Kopfball nur noch die Pflicht. Das dritte Leverkusener Tor erzielte Kadlec mit einem direkt verwandelten Freistoß aus 18 Metern - es war sein erstes Bundesligator im neunten Einsatz.

          „Es war keine Überheblichkeit - es war Nachlässigkeit“

          Maik Franz auf der Tribüne schüttelte den Kopf. Gar nichts sprach nach 24 einseitigen Minuten dafür, dass der KSC noch einmal ins Spiel zurückfinden würde. Zumeist sahen die eigenen Bemühungen hilflos aus: Orientierungslosigkeit im Mittelfeld, Rückpass auf Torwart Miller, und dessen Versuche, den Ball direkt nach vorne zu schlagen, landeten überall, nur selten beim eigenen Mann. Was also sollte helfen, wenn nicht eine Portion Glück zur rechten Zeit?

          Da Silvas Freistoß aus 25 Metern hätte René Adler sicher gehalten, wäre der Ball auf seiner Flugbahn nicht entscheidend von einem Leverkusener Abwehrbein abgefälscht worden. Aber auch so war der Anschlusstreffer zu diesem Zeitpunkt aus Bayer-Sicht nur ein Schönheitsfehler - zu überlegen hatte sich die Mannschaft bis dahin präsentiert. Doch irgendwie nahmen sie die Sache nach zuletzt vier 2:0-Siegen in Serie zu leicht. „Es war keine Überheblichkeit“, sagte Labbadia, „aber es war Nachlässigkeit.“

          Iaschwili trifft per Kopf

          Schon kurz vor der Pause hatte da Silva eine gute Möglichkeit zum zweiten Karlsruher Treffer - Adler lenkte den Schuss am Pfosten vorbei. Aber es waren ja noch 45 Minuten Zeit. Als das 2:3 durch Sebastians Kopfball nach einem Freistoß von da Silva fiel, war es allemal noch rechtzeitig, um den KSC an die mögliche Überraschung glauben zu lassen. Es sagte am Ende einiges über die Leverkusener Sorglosigkeit an diesem Nachmittag, dass auch der dritte KSC-Treffer durch einen Kopfball fiel - durch den eingewechselten Iaschwili, der mit 1,75 Metern nicht gerade zu den größten Bundesligaprofis gehört.

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