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3:1 gegen Kaiserslautern : Hoffenheim legt vor

Mann des Abends: Firmino (l.) trifft doppelt Bild: dpa

Im Kampf um einen Platz in der ersten Liga halten die Kraichgauer Kaiserslautern auf Distanz – jedenfalls bis zum Rückspiel dieser Relegation. Firmino trifft zweimal.

          Markus Gisdol hatte von einem „kleinen Wunder“ gesprochen, das es zu vollenden gelte. Gemeint war der hollywoodreife Last-Minute-Sprung der TSG Hoffenheim auf den Relegationsplatz der Fußball-Bundesliga - und die damit verbundene Aussicht, nach einer weitgehend beschämenden Saison womöglich doch noch eine erstklassige Zukunft vor sich zu haben.

          Und tatsächlich: Nach dem ersten Teil der Ausscheidungsspiele gegen den 1. FC Kaiserslautern spricht viel dafür, dass sich Hoffenheim auch im nächsten Jahr zu den besten 18 Klubs des Landes zählen darf. Nach dem 3:1 am Donnerstagabend durch die Tore von Roberto Firmino in der 11. und 29. Minute sowie Sven Schipplock (67.) geht das Team von Markus Gisdol mit einem respektablen Vorsprung in das Rückspiel am Montag. Der FCK, der durch Mohamadou Idrissou zum zwischenzeitlichen 1:2 kam (58.), wird nun seinerseits fast ein kleines Wunder benötigen, will er in der gewiss infernalischen Atmosphäre des Betzenbergs das Blatt noch zu seinen Gunsten wenden.

          Zumal die Hoffenheimer im ersten Teil des Duells weitgehend dort weitermachten, wo sie in der Liga aufgehört hatten. Es scheint, als sei es Gisdol gerade noch rechtzeitig gelungen, aus dem Hoffenheimer Luxuskader auch ein spiel- und willensstarkes Team zu formen - aus dem am Donnerstag Firmino herausragte, der neben seinen beiden Toren auch das dritte vorbereitete.

          „Tradition gegen Emporkömmling“

          Schipplock, der schon beim 2:2 in Bremen als Joker geglänzt hatte, traf keine zwei Minuten nach seiner Einwechslung. Verdient war der Sieg des millionenschweren Hoffenheimer Bundesliga-Ensembles gegen den Dritten der Zweiten Liga allemal. Dem Team von Franco Foda fehlte es zwar nicht an Mumm, aber letztlich doch ein wenig an individueller und kollektiver Klasse, um Hoffenheim ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

          Auf dem besten Weg, zum Retter zu werden: Hoffenheims Trainer Gisdol

          Die Ausfahrt Sinsheim-Süd war zuletzt meist die Einfahrt in ein eher tristes Fußballreich. Doch wer sich am Donnerstag von der A 6 der Rhein-Neckar-Arena näherte, der spürte, dass es diesmal anders sein würde - und das nicht nur, weil es um den letzten freien Platz in der ersten Klasse ging. Sondern auch, weil es in gewisser Weise das Duell zweier Welten war. „Tradition gegen Emporkömmling“, wie es der Lauterer Klubchef Stefan Kuntz nannte. Und nahm man die geographische Nähe im Südwesten dazu, ungefähr 85 Kilometer Luftlinie, dann hatte man alle Zutaten für ein packendes Duell.

          Das Vorspiel im Stadion war dann auch recht deftig. Bei den Schmähgesängen, vor allem aus dem Lauterer Block, fühlte man sich doch etwas unangenehm an den rauen Ton der 80er Jahre erinnert. Auf dem Platz ging es von Beginn an intensiv, aber zumeist in einem vertretbaren Rahmen zur Sache. Der FCK sah sich naturgemäß in der Außenseiterrolle. Aber er bekam diese eine Chance, die man in so einer Situation besser nutzen sollte. Nach einem Fehler von Abraham kam Hoffer zum Schuss, und hätte nicht Casteels glänzend pariert - es wäre nach knapp fünf Minuten die Lauterer Führung gewesen.

          Joker: Kaum den Platz betreten, schon trifft Schipplock

          So aber bekam man nach ordentlichem - weil mutigem - Beginn der Pfälzer recht bald das Gefühl, dass tatsächlich zwei Klassen aufeinandertrafen. Während die Lauterer einen gewaltigen Aufwand betrieben, ohne das Hoffenheimer Tor ernsthaft in Gefahr zu bringen, ging die Sache Gisdols Team auffallend leicht vom Fuß. Aus Lauterer Sicht war es mehr als bedrohlich, wie gut sich die Hoffenheimer in der kritischen Zone vor dem Strafraum entfalten konnten. Auf das variable Offensivspiel, in dem sich Volland und Salihovic hervortaten, bekam die Defensive des FCK einfach keinen Zugriff. Vor dem 1:0 war Volland nur durch ein Foul zu bremsen; beim Freistoß durch Salihovic stand die Lauterer Abwehr dann auch noch Spalier für Firmino, dem an der Fünfmeterlinie eine leichte Ballberührung genügte. Das 2:0 entsprang einer Kombination, wie sie nur einem Team gelingt, das neben der nötigen Klasse auch Selbstbewusstsein mitbringt. Kapitän Beck war der finale Flankengeber für Firmino.

          Nach nicht einmal einer halben Stunde schienen die Verhältnisse geklärt. Die TSG präsentierte sich mit auffallend breiter Brust - der Thriller von Dortmund mit Hoffenheimer Happy-End schien seine psychologische Wirkung voll zu entfalten. Andererseits aber war klar, dass ein einziges Tor für Lautern die Dinge ändern würde. Und Fodas Team tat nach der Pause, was nötig war, um sich diese Chance zu erarbeiten. Die Lauterer legten noch einmal einen Zahn zu - und wurden belohnt. Nach einem Hoffenheimer Ballverlust tat sich die Lücke für Idrissou auf, der Casteels umkurvte und zum 1:2 einschob. Die Lauterer Freude war groß - doch sie währte nicht allzu lange. Nach einem Fehler von Torrejon bediente Firmino den Kollegen Schipplock. Und den braucht man in solchen Fällen nicht lange zu bitten.

          TSG 1899 Hoffenheim - 1. FC Kaiserslautern 3:1 (2:0)

          1899 Hoffenheim: Casteels - Beck, Abraham, Vestergaard, Thesker - Polanski, Rudy (65. Schipplock) - Salihovic (87. Süle), Johnson, Roberto Firmino - Volland
          1. FC Kaiserslautern: Sippel - Dick, Heintz, Torrejón, Löwe - Orban, Borysiuk - Weiser (76. Bunjaku), Baumjohann - Hoffer (68. Riedel), Idrissou (90. Zellner)
          Schiedsrichter: Brych (München)
          Zuschauer: 30 150 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Roberto Firmino (11.), 2:0 Roberto Firmino (29.), 2:1 Idrissou (58.), 3:1 Schipplock (67.)
          Gelbe Karten: Beck, Salihovic / Baumjohann, Heintz, Torrejón

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