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3:3 gegen Dortmund : Der ganz normale Werder-Wahnsinn

  • -Aktualisiert am

In Bremen noch kein Führungsspieler a. D.: Torsten Frings Bild: REUTERS

Lange zurück gelegen, das Spiel in der Nachspielzeit gedreht - alles sah nach einem Bremer Erfolg aus. Bis Torwart Wiese eine harmlose Flanke Zidan vor die Füße boxte. So endete ein aufregendes Spiel mit einem gerechten 3:3.

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          Solche Spiele gibt es in der Bundesliga wohl nur im Weserstadion. Als die Fans noch über Claudio Pizarros Tor zum 3:2 in der 90. Minute jubelten, traf Dortmunds Zidan in der Nachspielzeit zum 3:3. Das war der Endstand. Völlig verdient für Dortmund, aber auch typisch für Werder: Mühsam hatte sich Schaafs Mannschaft ins Spiel gebissen, die Dortmunder Führung in der 88. Minute ausgeglichen, in der 90. sogar geführt, um am Ende doch nur einen Punkt mitzunehmen. „Dieses Spiel mussten wir eigentlich durchbringen“, sagte der Bremer Trainer Schaaf. „Wir brauchen in den kommenden Wochen mehr Konzentration. In einigen Situationen waren wir fahrlässig.“

          In einer lange Zeit langweiligen Partie überschlugen sich am Ende die Ereignisse. Dortmund sah wie der Sieger aus, bis Pizarros später Doppelschlag wieder Bremen nach vorn brachte. Dass es dann ausgerechnet der frühere Bremer Zidan war, der den Ausgleich machte, passte zu dieser verrückten Partie. Zuvor hatte Frei mit einem Elfmeter die Dortmunder Führung besorgt und Baumann ausgeglichen. Bei Bremen waren Profis wie Diego, Fritz und Pizarro an diesem Nachmittag nicht die gewohnten Stützen. Und doch hätte es fast zum Sieg gereicht, weil das Team nie aufgab. Das tat aber auch der BVB nicht. „Wir haben mehr gekämpft als gespielt, aber sind am Ende mit dem Punkt sehr wohl zufrieden. Auf jeden Fall war es ein absolut ungewöhnliches Spiel.“

          Frings grätschte schon nach wenigen Minuten

          Einer hatte zuletzt pausieren müssen und schien deswegen besonders motiviert: Torsten Frings. Der Bremer Nationalspieler zeigte schon nach anderthalb Minuten, dass bei Werder Bremen niemand auf ihn verzichten kann. Eine Grätsche des Mittelfeldspielers war sein erstes Zeichen nach einer schlechten Woche. Zweimal auf die Bank gesetzt von Bundestrainer Löw, hatte Frings sich öffentlich Gedanken über seine Rolle in der ersten deutschen Auswahl gemacht und damit die Gerüchte von einem baldigen Rücktritt genährt. (Siehe: Nationalelf: Bankdrücker Torsten Frings denkt an Rücktritt).

          Bremens Claudio Pizarro (r.): zwei späte Tore in der Schlussphase
          Bremens Claudio Pizarro (r.): zwei späte Tore in der Schlussphase : Bild: ddp

          Wer mehr als 80 Mal für Deutschland gespielt hat, mag sich nicht so einfach hinten anstellen. Das Wort „Rücktritt“ hatte Torsten Frings nicht in den Mund genommen. Wie auch immer, am Samstag richteten sich zunächst alle Blicke auf den deutschen Führungsspieler a. D.

          Vorne gefährlich und hinten sicher geht nicht

          Frings versuchte auch, das Bremer Spiel anzutreiben, er hatte viele Ballkontakte, war zweikampfstark und schaltete sich gegen die defensiven Dortmunder in das Spiel nach vorn ein. Doch Großartiges gelang weder ihm noch dem Rest der Mannschaft. Dortmund stand sehr gut, hatte in Valdez, Frei und Blaszczykowski anspielbare Offensivakteure und wenig Mühe, die vorhersehbaren Bremer Angriffe unschädlich zu machen. Vom feinen Bremer Pass-Spiel war wenig zu sehen. Dafür stand Werder diesmal hinten sehr gut.

          Zumindest in der ersten Hälfte war beides - vorne gefährlich und hinten sicher - zu viel verlangt von dieser Bremer Mannschaft mit schon 16 Gegentoren in den sieben Spielen dieser Serie. Dortmund dagegen machte das taktisch clever und wäre für die gewählte Marschroute beinahe belohnt worden: als Blaszczykowski frei zum Schuss kam, warf sich der Bremer Torwart Tim Wiese in den Ball, der kurz vor der Torlinie liegen blieb - Baumann schlug den Ball dann weg (25. Minute).

          Pizarro hätte der Held sein können

          Nach der Pause sah vieles besser aus, was Werder machte. Schaafs Mannschaft drängte Dortmund in die eigene Hälfte, doch dort wartete der BVB geduldig auf die eine Konterchance. Die kam in der 58. Minute, als der Ball am Ende eines Angriffs bei Kehl landete. Baumann foulte ihn, und Schiedsrichter Kempter gab Elfmeter. Frei setzte den Ball sicher ins Bremer Tor: 1:0 für Dortmund (59.).

          Schaaf reagierte und brachte Almeida und Boenisch. Der Außenverteidiger war es, der den Ball in der 70. Minute in den Dortmunder Strafraum schickte und dort Baumann fand. Der Kapitän köpfte zum Ausgleich ein. Weil Bremen aber abermals zu kopflos agierte, konnte Mats Hummels in aller Ruhe zum 2:1 einschießen. Der bis dahin unsichtbare Pizarro hätte dann zum Helden des Nachmittags werden können. Doch dann kam Zidan.

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