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2:3 gegen Leverkusen : Drei Erbsen für Mainz

  • -Aktualisiert am

Dreierpack: Chicharito entscheidet das Spiel Bild: dpa

Der FSV Mainz geht im eigenen Stadion zweimal in Führung. Dann dreht Chicharito das Spiel für den Champions-League-Teilnehmer im Alleingang.

          Einen Spielball darf man sich nach mittlerweile guter Sitte in der Bundesliga sogar auf Geheiß des Schiedsrichters mitnehmen, wenn man drei Tore in einem Spiel erzielt hat. Entsprechend schritt Chicharito stolz mit dem Spielgerät vom Feld, nachdem er  mit seinen Treffern (32./67. und 90. Minute) eine für sein Team von Bayer Leverkusen fast schon verlorene Partie im Alleingang in einen 3:2-Sieg gedreht hatte. „Das ist seine Schlitzohrigkeit, dank der weiß, wo der Ball hinkommt“, lobte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. Trainer Roger Schmidt führte etwas analytischer ins Feld, dass Chicharito nach einem Armbruch kurz vor Saisonbeginn ein wenig Zeit gebraucht habe, um in Form zu kommen. „Ihm hatte Physis gefehlt, jetzt kommt er wieder in Topverfassung. Zudem tat ihm gut, dass er mit Stefan Kießling in der Schlussphase eine zweite klare Spitze neben sich hatte, die ihm Freiraum verschafft hat“, sagte Schmidt. „Wenn er dann Chancen hat, fackelt er nicht lange.“

          Die „kleine Erbse“ sorgte mit dem Dreierpack beim Gegner für großen Ärger. Für die Mainzer hatten Yunus Malli (31.) und Stefan Bell (35.) zweimal die Führung erzielt. Die Rheinhessen, die vor allem gegen Ende des Spiels offensichtlich den für einen Europa-League-Debütanten ungewohnten Belastungen Tribut zollten, müssen die bevorstehende Fernreise zum Auswärtsspiel gegen FK Qäbälä in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku am Donnerstag nun mit einem Rückschlag antreten. „Es ist schwer zu beurteilen, inwiefern wir heute den bisherigen Englischen Wochen Tribut zollen mussten“, sagte Kapitän Stefan Bell. „Ärgerlich ist aber, dass wir vor allen drei Gegentreffern lange Bälle nicht gut verteidigt haben.“

          Dabei sah es zu Beginn ganz anders aus: Das Bemühen der Werkself um ansehnliche Ballstaffetten wirkte lange wie Alibi-Fußball, der auch am Dienstag in Monaco in der Champions League sportliche Schwierigkeiten mit Folgen für die Chance auf die Qualifikation fürs Achtelfinale mit sich bringen würde. Die Mainzer lauerten ungewohnt tief stehend auf Leverkusener Fehler. Beispielhaft war dafür die Entstehung des Führungstores. Nach einem Zweikampf schalteten die Mainzer dank eines Gedankenblitzes von Daniel Brosinski so schnell um, dass Wendells Stellungsfehler bestraft wurde: Levin Öztunali nutzte seinen Freiraum auf Außen zum Vordringen in den Strafraum, wo er mit einem Querpass den freistehenden Malli mustergültig bediente.

          Zu früh gefreut: Mainzer Torjubel

          Dessen Treffer nach 30 Minuten öffnete die Schleusen: Das bis dahin ereignisarme Spiel erlebte nun Tore fast im Minutentakt. Zunächst glich Chicharito nach einem Aussetzer von Bell aus (32.), ehe der Mainzer Kapitän seinen Fehler quasi ohne eigenes Zutun wieder ausbügelte. Nach einem Eckball von Malli unterlief der überforderte und später zur Pause auch wegen einer Rotgefährdung ausgewechselte Leverkusener Innenverteidiger Aleksandar Dragovic den Ball, so dass das Spielgerät zufällig den Weg von Bells Bein ins Tor fand (35.). Der Torschütze quittierte das Auf und Ab innerhalb von nur drei Minuten mit ungläubigem Jubel: Er hielt sich die Hände vors Gesicht. „Das war ein Auf und Ab in kaum einer Minute, sagte er. “Bei  meinem Tor wurde ich zudem auch eher angeschossen. Schon etwas komisch.“

          In der zweiten Halbzeit erhöhte Leverkusen Tempo und Risikobereitschaft: Die Folge waren immer wieder aussichtsreiche Situationen im Mainzer Strafraum, die letztlich Chicharito noch zweimal ausnutzte.

          Mainzer Personalprobleme

          Die Mainzer konnten auch deshalb nichts mehr entgegensetzen, weil ihnen aufgrund zahlreicher kleinerer Blessuren die personellen Möglichkeiten ausgehen. Hinzu kam, dass Innenverteidiger Leon Balogun bereits nach neun Minuten mit einer Muskelverletzung vom Feld musste. „Dadurch mussten wir einen Wechsel verschießen, der uns hintenraus gefehlt hat, als ich eigentlich noch mal gerne frische Aggressivität ins Spiel gebracht hätte.“

          Schmidt rechnete sich auf seine stets optimistische Art aber anschließend wenigstens die Woche schön. in der die Mainzer am Mittwoch in Bremen in den Schlussminuten ein Spiel so gedreht hatten wie nun Bayer Leverkusen in Mainz.

          „In Bremen haben wir in der Nachspielzeit zwei Punkte gewonnen, heute haben wir nur einen verloren in der Nachspielzeit. Das macht dann doch ein Plus von einem.“

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