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3:1 im Elfmeterschießen : Wiese weist Werder den Weg nach Berlin

  • -Aktualisiert am

Der Held von Hamburg: Drei Elfmeter gehalten und dann noch ein Sprint über den ganzen Platz Bild: ddp

Im Halbfinale des DFB-Pokals gewinnt Bremen mit 3:1 im Elfmeterschießen gegen Hamburg. Torwart Wiese pariert gleich drei Strafstöße und führt so sein Team zum Finale gegen Leverkusen. Der HSV hofft auf Revanche im Uefa-Pokal.

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          Tim Wiese hat Werder Bremen mit drei Paraden im Elfmeterschießen ins Finale des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen nach Berlin geführt. Der Bremer Keeper hielt im Halbfinale gegen den Hamburger SV die Bälle von Boateng, Olic und Jansen. Bei Werder verwandelten alle Schützen. So endete die Partie 3:1 im Strafstoß-Entscheid. Die Tore bis zur torlosen Verlängerung schossen Mertesacker zum 1:0 für Bremen in der 11. Minute und Olic in der 67. Minute. In der Nachspielzeit sah der Hamburger Kapitän David Jarolim für ein böses Foul gegen den vorbeistürmenden Özil die Rote Karte des guten Schiedsrichters Knut Kircher.

          Gleich bei der ersten von vier Begegnungen konnten die beiden Teams nicht genug von einander bekommen und nutzten den vollen Zeitrahmen aus, den solch ein Halbfinale - bietet bis zum für den HSV bitteren Ende. Erst spät wurde diese Partie allerdings ein echter Pokalfight voller Spannung, der die 55.000 Zuschauer begeisterte. Nach dem Ausgleich für den HSV gaben beide Teams ihre taktische Ausrichtung weitestgehend auf und drängten auf den Führungstreffer. Schon am kommenden Donnerstag sehen sich die beiden Mannschaften im Hinspiel des Uefa-Pokal-Halbfinals wieder. Dann in Bremen.

          Vierchancentournee oder Hanse-Cup

          Es war alles angerichtet für einen großen Fußballabend. Die lokalen Zeitungen und Radiosender hatten sich seit Tagen überboten mit Geschichten und Geschichtchen, und Wortneuschöpfungen für die vier Spiele zwischen Werder und HSV in 19 Tagen bewiesen Ideenreichtum - Vierchancentournee etwa oder Hanse-Cup. Auch für die Fans sind solche Partien Feiertage, und als die Partie begann, rollten die Hamburger Anhänger eine Raute riesigen Ausmaßes über ihren Köpfen aus. Darunter stand: 22 Jahre haben uns nicht am Träumen gehindert. Der große Traum vom ersten wichtigen Titel des HSV seit dem DFB-Pokalsieg 1987 sollte also ausgerechnet über einen Sieg gegen den großen Nordrivalen wahr gemacht werden.

          Der Jubel nach dem gehaltenen Schuss: Bremer Spieler nehmen die Verfolgung ihres Torwarts auf

          Vor dem Spiel hatten sich beide Trainer gegenseitig die Favoritenbürde zugeschanzt; der Hamburger Trainer Martin Jol verwies auf die geringere Belastung der in der Liga chancenlosen Bremer, der Bremer Coach Thomas Schaaf sagte, Hamburg sei in blendender Form, was man an der Tabelle ablesen könne. Als der Ball nach so vielen Worten endlich rollte, spielte Werder mit der gewohnten Aufstellung um Diego und Frings im Mittelfeld, während beim HSV Trochowski fehlte und zunächst nur auf der Bank saß - Jol versuchte es überraschend offensiv mit Guerrero, Petric und Olic.

          Leidenschaft gegen Coolness

          Hamburg begann aggressiv und mutig, Werder wartete ab, wirkte aber von Beginn an abgeklärter und weniger beeindruckt von der Kulisse. Es spielte Leidenschaft gegen Coolness. Als Jarolim nach zehn Minuten Pizarro foulte und Werder einen Freistoß bekam, hatte Diego seine erste gute Aktion. Seinen Freistoß aus 20 Metern wehrte Frank Rost mit Mühe noch ab, doch den Abstauber setzte Mertesacker zum 1:0 für Werder ins Tor. Vorher hatte Pizarro hauchdünn im Abseits gestanden - gleichgültig, Werder jubelte. Wieder war es Diego, der seine Klasse zeigte. Beinahe hätte Naldo in der 22. Minute das 2:0 geschossen, doch seinen Freistoß aus 40 Metern parierte Rost.

          Der HSV kam dagegen gar nicht ins Spiel. Es fehlte die ordnende Hand im Mittelfeld, es fehlte der letzte Pass, es fehlte Präzision. Werder war präsenter im Mittelfeld und kam mit der Belastung eines solchen Spiels mit finalem Charakter zunächst besser zurecht. So war es noch einmal Rost, der eine höhere Bremer Führung verhinderte - Boenischs Schuss lenkte er über das Tor.

          Tim Wiese hatte das bessere Ende für sich

          Zur Pause reagierte Jol und wechselte für den übermotivierten Guerrero Jonathan Pitroipa ein, später kam Trochowski für den schwachen Aogo. Mit dieser Aufstellung sah es besser aus, was der HSV zeigte; er spielte jetzt stabiler und auch selbstbewusster. Erst jetzt wurde es ein richtig gutes Pokalspiel mit Kampf und Tempo, Hektik und Härte. Verdient hatte sich der HSV den Ausgleich in der 67. Minute durch das engagiertere Spiel nach der Pause - Olic lenkte einen Schuss von Demel ins Tor der Bremer. Jols Offensivtaktik war endgültig geplatzt, als Mladen Petric mit einem blutenden Riss am Schienbein in der 68. Minute vom Platz musste. Ihn ersetzte Boateng. In der Nachspielzeit musste Wiese bei Olics Schuss noch mal sein ganzes Können zeigen.

          Die Partie ging aufgeheizt und mit Rudelbildung in die Verlängerung, weil David Jarolim in höchster Not an der Mittellinie Özil bös umtrat und zu Recht die Rote Karte sah. In der ersten Hälfte der Verlängerung spielte nur noch Werder, vergab aber große Chancen durch Rosenberg und Naldo - beide Male parierte Rost prächtig. Dann kam Hamburg in Unterzahl und mit letzter Kraft noch einmal auf und hätte beinahe die Führung durch Trochowski erzielt (112. Minute). In allerletzter Minute musste dann noch einmal Wiese weit außerhalb des Strafraums gegen den konternden Pitroipa retten. Die Fans feierten ihre Mannschaften am Ende für die späte Energieleistung stehend. Die Bremer hatten dann im Elfmeterschießen das bessere Ende für sich: die platzierten Schüsse von Pizarro und Frings prallten von Pfosten bzw. Latte ins Netz. Und Wiese hatte noch so viel Energie in sich, dass er nach seiner dritten Parade bis ans andere Ende des Platzes sprintete, ehe er von seinen Mitspielern zum Jubeln eingeholt wurde.

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