https://www.faz.net/-gtm-8evuu

3:1 in Augsburg : Dortmund zeigt Durchhaltevermögen

Auch ’ne Statistik: Der Schuss von Mchitarjan (links) war der 555. Ballkontakt der Dortmunder - und das erste Tor. Sahin hat mitgezählt. Bild: AFP

Mit dem 555. Ballkontakt seiner Mannschaft beim Spiel in Augsburg gelingt Mchitarjan das erlösende erste Tor für den BVB. Dem Ausgleich folgen zwei weitere Treffer zum Sieg.

          2 Min.

          Der Kampf um die deutsche Meisterschaft bleibt noch ein wenig offen. Borussia Dortmund, der einzige Verfolger von Bayern München, hat am Sonntagabend nach zähem Beginn und frühem Rückstand einen jener Arbeitssiege erzielt, die Spitzenteams auszeichnen. Durch Tore von Henrich Mchitarjan (45. Minute), Gonzalo Castro (69.) und Adrian Ramos (75.) gewannen die Dortmunder 3:1 beim FC Augsburg, der durch Alfred Finnbogason (16.) in Führung gegangen war. Die Augsburger, die von den letzten zehn Ligaspielen nur eins gewonnen haben, trennt damit nur noch die Tordifferenz hauchdünn von einem Abstiegsplatz.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Dabei hatte sich der FCA auf die Ballbesitzmaschine BVB mit einer klugen Taktik zunächst gut eingestellt. Die tiefgestaffelte Defensive der Augsburger gewährte den Dortmundern zwar fast achtzig Prozent Ballbesitz, doch die Torgefahr hatte zumindest vierzig Minuten lang der auf Konter lauernde Außenseiter gepachtet. Schon nach sieben Minuten setzte sich Caiuby gegen den Dortmunder Abwehrchef Mats Hummels durch und kam aus 15 Metern frei zum Schuss, doch Torwart Roman Bürki wehrte zur Ecke ab.

          Große Freude über sein Tor: Gonzalo Castro Bilderstrecke

          Eine Viertelstunde war vorbei, die Dortmunder hatten sich gerade damit eingerichtet, mit ihrer tempoarmen Spielkontrolle aktive Erholung am Ball zu betreiben und die Müdigkeit von der Europa-League-Reise am Donnerstag aus den Beinen zu joggen, da beschleunigten die Augsburger aus heiterem Himmel das Spiel. Innenverteidiger Hong Jeong-Ho schlug von der rechten Abwehrseite einen 50-Meter-Vollspannpass, wie er sonst nur den Weltmeistern Boateng oder Hummels vorbehalten ist, diagonal auf den linken Flügel. Der Ball landete präzise bei Philipp Max, der steil weiterleitete auf Caiuby, und der Brasilianer spielte von links den Ball im Rücken der Abwehr zwischen Verteidigern und Torwart hindurch auf Finnbogason, der ihn ins leere Tor schob – ein perfekter Hochtempo-Angriff, ein Musterbeispiel, wie man eine Abwehr blitzartig knacken kann.

          Es war erst das dritte Rückrunden-Gegentor für die Dortmunder, die das aber zunächst nicht aufzuwecken, eher weiter einzuschläfern schien. Vor allem Marco Reus sprang fast jeder Ball vom Fuß, bis ihn Trainer Thomas Tuchel zu Beginn der zweiten Halbzeit durch Gonzalo Castro ersetzte. Einzig Mchitarjan versprühte mitunter etwas Spielwitz. Nach 41 Minuten spielte er mit dem Außenrist einen überraschenden Lupfer in den Lauf von Reus, der völlig frei aufs Tor zulief, aber aus kurzer Distanz am entschlossen herausgekommenen Alexander Manninger scheiterte. Es war nicht nur die erste Abwehraktion des 38-jährigen Österreichers im Spiel, sondern sogar seine erste seit über einem Jahr. Manninger vertrat den kurzfristig wegen Grippe ausgefallenen Stamm-Torhüter Marwin Hitz.

          Kurz danach, in der letzten Szene vor der Pause, war der FCA-Torwart jedoch machtlos, als am Ende der ersten gelungenen BVB-Kombination Mchitarjan durch Doppelpass mit Sahin aus zehn Metern in zentraler Position frei zum Schuss kam. Er setzte den Ball, noch leicht abgefälscht, mit der linken Fußspitze zum Ausgleich ins Tor. Mchitarjans Schuss war der 555. Ballkontakt der Dortmunder – ein neuer Halbzeit-Rekord für die Bundesliga seit Beginn der Messungen und zugleich, angesichts des Spielverlaufs, einer der sinnlosesten aller Statistiken.

          Nach der Pause wurde der Favorit dann aber zunehmend zwingender. Nach 69 Minuten zeigte Hummels, dass auch er noch den langen Spitzen-Pass aus der eigenen Hälfte beherrscht – er bediente Ramos, der den Ball mit der Brust annahm, gut abschirmte und dann auf den aus dem Rückraum heranstürmenden Castro zurücklegte. Dessen Schuss flog, leicht abgefälscht, unhaltbar ins Eck.

          Ramos brauchte lang, um die Lücke zu füllen, die der Spielverzicht von Pierre-Emerick Aubameyang geöffnet hatte – nach dem Tod seines Großvaters hatte der Torjäger das Wochenende bei seiner Familie verbracht und auf Zuraten von Trainer Thomas Tuchel auf das Spiel verzichtet.

          Dem Vertreter Ramos gelang sechs Minuten nach seiner Torvorlage auch sein eigenes Tor, als er nach einer Ecke frei zum Kopfball kam und den von Manninger noch abgewehrten Ball im zweiten Versuch mit dem Fuß ins Tor befördern konnte. Damit hatten die Dortmunder endgültig eine weitere Reifeprüfung in dieser Saison erfolgreich abgeschlossen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          So wird man ihn nicht mehr sehen: Dirk Nowitzki im Trikot der Dallas Mavericks, hier im April 2019

          Basketballstar in Rente : Nowitzki und die große Zukunftsfrage

          Das Ziel für die anstehende Saison der besten Basketball-Liga der Welt lautet für Dirk Nowitzki: Abstand gewinnen. Für den ehemaligen NBA-Star gibt es jetzt sogar Eis zum Frühstück. Doch was macht er dann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.