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3:1 in Köln : BVB zeigt Nervenstärke und späte Klasse

  • -Aktualisiert am

Symbolbild nach dem dritten BVB-Treffer in der Nachspielzeit: Köln am Boden, Dortmund obenauf Bild: EPA

Lange nervt der forsche Aufsteiger aus Köln den zunächst schwachen Titelkandidaten, aber am Ende setzt sich beim 3:1-Auswärtssieg doch die individuelle Klasse des BVB durch.

          Den Seelenhirten aus dem Kölner Dom wird seit mehreren Jahrhunderten nachgesagt, ein klein wenig mehr zu wissen über die Welt und den Gang der Dinge als die große Herde der Durchschnittsbürger. Es konnte also niemanden verwundern, dass Pfarrer Klaus Thranberend am Freitag für dicke Schlagzeilen sorgte, als er in einem großen Fußballgottesdienst vor der Partie des heimischen FC gegen den BVB auf die neue Saison vorausblickte und von einem „großen Drama“ sprach, „das vor uns liegt“.

          Das abendliche Duell mit dem Tabellenführer wurde dann tatsächlich zu einem ziemlich aufregenden Kapitel des großen Saisondramas, aber am Ende verloren die Kölner trotz einer guten Leistung 1:3, Borussia Dortmund war am Ende einfach ein klein wenig besser.

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          Was den Kölnern bleibt ist immerhin die schöne Erkenntnis, dass sie exakt jenen Mentalitätsfußball spielen können, den der neue Trainer Achim Beierlorzer angekündigt hat. Sie rannten und ackerten, beflügelt von einer enormen Wucht von den Rängen. „Auf geht‘s: Volksfest“, hatte Beierlorzer vor seinem ersten Pflichtspiel als Trainer des rheinischen Traditionsvereins vor heimischer Kulisse gefordert, gemeinsam mit dem Publikum setzte das Team genau das um. Zwar wirkten die Kölner spielerisch nicht so reif wie der Gast von der Tabellenspitze, aber ihre Physis und ihre Entschlossenheit ging dem BVB lange Zeit mächtig auf die Nerven.

          Je unangenehmer die Zweikämpfe wurden, desto häufiger unterliefen den Dortmundern leichte Fehler, mal rutschte Roman Bürki der Ball unter dem Fuß durch zur Ecke, mal spielte Manuel Akanji einen völlig planlosen Rückpass, die Kölner Zermürbungsstrategie wirkte und führte zu Chancen. Nach 16 Minuten grätschte Jhon Cordoba knapp an einer Hereingabe von seinem Sturmpartner Anthony Modeste vorbei, bevor kurz darauf ein Flachschuss von Jonas Hector aus günstiger Position knapp neben das Dortmunder Tor flog (18.). Und nach einer halben Stunde bejubelten die Kölner ihr mittlerweile verdientes Führungstor. Ellyes Skhiri hatte eine Ecke bis an den langen Pfosten verlängert, wo Dominick Drexler aus vier Metern zum 1:0 traf (29.).

          Das verstärkte die Dortmunder Verunsicherung weiter, die Borussen zeigten ihr anderes, ihr weniger schönes Gesicht, das vor dem Hintergrund der vielen Lobeshymnen auf die Transferpolitik des selbst ernannten Titelkandidaten zuletzt etwas in Vergessenheit geraten war. Schon in der Vorsaison hatte es diese Partien gegen individuell schwächer besetzte Teams gegeben, in denen die brillant besetzte Offensive keine Lücken fand. Gefährlich war vor der Pause lediglich ein Freistoß von Marco Reus, den FC-Keeper Timo Horn ohne viel Mühe abwehren konnte. Paco Alcácer, Jadon Sancho und Thorgan Hazard arbeiteten zwar fleißig, blieben aber harmlos.

          Schon früh in der Saison wurden die Dortmunder also mit einer jener Situationen konfrontiert, für die sie ihren Kader verstärkt hatten. Der Routinier Mats Hummels wurde explizit verpflichtet, um den Team an genau solchen Abenden durch Krisenphasen zu helfen, und auf der Bank saßen wie schon in den ersten Partie die Angreifer Marco Götze und Julian Brandt, die ein erfolgloses Offensivspiel beleben können. Abgesehen von einem ordentlichen Alcácer-Abschluss (56.) blieb der BVB auch nach der Pause erst einmal harmlos, während Modeste ein zweite Kölner Tor erzielte, aber knapp im Abseits stand (62.).

          Nun wechselte Favre Brandt für Julian Weigl ein, löste die Doppelsechs auf, außerdem kam der offensivstarke Achraf Hakimi für Nico Schulz in die Partie. Und prompt hatte Reus eine gute Gelegenheit, scheiterte aber an Horn (63.). Aber der BVB war nun das deutlich überlegene Team und in der 70. Minute waren die Kölner vielleicht auch in Folge ihres großen Aufwandes bei einer kurz gespielten Ecke etwas unaufmerksam, Jadon Sancho konnte den Ball in Ruhe annehmen und traf zum 1:1 (70.) in die lange Ecke. Der „Effzeh“ wirkte nun erschöpft im Kopf und in den Beinen, die Dortmunder hatten immer mehr Raum für ihre Kombinationen. In der 86. Minuten konnte Lukasz Piszczek unbedrängt von rechts flanken, und im Zentrum köpfte Hakimi das 1:2. Und in der Nachspielzeit vollendete Alcácer auch noch einen Konter zum 1:3.

          In der Tabelle liegen sie damit erstmal fünf Punkte vor dem FC Bayern, der am Samstagabend auf Schalke schon mächtig unter Druck steht.

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