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3:2 gegen den HSV : Bremer Sturm findet sich wieder

Treffsicherer Portugiese: Hugo Almeida nach dem 2:0 für Bremen Bild: dapd

Achterbahnfahrt im Weserstadion: Weil Pizarro zurückkommt und Almeida trifft, schlägt Werder den HSV. Weil aber die Defensive auch mit Mertesacker nicht sattelfest steht, holen die Hamburger zwischenzeitlich einen 0:2-Rückstand auf.

          Fußball ist manchmal ein reichlich unlogisches Spiel. Hätte man nach 20 Minuten eine Umfrage im Bremer Weserstadion über den möglichen Halbzeitstand gestartet, wäre der Hamburger SV vermutlich selbst unter Bremer Fans, wenn auch unter Murren, für eine Führung favorisiert worden. Der HSV war schließlich die deutlich bessere Mannschaft, die keine Mühe mit den wenigen Werder-Angriffen hatte und viel schneller auf den Beinen schien als die verunsicherten Bremer.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Aber mitunter kommt es eben anders als man denkt, und als Guy Demel in der 25 Minute dem Lupfer-Versuch von Marko Marin den entscheidenden Dreh gab, damit sich der Ball über den verdutzten HSV-Torwart Frank Rost ins Netz senken konnte, änderte sich alles auf dem Platz. Werder führte 1:0, Werder hätte nur drei Minuten später einen Elfmeter bekommen müssen, als Mathijsen den flinken Marin recht rabiat stoppte - und dass sich die Bremer über die Fehlentscheidung von Schiedsrichter Kinhöfer nicht groß echauffierten, lag an einem wenige Sekunden später folgenden Freistoß.

          Den lenkte den von den Hamburgern ungestörte Hugo Almeida, der nur das Kopfballduell gegen seinen eigenen Mannschaftskameraden Claudio Pizarro gewinnen musste, zum 2:0 ins Hamburger Tor. Von der reifen Spielanlage, mit der die Hamburger davor die Partie bestimmt hatten, war danach zunächst nichts mehr zu sehen. Nur Ruud van Nistelrooy, der sich zuvor gegen die Bremer Innenverteidigung mit Sebastian Prödl und dem nach seinem Augenhöhlenbruch mit einer Gesichtsmaske spielenden Rückkehrer Per Mertesacker durchsetzten konnte, kam dem Anschlusstreffer kurz vor der Pause näher - doch bei seinem Lupfer fand sich kein Bremer Bein, der dem Ball die nötige Richtungsänderung geben konnte. Zur Pause also lag der HSV 0:2 zurück, aber Mladen Petric, zuletzt der späte Ausgleichs-Torschütze im Hamburger Derby, musste trotzdem weiter zuschauen.

          Doppel für den Aufschwung: Pitroipa (r.) und van Nistelrooy schießen den HSV zum Unentschieden

          Van Nistelrooy vergibt die Chance zum 3:3

          Sein Trainer Armin Veh versuchte es stattdessen mit Kacar für den rotgefährdeten Rincon und den eigentlich torungefährlichen Pitroipa für Elia. Werder schien alles im Griff zu haben, es machte sich nicht bemerkbar, dass der emsige Wesley aus dem Mittelfeld nach der Verletzung von Clemens Fritz auf den Vertedigerposten rutschen musste. Das Spiel plätscherte so dahin - und nahm wieder innerhalb von drei Minuten eine Wendung.

          Erst traf van Nistelrooy kunstvoll mit der Hacke zum 1:2 (59.), dann traf ausgerechnet Pitroipa (62.) aus 20 Metern genau in den linken Torwinkel zum 2:2. Von dieser Überraschung erholte sich Werder allerdings schnell, und das Derby wurde in der Schlussphase tatsächlich noch zu einer rassigen Auseinandersetzung, in der Bremen auf den Siegtreffer drängte und sich der HSV ganz auf Konter verlegte. Die größte Bremer Chance schien Pizarro dabei in der 84. Minute schon vergeben zu haben, als er ein Zuspiel von Marin verpasste.

          Doch nur kurz darauf eröffnete sich Almeida nach einem Zuspiel des starken Wesley eine noch größere Möglichkeit - und der Portugiese lenkte den Ball aus fünf Metern zum 3:2 ins Hamburger Tor. Der sichere Sieg war das natürlich noch nicht, aber ausgerechnet van Nistelrooy, der Meister des Fünfmeterraums, vergab das mögliche 3:3, weil er den Ball nicht schnell genug unter Kontrolle bekam. Es war der Auftakt zu hektischen Szenen im Bremer Strafraum, aber am Sieg von Werder im diesem prestigeträchtigen Nordderby änderte sich nichts mehr.

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