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3:1 in Freiburg : Hannover und die stillen Reserven

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg in die Champions League? Hannover 96 gewinnt mit 3:1 in Freiburg Bild: dpa

Mit dem 3:1-Sieg in Freiburg setzt Hannover den FC Bayern unter Druck. Trainer und Sportdirektor haben ein Team geformt, die in Europa bestehen soll. Dabei setzt 96 auf den längst ergrauten Lala und den fast aussortierten Schlaudraff.

          Mit jedem Sieg und jeder weiteren Annäherung an den europäischen Fußball kommt diese Frage ins Spiel: Ist ein Verein wie Hannover 96 mit seinem Bundesligakader für die großen Aufgaben wirklich personell gerüstet? Mit dem längst ergrauten Altin Lala und dem fast schon aussortierten Jan Schlaudraff haben zwei Fußballprofis aus der zweiten Reihe eine eindrucksvolle Antwort darauf gegeben.

          Der 35 Jahre alte Lala glänzte am Donnerstagabend als Torvorbereiter. Schlaudraff ermöglichte den souveränen 3:1-Erfolg beim SC Freiburg als Torschütze und Vorlagengeber zugleich. „Wir spielen im Moment befreit auf und wollen noch mehr“, sagte Schlaudraff mit Blick auf die Tabelle, in der sich die Niedersachsen vorläufig wieder auf den dritten Platz vor den FC Bayern München mogeln konnten.

          Es gehört zu den taktischen Winkelzügen von Erfolgstrainer Mirko Slomka, auch mit ungewöhnlichen Personalien zu verblüffen. Einen Senior wie Lala als Ersatz für den gesperrten Sergio Pinto aufzubieten, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn der Albaner, schon seit 1998 als Profi bei Hannover 96 unter Vertrag, war nach einer langen Verletzungspause und wegen der deutlich jüngeren Rivalen ins Abseits geraten. „Aber auf Altin kannst du dich immer verlassen. Auf einmal ist er da“, sagte Slomka voller Genugtuung.

          Trainer Slomka wird mit seiner Mannschaft auf jeden Fall nächstes Jahr europäisch spielen

          Mischung aus Zweikampfstärke und Übersicht

          Dem 1:0 (24. Minute) von Mohammed Abdellaoue, das Schlaudraff mit einem sehenswerten Pass vorbereitet hatte, ließ Lala sieben Minuten später einen ähnlichen Geniestreich folgen, den Schlaudraff vollendete. Lalas Mischung aus Zweikampfstärke und Übersicht könnte dazu führen, dass 96 den Vertrag mit ihm um ein weiteres Jahr verlängert.

          Es ist vor allem deshalb die Saison von Hannover 96, weil Slomka im Gegensatz zum Vorjahr selten personelle Schwierigkeiten plagen. Seine Mannschaft, auf den ersten Blick mit vielen unscheinbar wirkenden Profis besetzt, hat stille Reserven zu bieten. Ein Talent wie Konstantin Rausch, Torschütze zum vorentscheidenden 3:0 (58)., legt eine erstaunliche Karriere hin und hat sich vor allem technisch enorm verbessert.

          Lala gelang eine Rückkehr in die Stammelf, als habe er nie gefehlt. Und Schlaudraff nutzte die Abwesenheit des gesperrten Torjägers Didier Ya Konan, um sich mit Nachdruck in Erinnerung zu rufen. Die Freiburger blieben angesichts der Effektivität ihres Gegners chancenlos und kamen nur noch zum 1:3 durch den langjährigen 96-Spieler Jan Rosenthal (79.).

          Hannover verlängert die Verträge still und leise

          Für die Europa League darf in Hannover bereits geplant, von der Champions League kann weiter geträumt werden. Es spricht für die Arbeit und den Mut von Jörg Schmadtke, dass er dem aktuellen Team samt Ergänzungsspielern immer wieder das Vertrauen ausspricht. „Ich finde, dass wir auch mit dieser Mannschaft eine gute Rolle in Europa spielen können“, sagt der Sportdirektor.

          Die Verträge mit Ya Konan, Pinto, Karim Haggui, Christian Schulz und Sofian Chahed sind still und heimlich verlängert worden. Bei dem derzeit äußerst starken Torhüter Ron-Robert Zieler soll eine Vertragsoption dafür sorgen, dass er auf Grund von mehr als zwanzig Einsätzen in der kommenden Saison bis 2013 gebunden bleibt.

          „Es hat leichte Signale vom Verein gegeben“

          Offen bleibt das Kuriosum um den vor ein paar Monaten nicht mehr erwünschten Schlaudraff. Der Großverdiener im 96-Team, der seit seinem Wechsel vor drei Jahren vom FC Bayern nach Hannover häufig verletzt war und selten die hohen Erwartungen erfüllen konnte, ist plötzlich wieder eine Option für die Zukunft. „Es hat leichte Signale vom Verein gegeben“, sagt der frühere Nationalspieler.

          Präsident Martin Kind und Trainer Slomka, die Schlaudraff schon zu einem Vereinswechsel gedrängt hatten, leisten jetzt auf ihre Weise Abbitte. Slomka nutzt die Stärken des Siebenundzwanzigjährigen als Passgeber und Vorbereiter. Und Kind will über seinen Schatten springen und Schlaudraff über 2012 hinaus binden. Es wäre eine Zusammenarbeit, die die wundersame 96-Entwicklung auf fast märchenhafte Weise abrundete.

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