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3:3 in Berlin : Leverkusen wacht spät auf

Gibt’s das? Derdiyok (Mitte) schießt drei Tore und ist doch kein Matchwinner! Bild: dapd

Bayer Leverkusen lässt es in Berlin allzu gemütlich angehen und liegt schnell 0:2 zurück. Dann trifft Derdiyok drei Mal - doch auch das reicht nicht zum Sieg.

          2 Min.

          Selbst drei Tore von Eren Derdiyok haben Bayer Leverkusen bei Hertha BSC Berlin nicht zum Sieg gereicht. Die Leverkusener schafften es zwar, aus einem 0:2-Rückstand nach Toren von Pierre-Michael Lasogga (7. Minute) und einem Eigentor von Ömer Toprak (17.) durch den Schweizer Stürmer (24., 64., und 79.) eine 3:2-Führung zu machen. Aber als die Hertha schon geschlagen schien, gab Lasogga (81.) mit seinem zweiten Treffer der unterhaltsamen Partie seine dritte und letzte Wende.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der große europäische Erfolg hatte für Bayer beim Aufsteiger aus der Hauptstadt zunächst alles andere als belebende Wirkung. Drei Tage nach dem 2:1-Sieg in der Champions League gegen den FC Chelsea und dem Einzug ins Achtelfinale ließ Leverkusen in den ersten zwanzig Minuten alle Qualitäten eines erstklassigen Teams vermissen. Das Team lag 0:2 zurück, und der Rückstand hätte bei 6:0 Torschüssen für die Hertha und einem schon in der fünften Minute verschossenen Foulelfmeter sogar noch höher sein können.

          Es war Kobiaschwili, der die große Chance zur ganz frühen Berliner Führung nach einem Handspiel von Schwab an der seitlichen Strafraumgrenze nach seiner eigenen Flanke gleich mit doppelter Nachlässigkeit verschleuderte. Erst hielt Leno den weder hart, noch plaziert geschossenen Elfmeter, und als dem Berliner Verteidiger der Ball dann wieder vor die Füße fiel, konnte er auch mit dieser Gelegenheit nichts anfangen. Doch die Hertha ließ sich durch das Missgeschick nicht entmutigen, im Gegenteil. Schon in der 7. Minute glückte ihr die 1:0-Führung durch Lasogga nach einem herrlichen Angriff. Der Berliner Torjäger schob nach dem Zuspiel von Raffael den Ball freistehend in bester Torjägerposition ganz locker ins Tor. In der 17. Minute nahmen die wie abwesend wirkenden Leverkusener dem Aufsteiger dann sogar noch das Toreschießen ab. Nach einem Freistoß von Rukavytsya in Nähe der Mittellinie stieg Toprak im Strafraum am höchsten, verlängerte den Ball aber unhaltbar für Leno ins eigene Tor.

          Trainer Robin Dutt tobte am Spielfeldrand, und Leverkusen bemerkte nun ganz allmählich, dass man sich auch in der Bundesliga nicht ungestraft einen gemütlichen Nachmittag machen kann. Aber schon mit der ersten gelungenen Angriffsaktion war Bayer wieder mitten im Spiel. Lars Bender hebelte mit einem klugen Pass die komplette Hertha-Abwehr aus, und Derdiyok nutzte die Gelegenheit souverän zum 2:1 (24.). Nur zwei Minuten später hätte die Hertha den Favoriten wieder ganz leicht auf beruhigende Distanz halten können, doch nach einem wunderbaren Angriff vermasselte Rukavytsya das entscheidende Zuspiel von der Grundlinie auf den völlig freistehenden Lasogga, der den Ball nur noch ins leere Tor hätte schieben müssen.

          Derdiyok zum Dritten, Lasogga zum Zweiten

          Es waren ein paar zu viele Chancen, die Hertha gegen Leverkusen ungenutzt ließ. In der zweiten Halbzeit gewann Bayer immer mehr an Dominanz, auch wenn daraus erst einmal kaum Torgelegenheiten entstanden – aber die erste nutzte das Team. Zunächst wehrte Torwart Kraft noch den Schuss von Schürrle ab, aber an den Nachschuss von Derdiyok, der den Ball über den Torwart hob, kam er nicht mehr heran. Es war der verdiente Ausgleich in der 64. Minute für eine Bayer-Mannschaft, die nun noch genug Zeit hatte, ihre Qualität gewinnbringend auszuspielen.

          In der 79. Minute geschah dann, was sich abgezeichnet hatte: Nach einem schnellen Angriff war es Derdiyok, der nach Zuspiel von Sam zum 3:2 für Leverkusen zum dritten Mal erfolgreich war. Aber so nachlässig, wie die Leverkusener begannen, machten sie nach der Führung weiter. Nahezu im Gegenzug glückte Lasogga der überraschende 3:3-Ausgleich. Es folgte eine aufregende Schlussphase, in der Bayer Versäumtes auf den letzten Drücker nachholen wollte und Hertha auf seine Konterchancen zum Sieg lauerte. Aber eine weitere Wende hatte die Partie dann doch nicht mehr im Repertoire.

          Hertha BSC - Bayer Leverkusen 3:3 (2:1)

          Hertha BSC: Kraft - Lell, Hubnik, Mijatovic, Kobiaschwili - Ottl, Niemeyer (81. Ramos) - Ebert (60. Ben-Hatira), Raffael, Rukavytsya (76. Lustenberger) - Lasogga
          Bayer Leverkusen: Leno - Schwaab, Friedrich, Toprak (46. Castro), Kadlec - Bender (70. Reinartz), Rolfes (59. Kießling) - Sam, Ballack, Schürrle - Derdiyok
          Schiedsrichter: Hartmann (Wangen)
          Zuschauer: 44 541 Tore: 1:0 Lasogga (7.), 2:0 Toprak (17./Eigentor), 2:1 Derdiyok (24.), 2:2 Derdiyok (64.), 2:3 Derdiyok (79.), 3:3 Lasogga (82.)
          Besonderes Vorkommnis: Kobiaschwili (Hertha BSC) scheitert mit Handelfmeter an Leno (5.)
          Gelbe Karten: Lell (3) / Ballack (4), Castro (2)

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