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3:1 in Gladbach : Werner schießt Leipzig an die Spitze

  • -Aktualisiert am

Drei Versuche, drei Treffer: Timo Werner mit makelloser Bilanz am Abend Bild: AP

RB Leipzig gewinnt zum Auftakt des dritten Spieltages 3:1 bei Borussia Mönchengladbach. Matchwinner ist Nationalspieler Timo Werner, der alle drei Tore erzielt.

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          Mit tausenden Trillerpfeifen haben die Anhänger von Borussia Mönchengladbach ihre tiefe Abneigung gegenüber den Gästen aus Leipzig artikuliert, die den Freunden des Traditionsvereins an diesem Abend sicher nicht sympathischer geworden sind. RB wird ja weiterhin von Teilen des Publikums als Kunstprodukt verschmäht, und das Spiel in Mönchengladbach gewannen sie tatsächlich mit der kühlen Effizienz einer perfekt funktionierenden Fußballmaschine, deren geniales Herzstück der entfesselte Timo Werner war. Mit drei Treffern sicherte der Stürmer seinem Team einen wertvollen 3:1-Erfolg am Niederrhein – zumindest für eine Nacht ist RB Leipzig damit Tabellenführer.

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          Die Gladbacher waren diesem wie ein Spitzenteam auftretendem Gegner nur in der Anfangsphase gewachsen. Womöglich hätte die Partie einen anderen Verlauf genommen, wenn Alassane Pleá (10., 32.) oder Breel Embolo (11.) eine der guten Möglichkeiten der ersten Hälfte genutzt hätten. Doch die Leipziger waren mit ihrem schnellen Umschaltspiel auch in dieser Phase eine permanente Bedrohung, und Werner, der in der vorigen Woche seinen Vertrag bei den Sachsen verlängert hat, nutzte gleich seine erste richtig gute Gelegenheit zum 0:1.

          Dem Gladbacher Abwehrchef Matthias Ginter war bei einem Steilpass von Emil Forsberg ein Stellungsfehler unterlaufen, so dass Werner aus acht Metern zum Abschluss kam und den Gladbacher Torhüter Yann Sommer tunnelte (38.). Drei Minuten danach schoss Kevin Kampl nach einer schwachen Aktion Sommers sogar einen zweiten Treffer für RB, stand aber zuvor knapp im Abseits, es blieb beim 0:1.

          Geprägt war diese erste Halbzeit aber weniger von aufregenden Torszenen und Situationen für Ästheten als von einer hohen Intensität, von Zweikämpfen und Sprints. Das ist der Spielansatz des neuen Gladbacher Trainers Marco Rose, und weil auch der Leipziger Coach Julian Nagelsmann viel Wert auf diese Elemente legt, war das spielerische Niveau nicht immer hoch. Unter den Anstrengungen, die dieser Herangehensweise zu Grunde liegen, „leidet dann möglicherweise manchmal das Spiel mit dem Ball“, hatte Rose vor dem Spiel selbstkritisch eingeräumt.

          An dieser Stelle hat der Gladbacher Trainer noch viel Arbeit, das wurde deutlich an diesem Abend, der für Rose auch eine Art Begegnung mit seinen Wurzeln war. Der Trainer ist gebürtiger Leipziger, seine Familie lebt noch in der sächsischen Metropole, und seinen ersten Cheftrainerposten hatte er bei Lokomotive Leipzig, bevor er in der Salzburger Dependance des Red-Bull-Fußballimperiums arbeitete. Rose ist zwar auch ein Vertreter des intensiven RB-Fußballs mit vielen Sprints, akribisch eingefädelten Umschaltmomenten und einem kraftvollen Pressing, aber er hat die reine Balleroberungslehre, die einige der RB-Trainer predigen, mit dem Element eines ambitionierten Ballbesitzes angereichert. Über seinen Leipziger Kollegen Nagelsmann sagte er vor der Partie: Nach Ralf Rangnicks sehr erfolgreicher Vorsaison „packt Julian jetzt noch sein Spiel mit dem Ball oben drauf“.

          Auch die Leipziger haben hier noch Entwicklungspotential, das direkte Duell dieser beiden sehr ähnlich denkenden Trainer wurde jedenfalls vor allen Dingen durch die erstaunlichen Tempovorteile entschieden, die Werner gegenüber den Gladbacher Innenverteidigern Ginter und Nico Elvedi hat. Die spielten beim 0:1 mit, und in der 48. Minute schüttelte der Nationalstürmer erst den einen und dann den zweiten Gegenspieler ab, bevor er scheinbar mühelos zum 0:2 traf.

          Das war ein Schock für die Gladbacher, von dem sie sich nur langsam erholten. Nach einer Stunde hatten sie etwas Pech, als ein vom Leipziger Kapitän Willi Orban abgelenkter Pass an die Latte flog, aber Leipzig wirkte besser, reifer, hatte etliche Möglichkeiten zum dritten Treffer, den letztlich wieder Werner erzielte. Das zwischenzeitliche 1:2, das Embolo in der Nachspielzeit nach einer Ecke köpfte, kam zu spät für die Gladbacher, die damit weiterhin unter einem Heimspielproblem leiden: Seit Januar und insgesamt neun Bundesligaspielen wartet der Klub nun schon auf einen Sieg im Borussia-Park.

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