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3:1 in Frankfurt : Mainz schlägt am Main zu

Mainzer Traube: Auswärtssieg im Rhein-Main-Derby Bild: dpa

Mainz 05 gewinnt das Rhein-Main-Derby in Frankfurt mit 3:1. Für die Eintracht ist es die erste Heimniederlage seit dem Wiederaufstieg, für die Mainzer der erste Sieg überhaupt am Main.

          Die Serie ist gerissen. Ausgerechnet im Rhein-Main-Duell gegen den FSV Mainz 05 hat Eintracht Frankfurt die erste Heimniederlage der Saison hinnehmen müssen. 1:3 hieß es am Dienstag aus Sicht des Aufsteigers, der ersatzgeschwächt nicht an die vielen mitreißenderen Auftritte an selber Stelle anknüpfen konnte. Die Hessen blieben trotzdem auf dem vierten Tabellenplatz, während die Rheinhessen durch den ersten Sieg in Frankfurt auf den siebten Rang vorrückten. Was Trainer Armin Veh und seinen Leute an diesem Abend zusätzlich die Laune verdorben haben dürfte: Kapitän Pirmin Schwegler und Verteidiger Carlos Zambrano sahen jeweils die fünfte Gelbe Karte und fallen an diesem Freitag in Düsseldorf gesperrt ebenfalls aus.

          47.800 sahen eine Partie, die trotz des Derbycharakters nur verhalten in Gang kam. Was auch damit zu hatte, dass sich beide Fanlager zunächst zum Stillschweigen verpflichtet hatten. Der ligaweit organisierte Stimmungsboykott endete erst nach 12 Minuten und 12 Sekunden - ein Zeitpunkt, der in Anspielung auf die nächste Sicherheitskonferenz der Deutschen Fußball Liga gewählt war, bei der am 12. Dezember härtere Sanktionsmaßnahmen gegen Anhänger beschlossen werden sollen.

          Für unfreiwillige Momente der Komik sorgte im ersten Abschnitt der Mainzer Torwart Christian Wetklo, dem gleich ein halbes Dutzend Abschläge auf zum Teil haarsträubende Art und Weise misslang. Doch seine Fehltritte blieben folgenlos, weil es der Eintracht nicht zunächst gelang, einen zielstrebigen Vorstoß in den Strafraum zu unternehmen. Die Mainzer übernahmen schnell die Kontrolle über die Partie. Im Mittelfeld bestimmten Eugen Polanski als Balleroberer und Andreas Ivanschitz als Verteiler der Kugel den Takt, ihre Zuspiele auf den kampfstarken Adam Szalai und den flinken Shawn Parker setzten die Frankfurter Abwehr immer wieder unter Druck.

          Sein Treffer sorgt für den Anfang: Ivanschitz nach dem Mainzer 1:0

          Veh, der seine Viererkette verletzungsbedingt umstellen musste und so dem A-Jugendlichen Marc-Oliver Kempf zu seinem Bundesligadebüt verhalf, musste so mitansehen, dass es seiner Elf rund um den eigenen Strafraum an der nötigen Stabilität mangelte. Die Mainzer Führung durch Ivanschitz (18. Minute) deckte die Abstimmungsprobleme erstmals schonungslos auf: Kempf verlor ein Kopfballduell gegen Parker, während Carlos Zambrano gegen den Torschützen entscheidende Schritte zu spät kam: Der Österreicher, der zuletzt wiederholt wegen seiner Abschlussschwäche kritisiert worden war und später mit einer Knöchelverletzung ausgewechselt werden musste, ließ Kevin Trapp zwischen den Frankfurter Pfosten keine Abwehrchance.

          Während bei der Eintracht das Flügelspiel über Takashi Inui auf der linken und Stefan Aigner auf der rechten Außenbahn lahmte, gelang den aufmerksamen und engagierten 05ern mit frühem Forechecking und Überzahl in Zweikampfsituationen alsbald der nächste Wirkungstreffer. Diesmal war es Parker, der die Vorarbeit Polanskis vollendete: Der Mainzer U19-Nationalspieler nahm im Laufduell mit dem Frankfurter U17-Nationalspieler Kempf seinem Bewacher mehrere Meter ab und krönte seine sehenswerten Spurt durch die unsortierte Frankfurter Defensive mit ganz feiner Schusstechnik zum 0:2 (42.).

          Selbst das Frankfurter Tor erzielten die Mainzer

          Nach dem Seitenwechsel reagierte Veh, änderte Aufstellung und Taktik, um eine Wende herbei zu führen. Er nahm den abermals indisponierten Angreifer Oliver Occean vom Platz, fügte dafür Stefano Celozzi als Linksaußen hinzu, beorderte Aigner auf rechts und Alexander Meier in vorderste Reihe - besser wurde durch das Revirement aber auf Anhieb nichts. Stattdessen konnten sich die Frankfurter glücklich schätzen, dass Parker es bei einem Konter besonders schön machen wollte und den Ball über den schon geschlagenen Trapp hinweg gegen die Querlatte zirkelte (48.). Besser machte es kurz darauf Nikolce Noveski. Der Kapitän stieg in der 52. Minute ungehindert von Kempf und Aigner am höchsten, und traf nach einem Eckball aus kurzer Distanz zum 0:3. Dass es danach dennoch spannend blieb, lag ebenfalls an den Mainzern, denen gegen Frankfurt mal wieder das Missgeschick unterlief, den Ball ins eigene Netz zu schlagen: Szalai fälschte diesmal eine Inui-Flanke unhaltbar für seinen Mitspieler Wetklo zum 1:3 ab (55.).

          Das Engagement, in der verbleibenden Zeit das Resultat wenigstens noch erträglicher zu gestalten, war den Frankfurtern in der letzten halben Stunde nicht abzusprechen. Inui zögerte dabei einen Tick zu lange (61.) und Aigner scheiterte am reaktionsstarken Wetklo (62.). Alleine: Der clever sein Terrain behauptende Konkurrent ließ sich von vereinzelten Attacken nicht mehr aus dem Konzept bringen. Auch nicht von einer Gelb-Roten Karte gegen Julian Baumgartlinger wenige Sekunden vor dem Abpfiff.

          Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 1:3 (0:2)

          Eintracht Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Kempf, Oczipka - Schwegler, Rode - Aigner (71. Kouemaha), Meier, Inui (83. Kittel) - Occean (46. Celozzi)
          FSV Mainz 05: Wetklo - Pospech, Svensson, Noveski, Zabavnik - Baumgartlinger - Polanski, Soto (63. Caligiuri) - Ivanschitz (46. Nicolai Müller) - Parker (69. Risse), Szalai
          Schiedsrichter: Stark (Ergolding) -
          Zuschauer: 47 800
          Tore: 0:1 Ivanschitz (18.), 0:2 Parker (42.), 0:3 Noveski (52.), 1:3 Szalai (55./Eigentor)
          Gelbe Karten: Schwegler (5), Zambrano (5) / Polanski (2)
          Gelb-Rote Karten: - / Baumgartlinger (88./wiederholtes Foulspiel)

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