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3:2 gegen Leverkusen : Verblüffende Freiburger

  • -Aktualisiert am

Mit dem einen Punkt wären sie schon zufrieden gewesen: Jonathan Schmid (Mitte) hatte zum 2:2 getroffen Bild: AFP

Bayer Leverkusen unterliegt in einem turbulenten Spiel 2:3 beim SC Freiburg und hat nun schon zehn Punkte Rückstand auf Bayern - bleibt aber Bester vom Rest.

          Der SC Freiburg hat im Kampf um den Klassenverbleib zum Rückrundenauftakt in der Fußball-Bundesliga gleich mal ein Ausrufezeichen gesetzt und den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen in einem turbulenten Spiel 3:2 besiegt. Felix Klaus war der glückliche Torschütze zum vollen Erfolg auf den letzten Drücker, nachdem zuvor viel nach einem Leverkusener Sieg und in der zweiten Halbzeit alles nach einem Remis ausgesehen hatte. 

          „Es war Wahnsinn, was wir heute geleistet haben, wie wir immer wieder zurückgekommen sind. Das sind genau unsere Spiele“, sagte der Freiburger Torwart Oliver Baumann. Bayer Leverkusen hat als Tabellenzweiter nun zehn Punkte Rückstand auf Rekordmeister Bayern München. „Wir haben jedes Mal, wenn wir in Führung gegangen sind, einen Schritt weniger gemacht und sind ein Prozent weniger gelaufen“, sagte der Leverkusener Torwart Bernd Leno. „Das hat Freiburg bestraft. Freiburg gibt immer Gas – dafür sind sie bekannt.“

          Felix Klaus war der glückliche Siegtorschütze

          Dabei hatte die Werkself vor 22.000 Zuschauern die Partie bestimmt und war durch Lars Benders Treffer (4. Minute) früh in Führung gegangen. Nach dem Ausgleich durch Mehmedis Kunstschuss (27.) stellte Rolfes (36.) den alten Abstand wieder her. Doch mit der Leverkusener Dominanz war es nach dem Wechsel vorbei, als Schmid mit einem Freistoß das 2:2 (53.) erzielt hatte. Gleichwohl blieben die zuletzt zweimal besiegten Rheinländer die Mannschaft, die näher am Sieg schien. Schien. Bis der zur Pause eingewechselte Felix Klaus eine Partie drehte und den Freiburgern den Schub gab, den sie brauchen, um auch im kommenden Jahr eine erstklassige Adresse zu sein.

          Glückliche Freiburger: Felix Klaus (3.v.r.) schießt den späten Siegtreffer

          Ziel der Rheinländer war eigentlich der dritte Saisonsieg über die Südbadener nach dem 3:1 im Hinspiel und dem 2:1 im Pokalachtelfinale Anfang Dezember. Das Spiel hatte kaum begonnen, da machte Bayer schon ernst. Lars Bender erzielte, unbedrängt von einem Gegenspieler, sein erstes Saisontor mit einem Flachschuss aus rund zwanzig Metern (4.). Auch danach beherrschten die Westdeutschen mit ihrem bestens abgesicherten Offensivfußball das Spiel und hatten Pech, dass Cans Kracher vom Lattenkreuz zurückprallte (9.).

          Freiburg dagegen, das mit nun sechs Gegentreffern in der ersten Viertelstunde ligaweit unübertroffen ist, verschlief die ersten zwanzig Minuten. Danach fand das Team von Trainer Christian Streich endlich in die Begegnung und glich in der 27. Minute durch Mehmedis sehenswerten Schlenzer sogar aus. Das kurze Gefühl der Ausgeglichenheit hielt aber nur neun Minuten, dann ging Bayer aufs Neue in Führung. Castros Eckball folgte Rolfes’ Kopfball, und es hieß 2:1 für die bessere Mannschaft, bei der vor allem Rolfes und Bender als Antreiber und Torschützen zu überzeugen wussten.

          „Auch für den Kopf ganz wichtig“

          Der Sportclub dagegen blieb zwar stets latent bedrohlich, setzte aber spielerisch noch zu wenige Akzente, um Bayer wirklich gefährlich werden zu können. Dass an der Dreisam die heiße Phase des Kampfes gegen den Abstieg begonnen hat, war unübersehbar und vor allem unüberhörbar, da das Freiburger Publikum bei jeder Gelegenheit den keineswegs schwachen Schiedsrichter Aytekin auspfiff und so die Stimmung für die eigene Mannschaft lautstark zu beeinflussen suchte. Der Mannschaft, die nach dem beendeten Europapokal-Abenteuer endlich wieder im Wochenrhythmus trainieren und spielen kann, fehlte in den ersten 45 Minuten noch das Selbstbewusstsein, das in Duellen mit Spitzenteams wie Bayer Leverkusen unabdingbar ist.

          Das sollte sich nach dem Wechsel rasch ändern. Nach Donatis Rempler an Darida nutzte Schmid seine Freistoßchance aus spitzem Winkel entschlossen (53.), zumal Kießling dem Schuss den letzten Drall zum 2:2 gab. Von da an herrschten offene Verhältnisse in Freiburg, da der SC endlich an seine Möglichkeit glaubte und Leverkusen unverdrossen daran arbeitete, den alten Abstand wiederherzustellen. Kießling hatte, allein vor Baumann, das 3:2 auf dem Fuß, doch der Freiburger Torwart parierte glänzend (62.).

          Einen entscheidenden Vorteil aber konnte sich Bayer trotz weiterer Gelegenheiten zu mehr nicht mehr verschaffen. Im Gegenteil: Der SC Freiburg nutzte bei einem Konter in letzter Minute seine letzte Gelegenheit durch den Treffer des bei Halbzeit eingewechselten Felix Klaus zum 3:2-Erfolg, der gemessen am Spielverlauf die viel glücklichere Mannschaft reich belohnte. „Ein Sieg gegen einen Champions-League-Teilnehmer ist auch für den Kopf ganz wichtig“, sagte der Torschütze des Tages danach.

          SC Freiburg - Bayer Leverkusen 3:2 (1:2)

          SC Freiburg: Baumann - Mujdza, Krmas, Höhn, Sorg - Ginter, Fernandes - Schmid, Darida (90.+3 Schuster), Pilar (46. Klaus) - Mehmedi (90.+2 Hanke)
          Bayer Leverkusen: Leno - Donati, Reinartz, Toprak, Boenisch - Bender, Rolfes, Can - Castro, Kießling (71. Derdiyok), Son (83. Ryu)
          Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
          Zuschauer: 22.100
          Tore: 0:1 Bender (4.), 1:1 Mehmedi (27.), 1:2 Rolfes (36.), 2:2 Schmid (53.), 3:2 Klaus (90.)
          Gelbe Karten: Pilar (2), Sorg (3) / Reinartz (3)

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