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3:2 gegen Stuttgart : Mainzer Regenkönige

Gemeinsamer Jubel beim FSV: Torschütze Muto (Mitte) und seine Mitspieler bei Manager Schröder. Bild: dpa

Mainz 05 gewinnt das wichtige Spiel gegen Stuttgart mit 3:2, weil das Team mit dem regennassen Rasen besser zurechtkommt. Beim VfB dagegen gibt es schon vor dem Spiel eine Panne.

          Yoshinori Muto lächelte zufrieden. „Gerade bei so einem Boden bin ich schneller als die Innenverteidiger“, sagte der Japaner. Zweimal hatte er zuvor beim 3:2-Sieg der Mainzer gegen den VfB Stuttgart eindrücklich bewiesen, dass die Beweglichkeit eines 1,78 Meter großen und 72 Kilogramm leichten Japaners bei schwerem Geläuf einen Vorteil bietet. Es hatte stundenlang geregnet in Mainz am Samstag.

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          Muto erzielte den Ausgleich vor der Pause auch dank der Mithilfe des gegnerischen Torwarts Ron-Robert Zieler, der mit dem Boden sichtlich Probleme hatte und wegrutschte beim Versuch, den mittig aufs Tor geschossenen Ball abzuwehren. Und Muto war auch in der 54. Minute nach einer Hereingabe von Gerrit Holtmann schneller als Holger Badstuber, als er den Ball nach einer Parade von Zieler im Nachschuss ins Tor schob. Dem Treffer zum 2:1 ließ Holtmann ein drittes, abermals von Zieler begünstigtes Tor durch einen Distanzschuss folgen. Der VfB, durch ein Eigentor des Mainzer Innenverteidigers Alexander Hack in Führung gegangen (17.), gelang erst in der Nachspielzeit durch Daniel Ginczek (90+1.) der Anschlusstreffer. „Ich bin zufrieden, weil der Sieg sehr wichtig war für uns als Mannschaft. Die Stimmung ist jetzt besser als zuletzt nach sechs Spielen ohne Sieg“, sagte Muto.

          Rechtzeitig zur außerordentlichen Mitgliederversammlung, bei der am Sonntagvormittag ein neuer Vereinsvorsitzender gewählt wird, hat sich Mainz 05 im Abstiegskampf dank eines leidenschaftlichen Auftritts wichtige Punkte gesichert. Die Mainzer wirkten von Anpfiff weg besser eingestellt auf das Spielfeld. Im Formel-1-Jargon spielte ein Team mit Regenreifen gegen eine Stuttgarter Mannschaft, die fälschlicherweise auf profillosen Slicks an den Start gegangen ist. Tatsächlich waren die als Vorteile für den VfB geltenden körperlichen Qualitäten von großgewachsenen Spielern wie Gentner oder Mario Gomez bei diesen Bedingungen ein Nachteil.

          Die im Vergleich zur Bundesliga-Konkurrenz klein gewachsenen Mainzer waren hingegen deutlich wendiger gerade auf Schlüsselpositionen in der Sturmspitze und im zentralen Mittelfeld, wo de Jong, Latza und Serdar leichtfüßig zu Werke gingen, obwohl sie bei einer Gesamtlaufdistanz von 118 Kilometern vier Kilometer mehr zurücklegen mussten als der Gegner. Und die Mainzer ließen sich wie schon im gewonnenen Achtelfinalspiel des DFB-Pokals (3:1) kurz vor Weihnachten durch den Rückstand, der abermals nach einem Standard fiel, nicht aus dem Konzept bringen und auch nicht durch einen Videobeweis, der sie kurz vor dem Pausenpfiff den vermeintlichen Ausgleichstreffer kostete. Torschütze Suat Serdar hatte den Ball nach Ansicht des Videoassistenten im Kölner Studio rund 20 Sekunden vor seinem Kopfballtreffer mit dem Oberarm gespielt.

          Mit dieser Szene mussten sich die Mainzer nicht weiter auseinandersetzen. Stattdessen lobten Spieler, Trainer wie Sportvorstand die Mentalität des Teams, das in der Vorwoche einen Zwei-Tore-Vorsprung in Hannover verspielt hatte. „Wir haben nach dem Spiel eine Kampfwoche ausgerufen und heute alles umgesetzt, was wir wollten“, sagte Trainer Sandro Schwarz. „Ich habe großartige Mentalität und eine wahnsinnige Kampfbereitschaft meiner Mannschaft gesehen. In der Halbzeit war den Jungs anzusehen, dass sie das Spiel komplett drehen wollen.“

          Sportvorstand Rouven Schröder verpackte seine Lobrede in ein großes Ganzes: „Perfekt. Der Platz war perfekt für so ein Spiel. Die Bedingungen erlauben einem auch mal einen Fehler, man kann sich voll reinschmeißen, der Ball ist schnell, die Zuschauer sind von Anpfiff weg dabei.“ Und dann schob Schröder im Scherz noch einen Satz nach, der den nächsten Heimspielgegner Bayern München zumindest ein klein wenig verunsichern soll. „Wir lassen den Platz jetzt so liegen bis zum nächsten Spiel.“ Die Mainzer würden vermutlich gerne noch einmal Regenreifen aufziehen.

          Das Wetter machte nicht nur dem Rasen in Mainz zu schaffen.

          Aufgrund einer technischen Panne und einer vorübergehend abgelaufenen Spielgenehmigung konnte Stuttgart in Mainz unterdessen nicht seinen Sechs-Millionen-Euro Einkauf Chadrac Akolo einsetzen. Das bestätigte ein Vereinssprecher kurz vor dem Anpfiff. „Wir gehen im Moment davon aus, dass der Fehler bei uns lag und müssen das intern aufarbeiten“, sagte Sportvorstand Michael Reschke dem TV-Sender Sky. Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler aus der Demokratischen Republik Kongo war im vergangenen Juli vom FC Sion nach Stuttgart gewechselt und hatte nach Angaben des Vereins zunächst nur eine erste Aufenthaltsgenehmigung erhalten, die am Freitag ablief. Der VfB schickte der Deutschen Fußball Liga bereits im August die Bestätigung einer verlängerten Aufenthaltsgenehmigung.

          Doch wie sich erst am Samstag rund zwei Stunden vor dem Anpfiff des Spiels herausstellte, kam diese Bestätigung bei der DFL nie an. Der Dachverband der 36 Profiklubs musste Akolo deshalb am Freitag formhalber die Spielberechtigung entziehen, da die Aufenthaltsgenehmigung nach seinem Kenntnisstand abgelaufen war. Und ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland darf kein Spieler in der Fußball-Bundesliga eingesetzt werden. „Wir machen der DFL keinen Vorwurf“, sagte VfB-Sprecher Tobias Herwerth. Die Stuttgarter wollen die Aufenthaltsgenehmigung nun nachreichen und Akolo in der nächsten Woche beim Heimspiel gegen den FC Schalke 04 wieder einsetzen. Der Offensivspieler bestritt in dieser Saison bereits 15 Bundesliga-Spiele für den VfB.

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