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3:1 in Freiburg : Ein 18 Jahre alter Joker rettet die Bayern

  • -Aktualisiert am

Mann des Tages: Joshua Zirkzee hat das 2:1 erzielt. Bild: Reuters

Bayern-Trainer Hansi Flick beweist ein glückliches Händchen: Joshua Zirkzee trifft in der Nachspielzeit kurz nach seiner ersten Bundesliga-Einwechslung zur Führung.

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          Sechster gegen Fünfter – wer hätte vor Saisonbeginn an diese Ausgangslage vor der Begegnung zwischen dem SC Freiburg und dem FC Bayern München gedacht? Vor dem 16. Spieltag aber begegneten sich der ewige Underdog und der ewige Meister tabellarisch auf Augenhöhe. Diese Bundesliga-Saison mit den vielen Überraschungen oben wie unten hat die Konstellation ermöglicht, unter der sich die beiden Mannschaften am Mittwochabend trafen. „Wir haben in dieser Runde gezeigt, dass wir mit jedem Gegner mithalten können, das wird auch diesmal so sein“, sagte der beim Sport-Club großgezogene linke Flügelmann Christian Günter vor dem Saisonhighlight im Brustton der Überzeugung.

          Bundesliga

          Bayern-Trainer Hans-Dieter Flick, Badener wie der von ihm überaus geschätzte Freiburger Fußballlehrer Christian Streich, erwartete denn auch ein „toughes Spiel“. Schließlich gingen in der vorigen Spielzeit die beiden Duelle zwischen dem größten Kleinen der Bundesliga und dem Giganten aus München jeweils 1:1 aus. Diesmal aber hatten die Bayern Glück, weil der eben eingewechselte Zirkzee aus der zweiten Mannschaft der Münchner das 2:1 (90.+2) für die Münchner schoss und Gnabry im Hochgefühl, noch einmal davongekommen zu sein, auf 3:1 erhöhte (90.+4). Spät, aber noch rechtzeitig setzte sich der Meister doch noch durch, als niemand mehr mit einem glücklichen Ende für den Meister rechnete. Damit eroberten die Bayern einen Spieltag vor dem Hinrundenschluss Platz drei der Tabelle - vier Punkte hinter RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach. Freiburg dagegen verharrt auf Platz sechs.

          Freiburg wird besser

          Eine halbe Stunde lang schüchterten die Münchner mit ihrem druckvollen Offensivfußball, ihrer Klasse in den Eins-gegen-Eins-Zweikämpfen und ihrer Raffinesse im gegnerischen Strafraum die Freiburger ein, doch die massive Überlegenheit des Champions führte nur zu einem Treffer durch Lewandowski. Der dynamische Kanadier Alphonso Davies hatte den Polen vor dem Freiburger Tor mit seiner scharfen Hereingabe gesuht und gefunden, und der Schützenkönig der Bundesliga zierte sich nicht einen Moment, seinen 19. Saisontreffer zu erzielen. Bei seiner zweiten großen Gelegenheit (18.) hatte der Mittelstürmer sein Visier nicht ganz genau eingestellt und schoss knapp am Tor vorbei (21.). Näher dran an einem weiteren Bayern-Treffer war Thomas Müller, der nach einem Eckstoß den Ball gegen den Pfosten setzte.

          „Am Anfang habe ich gedacht, dass sie uns aus dem Stadion knallen. Dass wir in der Lage waren, uns immer mehr zu befreien und eigene Torchancen zu kreieren, hätte ich so nicht für möglich gehalten“, sagte Freiburgs Trainer Christian Streich.

          Seliger Blick zum Himmel: Vincenzo Grifo (Mitte) nach seinem Ausgleichstreffer.

          Erst in der Schlussphase der ersten Hälfte zeigten auch die Freiburger, warum sie derzeit mit den Spitzenteams Schritt halten können. Hölers Volleyschuss nach sehenswerter Vorarbeit von Haberer und Frantz parierte Neuer (31.), der neun Minuten später auch Grifos Schlenzer abwehrte. Der SCF, zuvor ausschließlich mit der Verhinderung weiterer Münchner Tore ausgelastet, hatte sich für ein paar Minuten Erleichterung und damit einen Hauch frischer Hoffnung für die zweite Hälfte verschafft. Nachhaltig gegen die Münchner Dominanz anzukommen, erschien bei Halbzeit dennoch wie ein frommer Weihnachtswunsch. Dafür wirkten Stars wie Lewandowski, Müller, Gnabry oder der diesmal nicht ganz so auffällig wie bei seiner Dreitoregala beim 6:1 über Werder Bremen zaubernde Coutinho zu oft wie passionierte Feuerwerker, die es jederzeit krachen lassen können.

          Der zunächst so erdrückend wirkende bayerische Ballbesitz aber wirkte nun nicht mehr so furchterregend wie über weite Strecken der ersten Hälfte. Die Freiburger, laufstark und unermüdlich, hielten dieses Spitzenspiel nun mit ihrem neuen Selbstbewusstsein offen. Sie witterten ihre Chance, und sie nutzten sie, als Haberer, der beste Einfädler aussichtsreicher Situationen, flankte und Grifo volley zum 1:1 abschloss. Von da an wurde das mit 24.000 Zuschauern ausverkaufte Schwarzwaldstadion zu einer brodelnden Arena. Alle Freiburger witterten die große Chance, dem großen Favoriten endgültig den Schneid abzukaufen. Petersen aber kam zu spät, um das 2:1 zu erzielen (61.), und Höflers Schuss verfehlte sein Ziel nur knapp (62.). Das Spiel gewann an Bisanz und Klasse dank der frisch entflammten Freiburger Courage.

          Aus einer Münchner Demonstration war ein ausgeglichener Kampf um jeden Zentimeter geworden, in dem der SC Freiburg immer mal wieder die Positionsschwächen der Münchner Außenverteidiger Kimmich und Davies aufdeckten. Die Mannschaft, die sich als geschlossene Abteilung Attacke versteht, offenbarte in Freiburg mangels strukturierter Organisation wieder einmal kollektive Verteidigungsprobleme. So ging die einst gefürchtete Abgeklärtheit der Bayern mehr und mehr verloren. Am Ende aber setzten sich die angeschlagenen Münchner mit etwas Glück doch noch durch: dank der Treffer von Zirkzee und Gnabry.

          „Es waren zwei komplett verschiedene Hälften“, sagte Bayern-Trainer Flick. „In der ersten Halbzeit haben wir es sehr gut gemacht. Wir hätten 2:0 oder 3:0 führen können. In der zweiten Halbzeit hat es Freiburg sehr gut gemacht. Das haben wir glücklich überstanden."

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