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3:2 gegen Frankfurt : Hoffenheim überholt die Eintracht

Fast zu früh gefreut: Torschütze Szalai (r.) und Kapitän Beck bejubeln das zweite Hoffenheimer Tor und dürfen am Ende sogar die drei Punkte mitnehmen Bild: dpa

Die TSG Hoffenheim besiegt die Elf aus Frankfurt durch einen späten Treffer von Roberto Firmino. In einem packenden Spiel kann die Eintracht zweimal ausgleichen, doch am Ende steht auch Comeback-Torwart Hildebrand mit leeren Händen da.

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          Abwarten konnte er es nicht. Timo Hildebrand war der Erste, der sich an die Arbeit machte und den Rasen der Hoffenheimer Arena vor allen anderen Profis zum Warmmachen betrat. Fast auf den Tag genau 13 Monate, nachdem er sein bis dahin letztes Erstligaspiel bestritten hatte, gab der 35-Jährige am Freitag im Trikot der Eintracht sein Bundesliga-Comeback. An Motivation, das war ihm von Beginn an in seinem knallgelben Trikot und bei zahlreichen Gesten während des Spiels anzumerken, mangelte es ihm nicht.

          Seine Premiere für die Frankfurter, die ihn im September nach seinem Aus beim FC Schalke als dritten Torwart verpflichtet hatten, war jedoch nicht von Erfolg gekrönt: Auch Hildebrand, der anstelle des verletzten Kevin Trapp und des erkrankten Felix Wiedwald erstmals von Trainer Thomas Schaaf aufgeboten wurde, stand am Ende beim 2:3 mit leeren Händen da. Die Entscheidung zugunsten der TSG fiel durch Firmino in der 87. Minute.

          Musste dreimal hinter sich greifen: Timo Hildebrand in seinem 299. Bundesligaspiel Bilderstrecke

          Zunächst musste sich an diesem Abend der Nebel verziehen. In der Frankfurter Fankurve brannten pünktlich zu Anstoß zahlreiche Feuerwerkskörper, doch als sich der Qualm in Luft aufgelöst hatte und für den nötigen Durchblick gesorgt war, gingen beide Mannschaften mit viel Tempo und Leidenschaft beim Kampf um die Vorherrschaft auf dem Rasen zu Werke. Abwarten oder den Gegner zunächst einmal in Ruhe beobachten, stand bei keiner Partei auf dem Spielplan, stattdessen wollte jede Seite die andere mit druckvollem Forechecking früh zu Fehlern zwingen.

          Wobei Pirmin Schwegler auf Anhieb besonders im Fokus stand. Es dauerte keine hundert Sekunden, da geriet der ehemalige Frankfurter Kapitän auf Höhe der Mittellinie mit seinem früheren Teamkollegen Stefan Aigner unsanft aneinander, den er mit einem Foul von den Beinen holte. Dieser mehr hart als herzlichen Gangart fühlten sich im Folgenden alle Akteure verpflichtet, womit sie Referee Jochen Drees ordentlich beschäftigten. Auch an zwei guten Gelegenheiten im ersten Abschnitt für seine Elf war Schwegler beteiligt, doch bei einem Fernschuss (11. Minute) sowie einem Freistoß (33. Minute) verfehlte Schwegler das Ziel knapp.

          Während die Eintracht auf schnelle Vorstöße setzte und dabei beinahe durch Alexander Meier auf Zuspiel von Timothy Chandler in Führung gegangen wäre (12.), versuchte die TSG 1899 Hoffenheim kombinierend das Mittelfeld zu überbrücken, verpasste aber zunächst den passenden Moment für das Abspiel oder scheiterte an Hildebrand (19.). Das Handicap, nach nicht einmal zehn Minuten, personell umstellen zu müssen, machte den Hoffenheimern jedenfalls nicht zu schaffen. Bei einem Sprint hatte sich Niklas Süle schwer verletzt; der Verteidiger war beim Duell mit Haris Seferovic ohne Fremdeinwirkung umgeknickt und wurde mit Verdacht auf Bänderrisse im Knie ins Krankenhaus gebracht. Für ihn brachte Trainer Markus Gisdol Ersatzmann Tobias Strobl, der danach mit seinem robusten Auftreten vor allem Meier in diesem hitzigen Schlagabtausch das Leben nicht leicht machte.

          Sehenswert, wie die Hoffenheimer sich für ihren Aufwand belohnten und noch vor dem Seitenwechsel das 1:0 erzielten: Der Brasilianer Firmino führte die Kugel im Sprint an Freund und Feind vorbei in Richtung Strafraum, ließ den herausrückenden Eintracht-Japaner Makoto Hasebe mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen und bediente den freistehenden Kevin Volland punktgenau. Der Neu-Nationalspieler vollendete das Vorpreschen, in dem er aus elf Metern den Ball an Hildebrand vorbeischlenzte (43.). Der Keeper beschwerte sich anschließend laufstark über die nachlässige Verteidigungsbereitschaft seiner Vorderleute.

          In der zweiten Halbzeit dauerte es wiederum nicht lange, bis alle Protagonisten Betriebstemperatur erreichten; bei einem Freistoß von Marc Stendera klärte Eugen Polanski (53.), während es Meier kurz darauf nicht gelang, unbedrängt aus zehn Metern auszugleichen, weil er in Rückenlage geriet und weit verzog (54.). Die Eintracht gewann in dieser Phase deutlich mehr Zweikämpfe, drückte die TSG 1899 Hoffenheim zusehends in deren Hälfte zurück und unterband ihren geordneten Aufbau. Stefan Aigner gelang so das 1:1, nachdem er eine flache Hereingabe von Bastian Oczipka artistisch über die Linie drückte (58.).

          Die Eintracht gab anschließend noch mehr den Takt vor, hatte bei einem Heber von Chandler, der nur den Pfosten traf (59.), sowie einem Kopfball von Aigner, den Baumann parierte (60.), jedoch Pech. Glücklicher dagegen die Kraichgauer, die durch den eingewechselten Adam Szalai auftrumpften: Der frühere Mainzer erzielte das 2:1 (65.). Dabei profitierte er von der Vorarbeit Schweglers sowie der Unaufmerksamkeit des Schiedsrichtergespanns, das seine Abseitsposition übersah. Die Eintracht schlug noch einmal zurück: Seferovic traf zum 2:2 (77.). Doch den letzten Applaus verdienten sich dann doch die Hoffenheimer in Person von Firmino, der kurz vor Ultimo in dieser höchst unterhaltsamen Fußball-Vorstellung den Schlusspunkt setzte.

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