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3:1 gegen Hoffenheim : Gladbach ist der bessere Bayern-Jäger

  • -Aktualisiert am

Erfolgreiche Borussen: Hahn (links) und Herrmann treffen für Gladbach Bild: AFP

Gladbach weckt Erinnerungen an das goldene Fußball-Zeitalter der „Fohlenelf“ in den 70er Jahren. Im Duell der Bayern-Verfolger setzt sich die Borussia mit ansehnlichem Konterspiel gegen Hoffenheim mit 3:1 durch.

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          Vor kurzem hatte Philipp Lahm vorhergesagt, dass mit den Mönchengladbacher Borussen in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga für längere Zeit zu rechnen sei. „Sie werden nicht so schnell von da oben wegzukriegen sein“, sagte der Kapitän des FC Bayern München.

          Lahm und seine Mitstreiter hatten sich gerade an den Gladbachern abgearbeitet und am Ende ein torloses Unentschieden erreicht, mit dem sie sehr zufrieden sein konnten. Eine Woche später erhielt Lahm einen Bestätigungsvermerk für seine Prognose.

          Beim 3:1 über die TSG 1899 Hoffenheim zeigten die Gladbacher, wie wohl sie sich fühlen als Verfolger des Titelverteidigers. Sie erhoben spielend den Anspruch, noch eine Weile dort oben zu bleiben wollen. Dank der Tore von Andre Hahn (12. Minute) und Patrick Herrmann (32./52.) zog die Borussia nach Punkten wieder gleich mit dem VfL Wolfsburg. Hoffenheim hatte nur Mitte der ersten Hälfte, nach dem Treffer von Anthony Modeste (30.) vorübergehend den Anschein erweckt, die Partie ausgeglichen gestalten zu können.

          „Natürlich bin ich zufrieden. Es war klar verdient. Wir haben jetzt 20 Punkte“, analysierte Favre an seinem 57. Geburtstag. „Es ist fantastisch. Wir wollen die Serie fortsetzen.“ Sein Gegenüber lobte Gladbach ebenfalls. „Wir haben gegen einen sehr guten Gegner gespielt, unsere Leistung war total in Ordnung. Das haut uns nichts um“, sagte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol.

          Mit dem Sieg haben die Gladbacher sich nicht nur als Bayern-Verfolger etabliert; sie wecken auch Erinnerungen an das goldene Fußball-Zeitalter der „Fohlenelf“, die den Münchnern vor mehr als vier Jahrzehnten mit erfrischendem Fußball Paroli geboten hatte: Die Borussen blieben zum siebzehnten Mal nacheinander in einem Pflichtspiel ungeschlagen, so eine Serie hatte Gladbach in seiner langen Bundesligageschichte erst einmal hingelegt - in der Saison 1971/72 unter der Regie der Trainerlegende Hennes Weisweiler.

          Das 1:0 – Hahn vollendet einen Konter volley Bilderstrecke
          Das 1:0 – Hahn vollendet einen Konter volley :

          Bevor die Spieler den Rasen betraten, gab es im Stadion ein Geburtstagsständchen für Lucien Favre, der am Niederrhein eine Art sportlichen Urenkel Weisweilers verkörpert. Die Gladbacher Fans sangen „Happy Birthday“ für den Schweizer Cheftrainer, der sein 57. Lebensjahr vollendete. Dann wandte sich die große Geburtstagsgesellschaft auf dem Rasen wie auf den Rängen dem eigentlichen Anlass der Zusammenkunft zu.

          Und auch das Ergebnis versetzte Gladbach früh in Feierlaune. Schon der erste gepflegte Angriff Marke Gladbach führte zum Ziel. Am Ende einer mustergültigen Kombination fand Herrmanns Flanke in Hahn einen dankbaren und technisch versierten Abnehmer. Der Mittelfeldspieler traf mit einem Volleyschuss zum 1:0. Hahn hatte jüngst wissen lassen, dass er gern mal für einen Tag mit dem Formel-1-Piloten Sebastian Vettel tauschen würde.

          „Ich glaube, dass es einen wahnsinnigen Adrenalinkick gibt, wenn man mit diesem Auto unterwegs ist“, sagte Hahn. Aber auch in seiner Rolle als Fußballprofi von Borussia Mönchengladbach kommt der Mittelfeldspieler derzeit auf seine Kosten. Und für Adrenalin ist auch gesorgt, wenn ein Gegner wie Hoffenheim sich als Mitbewerber im Kreis der ersten drei Mannschaften unterhalb der Bayern zu erkennen gibt, was diesmal aber nur kurz der Fall war.

          Die Kraichgauer ließen sich durch den frühen Rückstand (noch) nicht entmutigen, sondern nahmen allmählich Fahrt auf. Ihre ersten Vorstöße endeten im Abseits, doch der dritte Versuch war ein Volltreffer - auch weil die Gladbacher, bei aller Klasse, nicht frei von Fehlern sind. Nach einem untauglichen Abwehrversuch von Julian Korb ließen sie den Gegner am eigenen Strafraum so lange kombinieren, bis Modeste mit einem plazierten Schuss den Ausgleich erzielte. Nach einer kurzen Auszeit besannen die Borussen sich umgehend wieder auf eine ihre Stärken - den schnellen Vorstoß. Wieder waren Herrmann und Hahn die ausführenden Organe, diesmal tauschten die beiden Flügelspieler jedoch die Rollen. Hahn flankte und Herrmann vollendete mit einer Direktabnahme.

          Die knappe Führung genügte den Gladbachern nicht. Nach der Pause strebten sie energisch das dritte Tor an, um sich Ruhe zu verschaffen. Einen Kopfball von Hahn konnte TSG-Torhüter Oliver Baumann gerade noch über das Lattenkreuz lenken, wenige Minuten später aber musste er die Kugel wieder aus dem Netz holen. Nachdem Baumann einen Freistoß von Havard Nordtveit (zu) kurz abgewehrt hatte, erzielte Herrmann aus sechs Metern Entfernung sein zweites Tor.

          Raffael, der mitten im Strafraum frei zum Schuss kam, verpasste wenig später die Gelegenheit, schon vor Ablauf einer Stunde die letzten Zweifel zu beseitigen. Sein Schuss prallte gegen die Latte. Hoffenheim fehlte es an Willenskraft, sich noch einmal aufzuraffen und die erste Niederlage in der aktuellen Spielzeit abzuwenden. So ging Favres Geburtstagsparty auf dem Rasen störungsfrei zu Ende. Und die Fans verabschiedeten den Trainer mit einem weiteren Ständchen in den Feierabend.

          Der Gefeierte blieb freilich auch im Sieg kritisch: „Wir machen zu wenig Tore im Vergleich zu unseren Torchancen.“ Auch Manager Max Eberl warnte vor übersteigerten Erwartungen. „Wir genießen den Moment und stehen im Moment zu recht da oben“, kommentierte er. „Es ist knapp ein Drittel der Saison gespielt. Es ist noch ein langer Weg, aber den wollen wir gehen. Wenn mal einer der fünf großen Clubs schwächelt, wollen wir da sein.“

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